Neid und Neidbewältigung in Deutschland

Pressemitteilung vom 07.09.2009
Ergebnisse einer Repräsentativbefragung

Wie immer, wenn Bundestagswahlen oder Jahrestage der Vereinigung anstehen, kommt die Frage auf, ob im Verhältnis von West- und Ostdeutschland endlich zusammen gewachsen ist, was zusammengehörig gedacht wurde. Dann richtet sich der demoskopische Blick fast reflexartig auf die Bevölkerung der neuen Bundesländer, die inzwischen wahrscheinlich als die europaweit am Besten beforschte Bevölkerung gelten darf. Dabei zeigt die derzeitige Finanzkrise, die im Kern eine Krise des Rheinischen Kapitalismus ist, dass Westdeutsche mit Ostdeutschen im gleichen Boot sitzen, wenn auch nach wie vor auf bequemeren Bänken.

Seit Jahren geht die neo-liberale Transformation der sozialen Marktwirtschaft mit verschiedenen Etiketten einher. Eines davon ist das Etikett der "Neidgesellschaft", das im politischen Kampf vielfach Verwendung findet. Nun legen Rolf Haubl, Professor für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Johann Wolfgang-Goethe sowie Direktor des Sigmund-Freud-Instituts, und Elmar Brähler, Professor für Medizinische
Soziologie und Medizinische Psychologie an der Universität Leipzig, die Ergebnisse einer Repräsentativerhebung zum Thema vor. Zwar stammen die Daten aus dem Juli 2008, es sind aber die aktuellsten Daten, die zur Verfügung stehen.

Die Ergebnisse lassen sich zum Grundton einer gespannten Stimmung verdichten, die es bereits gab, bevor die Finanzkrise das öffentliche Bewusstsein erreichte. Es bleibt abzuwarten, ob und wie weit die Krise diese Stimmung beeinflussen wird.