Rheuma in Mund und Auge?

Pressemitteilung vom 03.03.2008
In Leipzig findet der 7. Deutsche Sjögren-Tag stattDie Teilnahme ist kostenlos.
Zeit 08. März 2008, 10:30 Uhr bis 16:15 Uhr
Ort Hörsaal Innere Medizin
Johannisallee 32

Wer von Rheuma hört, denkt zumeist an Gelenkschmerzen. Es sei denn, er ist Experte oder betroffen von einer der vielen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Eine der zahllosen Rheuma-Erscheinungsformen ist das Sjögren-Syndrom. Mit dem beschäftigt sich der 7. Deutsche Sjögren-Tag, der am 8. März vom Selbsthilfe-Netzwerk Sjögren-Syndrom und dem Rheumazentrum am Universitätsklinikum Leipzig veranstaltet wird. Eingeladen sind alle Betroffenen und Interessierten.

"Unter Rheuma versteht man alle Krankheiten im Bereich des Bewegungsapparates, die nicht durch eine Verletzung oder durch tumoröse Veränderungen hervorgerufen worden sind", erläutert Prof. Christoph G.O. Baerwald, der Leiter der Sektion Rheumatologie an der Universität Leipzig und wissenschaftlicher Betreuer des Sjögren-Tages in Leipzig. "Aber Rheuma überfällt den Menschen nicht nur am Bewegungsapparat. Es ist auch eine Erkrankung von Bindegewebsstrukturen. Da aber Bindegewebe praktisch überall im Körper vorhanden ist, können fast alle Organe an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung beteiligt sein." Insofern sei Rheuma auch keine einheitliche Krankheit. Vielmehr fallen unter diesen Oberbegriff fast 400 einzelne Erkrankungen an den unterschiedlichsten Organen. Und eine davon ist das Syndrom, das der schwedische Augenarzt Henrik Sjögren 1933 erstmals beschrieb.

Woran leiden die Erkrankten? "Das primäre, also als eigenständige Krankheit auftretende, Syndrom bedeutet, dass bestimmte Drüsen ihre Arbeit reduzieren oder aufgeben. Dem Menschen fehlt es dann unter anderem an Tränen und Speichel, auch die Atmungs- und Geschlechtsorgane können austrocknen", so Baerwald. "Diese chronische Störung der Drüsenfunktion führt zu massiven Beeinträchtigungen und Folgeerscheinungen. Wenn es beispielsweise an Speichel mangelt, werden die Zähne in Mitleidenschaft gezogen und bekommt der Magen schlecht vorbereitete Nahrung zugemutet. In seltenen Fällen kann sich auch ein Tumor der Lymphdrüsen entwickeln."

In sekundärer Form kann das Sjögren-Syndrom aber auch als Begleiterscheinung anderer rheumatischer Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Lupus erythematodes auftreten. Dann hat der Patient auch noch mit Symptomen wie Müdigkeit, Fieber und Schmerzen zu kämpfen. Bislang ist diese Krankheit zwar durch Labor-Tests und schließlich durch die Untersuchung eines winzigen Hautstückes der Lippeninnenseite feststellbar. Aber nach wie vor kann man sie weder vermeiden noch heilen. Lediglich die Symptome können gelindert werden, so unter anderem durch künstlichen, über ein Spray erzeugten Speichel und durch künstliche Tränen. Manifestationen an anderen Organen können durch Medikamente beeinflusst werden.

Der medizinischen Forschung gibt das Sjögren-Syndrom in seiner Differenziertheit bislang noch viele Rätsel auf. "Derzeit geht es darum, herauszubekommen, welche Zellen die Drüsen angreifen. Daraus könnte dann eine Therapie entwickelt werden, die diese zerstörerischen Zellen bremst. Andere Forscher widmen sich den besonders schweren Krankheitsverläufen und der Fragestellung, inwieweit die Sjögren-Patienten ein erhöhtes Risiko haben, an bestimmten Blutkrebsarten zu erkranken. Aber wie gesagt - noch steht die Forschung vor vielen offenen Fragen."

Dies liegt zum Teil auch daran, dass nur rund ein Prozent aller Menschen am Sjögren-Syndrom erkrankt ist, was es als seltene Krankheit gelten lässt. Das macht es den jedoch Betroffenen nicht leichter. Unter dem Dach der Deutschen Rheuma-Liga haben sich deshalb die ersten Selbsthilfe-Gruppen von Sjögren-Patienten gebildet. Diese initiieren den an immer anderen Orten stattfindenden Deutschen Sjögren-Tag, dieses Jahr den siebten. Der Veranstaltungsort Leipzig wurde gewählt, weil mit dem Rheumazentrum am Universitätsklinikum ein interessanter wissenschaftlicher Partner zur Verfügung steht, dessen Sprecher, Prof. Dr. Holm Häntzschel und Dr. Wolfram Seidel, als lokale Organisatoren fungieren. Während der Referate werden Mediziner die verschiedensten Aspekte der Krankheit erörtern, so unter anderem die Frage beantworten "Woher kommen die Schmerzen beim Sjögren-Syndrom?". Außerdem wird die Krankheit in Zusammenhang mit anderen Organen, so dem Magen-Darm-Trakt, Hals, Nase und Ohren oder der Lunge dargestellt. Ein weiterer Vortrag widmet sich neuen Medikamenten und Verfahren zur Behandlung des Sjögren-Syndroms. In einer Fragerunde haben die Besucher Gelegenheit, Experten um ihre Meinung zu bitten.

Marlis Heinz