Universität Leipzig beteiligt sich am Wissenschaftszug

Pressemitteilung vom 06.08.2009
Mit der Darstellung eines im Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) entwickelten Bioreaktors beteiligt sich die Universität Leipzig am Wissenschaftszug der Max-Planck-Gesellschaft, der im August Station in Leipzig macht. In Bioreaktoren wird das Wachstum von Zellen auf Trägermaterialien angeregt. Auf diese Weise werden Kieferimplantate zur Rekonstruktion von Defekten entwickelt.Öffnungszeiten: Do + Fr 9:00 bis 17:00 Uhr Sa 10:00 bis 18:00 Uhr Der Bioreaktor ist in Wagon Nr. 7 "wirksam + individuell" ausgestellt. Eintritt frei.
Zeit 13. August 2009, 09:00 Uhr bis 15. August 2009, 18:00 Uhr
Ort Leipziger Hauptbahnhof, Gleis 14

Wie wird die Welt in 20 Jahren aussehen, wie werden wir dann leben? Die Max-Planck-Gesellschaft wirft einen Blick in die nicht mehr allzu ferne Zukunft mit der vom Bundesbildungsministerium geförderten Wanderausstellung "Expedition Zukunft". Das Besondere an dieser Ausstellung ist, sie zieht als Wissenschaftszug durch 62 deutsche Städte. Er besteht aus 12 Wagons, die sich jeweils einem eigenen Thema widmen wie beispielsweise der digitalen Entwicklung, Ernährung, Energieversorgung oder Erfindung neuer Materialien. Wagon Nr. 7 beschäftigt sich mit den Themen Krankheit und Medizintechnik. Dort finden Sie auch die Darstellung eines Bioreaktors aus dem Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) der Universität Leipzig.

In Bioreaktoren können Zellen unter bestimmten Bedingungen gezielt zum Wachsen angeregt werden. Ein Bioreaktor ist ein Behälter, der mit komplizierter Elektrotechnik für die Steuerung und Datenanalyse ausgestattet ist. In ihm werden Zellen einerseits unter idealen Bedingungen mit den nötigen Nährstoffen versorgt. Zum anderen können verschiedene Lebensbedingungen simuliert werden. Zum Einsatz kommt dieses neue Verfahren unter anderem bei Kieferimplantaten. Denn die heute üblichen Knochentransplantationen im Kieferbereich haben einen gravierenden Nachteil. "Bisher wird der notwendige Knochenersatz vom Patienten entnommen, zum Beispiel aus dem Becken", beschreibt Jan Liese, Forscher am TRM Leipzig und Chirurg an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie (MKG) des Leipziger Universitätsklinikums die gegenwärtige Behandlungspraxis. "Dieser Eingriff ist sehr aufwändig und kann beträchtliche Neben- und Nachwirkungen mit sich bringen."Der 32jährige untersucht deshalb die Einsatzmöglichkeiten eines mit Hilfe des Bioreaktors stammzellbesiedelten Knochenimplantates. In Jan Lieses Vision ersetzt dieses kalziumhaltige Material ein fehlendes Stück Kieferknochen, das zum Beispiel wegen eines Tumors entfernt werden musste. Anschließend sollen die Stammzellen, die auf und in dem Material "schlummern", zu Knochenzellen reifen. Dabei werden die Zellen vom Implantatmaterial gestützt und getragen, bis sie es allmählich unter Bildung von Knochen ersetzen.

"Das Tissue Engineering, das Züchten komplexer Gewebe, ist eine der großen Herausforderungen in der regenerativen Medizin", erklärt Prof. Dr. Ulrich Sack, stellvertretender Direktor für Forschung des TRM Leipzig, "Fortschritte in diesem Forschungsbereich, sowohl bei Knochen als auch Organen wie der Leber, können uns in Zukunft unabhängiger von knappen Transplantationsspenden machen."

Der Wissenschaftszug will allen Besuchern, speziell jedoch jungen Menschen einen Überblick vermitteln, welche Wissensgebiete sich heute weltweit besonders dynamisch und vielversprechend entwickeln und wie sie in den kommenden Jahrzehnten unser Leben beeinflussen werden. Er will nicht nur mögliche berufliche Wege aufzeigen, sondern auch generell, was die Natur- und Lebenswissenschaften leisten können, um die Zukunft zu gestalten.