Universität gleich dreifach auf Biotechnica 2009 vertreten

Pressemitteilung vom 02.10.2009
Im Dreierpack präsentiert sich die Universität Leipzig auf der Biotechnica in Hannover. Gezeigt werden auf Europas Leitveranstaltung für Biotechnologie aktuelle Projekte und Forschungsvorhaben aus dem Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum (BBZ), dem Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) und dem Institut für Biochemie an der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie.
Zeit 06. Oktober 2009 bis 08. Oktober 2009
Ort Deutsche Messe
Messegelände
30521 Hannover

Das BBZ präsentiert "Zellen ohne mitochondriale DNA für die Forschung". Ein Forscherteam um Prof. Peter Seibel stellt einen neuen Weg vor, die DNA aus Mitochondrien zu entfernen. Die Mitochondrien, die - da in ihnen Energie produziert wird - auch als "Kraftwerk der Zelle" bezeichnet werden, verfügen über ein eigenes Genom. Dadurch bleibt bei dem Entfernen der DNA aus den Mitochondrien die DNA des Zellkerns erhalten. In den Mitochondrien werden Sauerstoffradikale gebildet, die mit ihrem negativen Einfluss Zellen dauerhaft schädigen können. Wird die DNA der Mitochondrien jedoch entfernt, arbeiten diese nicht mehr. Das führt dazu, dass sich andere Effekte auf die Zelle hinsichtlich ihrer Wirkung besser beurteilen lassen, da die Möglichkeit, dass diese von den Sauerstoffradikalen ausgelöst wurden, nun ausgeschlossen ist. "Wir betreiben Grundlagenforschung, mit der sich künftig Alterungsphänomene studieren oder genetisch bedingte Erkrankungen entschlüsseln lassen", so Diplom-Biologe Ingo Schäfer.

Das TRM zeigt ein Verfahren, das Menschen mit beschädigten Knieknorpeln neue Hoffnung geben kann. Mittels Tissue Engineering, speziell der Ex-vivo-Vermehrung von körpereigenem, autologem Zellmaterial, werden funktionelle Zell- und Gewebeersatzstrukturen gezüchtet. Die extrakorporale Herstellung von Gelenkknorpel schließt die Gewinnung autologer mesenchymaler Stammzellen, die Besiedlung von dreidimensionalen Matrizes, die Ausdifferenzierung in vitro und die Implantation in vivo im Rahmen der so genannten Matrix-gekoppelten Autologen Chondrozyten Transplanta-tion ein. Das Verfahren macht die bisher notwendige zweite Operation im Rahmen einer herkömmlichen MACT überflüssig und ermöglicht durch eine chondrogene In-vitro-Vordifferenzierung der Stammzellen eine Defektregeneration durch hyalinen Gelenkknorpel.

Das Institut für Biochemie präsentiert auf der Biotechnica ausgewählte Projekte zum Verstehen und Anwenden biologischer Moleküle. Das Institut ist eines der drittmittelstärksten Institute der Universität Leipzig. Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Mario Mörl beschäftigt sich mit biomolekularem Lego, also dem bausteinartigen Aufbau von Polymerasen. Diese wirken als Enzyme und könnten als Werkzeug eingesetzt werden, um neue Wirkstoffe und Bestandteile von Zellen herzustellen. Ein anderes, EU-gefördertes, Projekt (GIPIO) befasst sich mit krankhafter Fettleibigkeit. Dazu erforscht das Team von Prof. Dr. Annette G. Beck-Sickinger, wie Peptide im Magen-Darm-Trakt wirken. Auf Basis dieser Kenntnisse können synthetische Peptide hergestellt werden, die Fettleibigkeit heilen oder sogar verhindern.