Mobilität und Wahlfreiheit im Praktischen Jahr des Medizinstudiums

Pressemitteilung vom 10.06.2009
Der 70. Ordentliche Medizinische Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland tagt in Leipzig. Es geht u. a. um die Flexibilität und Mobilität für Studierende der Medizin.

Die im Rahmen des Bologna-Prozesses gewünschte Flexibilität und Mobilität für Studierende ist für angehende Mediziner im Praktischen Jahr (PJ) sehr hoch. So verbringt mehr als ein Viertel der Studierenden einen Teil des PJ im Ausland. Die Strukturqualität der Lehre und die Lernziele werden an den Fakultäten durch Logbücher überprüft. Dies ergibt die jüngste Umfrage des Medizinischen Fakultätentages (MFT).

"Nach der wissenschaftlichen Grundausbildung an den Medizinischen Fakultäten gehen die Studie-renden vor der Zweiten Staatsprüfung in das Praktische Jahr. Pro Universität sind dies 110 bis 400 angehende Mediziner", erläutert MFT-Präsident Professor Gebhard von Jagow. "Diese verteilen sich auf Universitätskliniken, akademische Lehrkrankenhäuser und Einrichtungen im Ausland." Hinsicht-lich der Wahlfächer herrscht an den Universitätskliniken ein ausgewogenes Niveau von Angebot und Nachfrage. Das PJ komplett im Ausland zu verbringen, ist an mehr als 60 Prozent der Fakultäten möglich. Dies lässt auf deutliche Wahlmöglichkeiten der Ausbildungsstätten schließen, die mehr als ein Viertel der Studierenden gerne annehmen. Spitzenreiter in der Mobilität ist die Chirurgie: Hier finden fast die Hälfte der Auslandstertiale statt.

"Auch die Strukturqualität der Lehre hat sich positiv entwickelt", so von Jagow: "In der Chirurgie ist sie inzwischen so praxisorientiert, dass die Studierenden fast die Hälfte der Lehrzeit im OP verbrin-gen." Im Pflichtfach Innere Medizin wird zu 34 Prozent durch praktische Tätigkeiten am Patienten gelehrt, 22 Prozent der Zeit sind der Anamnese gewidmet, weitere 15 Prozent werden für Dokumen-tationen bzw. Arztbriefe verwendet. 29 der 34 an der Umfrage teilnehmenden Fakultäten benutzen dabei Logbücher zur Dokumentation der Ausbildung in den Pflichtfächern.

"Die Qualitätssicherung kann aber noch ausgebaut werden", erklärt Professor Udo Obertacke vom PJ-Kompetenzzentrum Mannheim, "denn nur 25 Fakultäten führen eine gesonderte Qualitätssiche-rung bei den akademischen Lehrkrankenhäusern durch". Der Umfang des theoretischen Unterrichts liegt zwischen fünf und 16 Stunden die Woche. Praxis-Repetitorien gibt es sogar an 32 Fakultäten. Hinsichtlich der Freiräume der Studierenden im PJ kann festgestellt werden, dass 24 Fakultäten ei-nen Studientag pro Woche zum Selbststudium einplanen. Zur Vorbereitung auf die Zweite Staatsprü-fung stehen in der Regel drei bis vier Monate zur Verfügung. Die Studierenden erhalten mehrheitlich Aufwandsentschädigungen in Form von Essen und Kleidung, die Hälfte der Lehrkrankenhäuser ge-währt einen Fahrkostenzuschuss. "Eine darüber hinausgehende materielle Anerkennung während der Ausbildung kann der Staat den ohnehin schon sehr kostenintensiven Studierenden nicht noch zukommen lassen", erläutert von Jagow.

Weitere Ergebnisse der Umfrage werden auf dem 70. Ordentlichen Medizinischen Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland am 11./12. Juni 2009 in Leipzig vorgelegt.