Neuer Weg im Kampf gegen Rheuma: Biologika dämpfen die Entzündung

Pressemitteilung vom 08.01.2009
Rheumazentrum e.V. lädt im Rahmen des Universitätsjubiläums zum Workshop Zum 10. Workshop Rheumatologie - State of the Art lädt das Rheumazentrum am Universitätsklinikum Leipzig e.V. für Samstag den 17. Januar 2009 ein. Die Veranstaltung unter dem Motto "Rheumatologie von der Bademedizin zur treibenden Kraft bei innovativen Therapieansätzen" widmet sich vorrangig aktuellen Aspekten der Rheumabehandlung, beleuchtet aber auch historische Zusammenhänge und ordnet sich so ein in die Feierlichkeiten zur 600-Jahr-Feier der Universität Leipzig.

"Lange arbeitete auch die Rheumatologie vorrangig nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum, aber mit der Einführung des entzündungshemmenden Kortisons Ende der Vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, wurde ein entscheidender Schritt getan", erläutert Prof. Christoph G. O. Baerwald, der Leiter der Sektion Rheumatologie an der Universität Leipzig und gemeinsam mit Prof. Holm Häntzschel, Sprecher des Rheumazentrums am Universitätsklinikum Leipzig e.V., wissenschaftlicher Leiter des Workshops ist. "Seitdem bringt diese Disziplin immer wieder neue Anregungen für neue therapeutische Herangehensweisen. Einen erneuten Schub bekam unsere Disziplin in den vergangenen Zehn Jahren durch den Einsatz der TNF-Blocker."

TNF (Tumor-Nekrose-Faktor) ist ein Signalstoff des Immunsystems, der an lokalen und systemischen Entzündungen beteiligt ist. Als Botenstoff regt er die Immunzellen zu erhöhter Aktivität an und fördert so die Entzündung. Wird er geblockt, verlangsamt sich der Entzündungsprozess und kommt unter Umständen zum Erliegen. Das geschieht durch Biologika genannte Medikamente. Diese leiten sich aus Substanzen ab, die auch in der Natur vorkommen und unter anderem gentechnisch hergestellt werden. "Natürlich haben auch diese dem menschlichen Organismus sehr nahen Produkte Nebenwirkungen, die man im Auge behalten muss", betont Baerwald. "So erhöht sich beispielsweise das Risiko, dass durch die Antikörperaktivität Infektionen schwerer verlaufen können. Aktuelle Studien haben jedoch bewiesen, dass der Gewinn durch verringerte Entzündungen das erhöhte Infektionsrisiko in der Regel rechtfertigt. Diese Botschaft möchten wir auf dem Workshop auch den anwesenden Hausärzten vermitteln."

Therapie so früh wie möglich beginnen

Die Vorteile der neuen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten, so Baerwald, kommen aber vor allem dann zur Wirkung, wenn die Therapie so früh wie möglich eingesetzt wird. "Sobald Gelenkschwellungen ungeklärter Herkunft, Gelenkübererwärmung oder Symptome wie unklares Fieber, übermäßige Abgeschlagenheit und Morgensteifigkeit auftreten, sollte der Patient nicht die Zähne zusammenbeißen, sondern die Ursache abklären lassen. Wenn nämlich zu spät in Richtung Rheuma gedacht wird, kann die Zerstörung der Gelenke schon begonnen haben." Die Einstiegsdiagnostik bei Verdacht auf rheumatische Erkrankungen geschieht über Blutuntersuchungen, Röntgen, Ultraschall und MRT.

Das Themenspektrum, das die vom Rheumazentrum e.V. eingeladenen Experten ausbreiten, berührt neben den Fragestellungen der modernen Rheumatologie auch angrenzende Bereiche wie "Quo vadis - Innere Medizin?" und Osteoporose. Osteoporose beispielsweise ist mit der Rheumatologie verbunden, da bei ihr innerhalb des Knochens ebenfalls Entzündungsprozesse ablaufen oder sie durch die Nebenwirkungen einer Kortisonbehandlung bei Rheuma verursacht werden kann.

Strümpell schuf die Urform einer Poliklinik

In der Geschichte der Rheumabehandlung hat die Universität Leipzig einige Meilensteine gesetzt. So wirkte Ende des 19. Jahrhunderts der Mediziner Adolf von Strümpell an der Alma Mater, schuf die Urform einer Poliklinik und bildete dort und bei Hausbesuchen seine Studenten praxisnah aus. Seine große wissenschaftliche Leistung war die deutsche Erstbeschreibung der vor allem die Wirbelsäule betreffenden Erkrankung Morbus Bechterew. Innerhalb der DDR war die Leipziger Universität führend bei der Versorgung von Rheumapatienten in Rheumadispensaires und bei der Diagnostik der Gelenkflüssigkeit. Diesen historischen Aspekten widmet sich auch der Vortrag Morbus Bechterew von Prof Holm Häntzschel.

Marlis Heinz