Strahlende Mikrokügelchen gegen Krebs

Pressemitteilung vom 07.09.2012
SIRT-Verfahren zur Leberkrebsbehandlung am UKL erfolgreich etabliertLeipzig. Punktgenaue Bestrahlung der krankmachenden Krebszellen, ohne gesundes Gewebe zu schädigen und den Körper zu belasten: Das ermöglicht das innovative Verfahren der Selektiven Internen Radiotherapie (SIRT). Am Universitätsklinikum Leipzig ist das Verfahren mit großem Erfolg in der Behandlung fortgeschrittener Leberkrebserkrankungen etabliert worden.
Bild vergrößern Ärzte der Nuklearmedizin am UKL bereiten den Einsatz der Selektiven Internen Radiotherapie SIRT vor. Dabei werden den Patienten mikroskopisch kleine, strahlende Kügelchen injiziert, die die Krebszellen gezielt im Körper zerstören. Foto: Straube/ UKL  

Das nuklearmedizinische Therapieverfahren bietet vor allem Patienten mit fortgeschrittenen Lebertumoren Hoffnung. Wenn eine Operation aufgrund der Größe des Tumors oder der Zahl der Metastasen nicht mehr in Frage kommt, kann der Krebs durch die gezielte „innere" Bestrahlung direkt im Körper gestoppt werden.

Dadurch gewinnen unsere Patienten Zeit, beispielsweise um die Wartezeit auf ein geeignetes Organ für eine Transplantation zu überbrücken", erklärt Prof. Dr. med. Sven Jonas, Direktor der Klinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Derzeit warten an seiner Klinik 240 Patienten auf eine Leber, oft über viele Monate.

In manchen Fällen kann eine SIRT-Behandlung aber auch dazu führen, dass durch die Verkleinerung des Tumors dieser dann doch noch durch eine Operation entfernt werden kann. Möglich wird dies durch den Einsatz kleinster radioaktiv markierter Kügelchen, die über die Blutbahn direkt in die Leber zu den Krebszellen gelangen und dort ihre Strahlungswirkung abgeben.

Diese Art der Behandlung erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Nuklearmedizinern, Radiologen und Onkologen bzw. Leberexperten. Denn für den Erfolg ist nicht nur eine genaue Diagnose sondern insbesondere eine sorgfältige radiologische und nuklearmedizinische Vorbereitung der Therapie notwendig.

Die mit der strahlenden Substanz beladenen gläsernen Mikrosphären, halb so groß wie ein menschliches Haar, werden über einen Katheter in der Leiste direkt in das den Lebertumor versorgende Blutgefäß gespritzt und somit an die „richtigen" Stellen geschwemmt. Dort greift die Strahlung gezielt die wuchernden Zellen an, zerstört diese bzw. verhindert das weitere Tumorwachstum. Die korrekte Platzierung des Katheters in der Leber muss durch einen erfahrenen Radiologen im Rahmen einer Gefäßdarstellung der Leber, einer Angiografie erfolgen.

„Durch diese gezielte Bestrahlung „von innen" wird gesundes Lebergewebe geschont." erklärt Dr. med. Sandra Purz, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am UKL. Gleichzeitig wird das mit weniger Nebenwirkungen verbundene SIRT-Verfahren meist besser vertragen als eine Chemotherapie. „Mögliche Nebenwirkungen wie grippeähnliche Symptome, Müdigkeit, leichtere Schmerzen oder eine vorübergehende Verschlechterung der Blutwerte bilden sich in der Regel innerhalb kurzer Zeit wieder zurück" ergänzt Prof. Dr. med. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am UKL.

Die erst seit einigen Jahren zugelassene Therapie wird bisher nur an wenigen großen Zentren eingesetzt. Seit der Einführung am UKL vor einem Jahr wurden bereits 27 Leberkrebs-Patienten mit SIRT behandelt. „Mit diesem neuen Verfahren können wir Patienten helfen, für welche bisher kein geeignetes Behandlungsverfahren mehr zu Verfügung stand", erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Osama Sabri, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am UKL. „Wir werden daran arbeiten, das Verfahren so weiterzuentwickeln, dass es künftig vielen unserer Patienten zur Verfügung stehen kann."

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.