BBZ zur Wissenschaftsnacht vielseitig am Start

Pressemitteilung vom 20.09.2010
Mit der Entstehung von Adipositas, der Nutzung von Bioenergie, Wirkstoffen gegen Alzheimer, der DNA von Obst und Gemüse oder dem Operieren am virtuellen Patientenmodell beschäftigt sich das Biotechnologisch-Biomedizinische Zentrum (BBZ) der Universität Leipzig in der BIO CITY LEIPZIG zur zweiten "Langen Nacht der Wissenschaften". "Der Bogen spannt sich von Zellbiologie über Biochemie und -analytik bis hin zur Bioinformatik", sagt Dr. Svenne Eichler, Geschäftsführerin des BBZ.
Zeit 24. September 2010, 18:00 Uhr
Ort Bio City Leipzig
Deutscher Platz 5
Leipzig

"Wir wollen neugierigen, interessierten und wissbegierigen Leipzigern sowie den Gästen dieser Stadt Einblicke in unseren wissenschaftlichen Alltag gewähren und zeigen, welchen Nutzen die Forschungsergebnisse für die Gesellschaft und damit für jeden einzelnen Bürger bringen", so Eichler weiter. An Vorträgen, Experimenten, Mitmachaktionen, Präsentationen und mehr beteiligen sich auch die kooperierenden Leipziger universitären Institute und Einrichtungen - wie TRM (Translational Centre for Regenerative Medicine), IMISE (Institut für Medizische Informatik, Statistik und Epidemiologie), IZBI (Interdisziplinäres Zentrum für Bioinformatik), ICCAS (Innovation Center Computer Assisted Surgery) und der Profilbildende Forschungsbereich Molekulare und zelluläre Kommunikation. Dementsprechend weitgefächert präsentieren sich die vorgestellten Forschungsfelder zum Thema "Energie" der Wissenschaftsnacht.

Sehen, Riechen und Gefühle - aus der Sicht der Moleküle

"Sehen, Riechen und Gefühle - aus der Sicht der Moleküle" lautet der Titel eines Vortrags von Prof. Dr. Annette G. Beck-Sickinger (Institut für Biochemie), der sich mit unseren Sinnesorganen beschäftigt. Wie sehen wir, wie riechen wir und wie werden in unserem Körper Gefühle wie Hunger oder Schmerz vermittelt? Faszinierend erfolge alles nach ein und demselben Muster, so die Wissenschaftlerin. "Botschaften von außen und Botschaften innerhalb des Körpers werden durch biochemische Reaktionen transportiert, die einfach und komplex zugleich sind. Möchten wir verstehen, warum wir hungrig oder satt sind, dann heißt es diese Reaktionen zu entschlüsseln."

Umwandlung und Nutzung energiereicher Biomoleküle

Jeder Organismus und jede Zelle benötigen Energie, um sich zu bewegen, zu kommunizieren und zu vermehren: In der Experimentalvorlesung "Bioenergie - warum wir auf der Erde leben können" wird PD Dr. Astrid Schön, Professorin für Molekulare Zelltherapie, die Zusammenhänge zwischen Energieformen sowie deren Umwandlung und Nutzung für verschiedene Lebensvorgänge beleuchten. An Beispielen erklärt sie die zelluläre Energiegewinnung aus belebten und unbelebten Quellen, außerdem Atmung und Photosynthese. "Lebewesen können verschiedene Formen der Energie ineinander umwandeln und für ihre Stoffwechselvorgänge nutzen", so Schön. "Den mengenmäßig größten Beitrag liefert dabei die Umwandlung von Sonnenenergie in biologische Moleküle durch Pflanzen und verschiedene Bakterien, wobei auch der für viele Lebewesen notwendige Sauerstoff entsteht."

Bioanalytische Chemie bringt Erleuchtung

"Wie mache ich ein Millionstel eines Millionstel Gramms Eiweiß sichtbar?", diese für die Wissenschaft sehr wichtige Frage beantwortet Dr. Thole Züchner (Institut für Bioanalytische Chemie, Nachwuchsgruppe Ultrasensitive Proteindetektion) in seinen experimentellen Vorträgen. "Wollen wir etwa Krankheiten frühzeitig diagnostizieren oder besser verstehen, dann stehen uns dazu zum Beispiel nur maximal zehn Milliliter Blut zur Verfügung", erläutert er. "In dieser geringen Menge befinden sich Tausende bis Zehntausende verschiedener Eiweiße, von denen für die Untersuchungen nur eine einzige Sorte interessant ist." Das seien Mengen, die nicht mehr ohne die richtigen Hilfsmittel sichtbar wären. "Wir benutzen ganz spezielle Farbstoffe, die so stark leuchten, dass auch noch die kleinsten Mengen an Eiweiß nachzuweisen sind." In Experimenten bringt Züchner unsichtbare Schrift zum Leuchten und zeigt, dass chemische Reaktionen auch Licht produzieren können.

Noch mehr forschende Blicke - auch in die Zukunft

"Was wäre, wenn? Modellvorhersagen in der medizinischen Forschung": IMISE-Wissenschaftler zeigen, wie man mit Simulationsmodellen zum Beispiel Krebstherapien verbessern oder Kerosin sparen kann und sich so zukünftige Ereignisse beeinflussen lassen. "Chip, Chip, Hurra!" ruft es vom Stand des Arbeitsbereichs Molekularbiologisch-biochemische Prozesstechnik. Dort lernen Zuschauer die kleinen Helfer der Biotechnologie kennen, können ein Elektrokardiogramm (EKG) von Herzmuskelzellen auf einem Chip beobachten und erfahren, wie in Echtzeit Wirkstoffe gegen Alz¬heimer und Hautkrebs getestet oder gar über Implantate freigesetzt wer¬den können. Am ICCAS-Stand können Besucher Operationen an virtuel¬len Patientenmodellen planen. Mit echten chirurgischen Instru¬menten lassen sich operative Eingriffe üben. An verschiedenen Stationen sind etwa die präoperative oder die intraoperative Phase mitzuerleben und zu gestalten. Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Molekulare Pathogenese (BBZ) zeigen unterdessen, dass auch in Obst und Gemüse DNA als Erbinformation enthalten ist.

Alle im letzten Absatz genannten Veranstaltungen finden kontinuierlich ab 18:00 Uhr statt. Das vollständige BBZ-Programm, welches nach der "Hochofensinfonie" (Beginn 23:30 Uhr) der Pyromanen der Theatergruppe Titanick endet, findet sich - ebenso wie ein Überblick über alle Veranstaltungsorte und Termine der "Langen Nacht der Wissenschaften" - im Internet.

Katrin Henneberg