Fettspeichernde Zellen lassen sich umpolen

Pressemitteilung vom 16.11.2010
Den diesjährigen Jürgen-Bierich-Wissenschaftspreis hat die Leipziger Nachwuchswissenschaftlerin Isabel Wagner erhalten. Die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Endokrinologie hat damit ihre Forschungsarbeiten ausgezeichnet, die sich mit der Beeinflussung von Abläufen im Fettgewebe beschäftigen.
Bild vergrößern Isabel Wagner (zweite von rechts) bei der Preisverleihung Foto: Ulrich Wirth, Augsburg  

Weltweit sind immer mehr Menschen von Fettleibigkeit (Adipositas) und den Folgeerkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes und Gefäßverkalkung betroffen. Therapiemöglichkeiten der Adipositas beschränken sich zum einen auf chirurgische Eingriffe wie eine Magenverkleinerung, zum anderen auf Medikamente, darunter der sogenannte CB1-Rezeptorblocker "Rimonabant". Der CB1-Rezeptor ist eine Art Andockstelle für Botenstoffe im Fett, aber auch in Organen. Das Medikament hat positive Auswirkungen auf die Fettgewebsfunktion und führt so schließlich zu einer Gewichtsabnahme. Dass der enthaltene Wirkstoff vor allem das Fett an den Organen verringern hilft, war bekannt. Unbekannt war dagegen, welche Mechanismen genau dabei wirken.

Durch ihre Forschung im Rahmen ihrer medizinischen Dissertationsarbeit an der Universität Lübeck konnte Isabel Wagner nun erstmals zeigen, dass sich unter der Einnahme des CB1-Rezeptorblockers die Funktion von Fettzellen verändert. Im Versuch entwickelten sich aus fettspeichernden weißen Fettzellen allmählich braune. Die Funktion brauner Fettzellen ist es, Energie und damit Fett zu verbrennen. Fettzellen adipöser Menschen könnten also gezwungen werden, krankmachende Eigenschaften aufzugeben und hilfreiche Eigenschaften anzunehmen. Die Erkenntnis birgt ein hohes therapeutisches Potential für die Behandlung von Fettstoffwechselstörungen und das metabolische Syndrom.

Auf ihrer Jahrestagung in Augsburg Anfang des Monats würdigte die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Endokrinologie in der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin die Forschungsergebnisse von Isabel Wagner nun mit dem bedeutendsten Preis, den sie zu vergeben hat. Der Jürgen-Bierich-Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Benannt ist er nach dem Hamburger Prof. Jürgen R. Bierich, der die deutsche pädiatrische Endokrinologie seit den 60-er Jahren entscheidend geprägt hat und 1994 verstorben ist.

Die 27-jährige Medizinerin und Nachwuchsforscherin arbeitet als Stipendiatin an der Universitätsklinik undPoliklinik für Kinder und Jugendliche der Universität Leipzig, dort in der IFBAdipositas Arbeitsgruppe von Prof. Antje Körner, die im Jahr 2004 selbst Bierich-Preisträgerin war. "Wir freuen uns sehr, dass wir Frau Wagner als Verstärkung für unsere Arbeitsgruppe und für Leipzig gewinnen konnten. Sie ist eine überaus engagierte Nachwuchswissenschaftlerin und ein Gewinn für unsere Projekte zur Fettgewebsentwicklung bei Kindern. Dieser renommierte Preis ist eine schöne und hochverdiente Auszeichnung, der ihre hohe wissenschaftliche Qualität würdigt."