Tabuthema Depression - vor allem in Deutschland

Pressemitteilung vom 27.08.2010
Aus Anlass des Weltsuizidpräventionstages am 10. September stellt das Leipziger Bündnis gegen Depression nach seiner Gründung im Juni 2009 erste Forschungsergebnisse vor. Es ist Teil des von der Europäischen Kommission geförderten, internationalen Suizidpräventionsprojektes OSPI-Europe, das europaweite Maßnahmen umfasst und von Leipzig aus gleitet wird. Die Ergebnisse einer telefonischen Bevölkerungsumfrage in den beteiligten Ländern legen nahe, dass gerade in Deutschland Depression oft als Schwäche ausgelegt wird. Dabei könnte mehr Akzeptanz auch mehr Betroffenen den Schritt zu einem Experten erleichtern und letztlich die Suizidrate senken.

Weltweit sterben jedes Jahr etwa 1 Million Menschen durch Suizid. Allein in Deutschland nahmen sich im Jahr 2008 nach Angaben des Bundesamtes für Statistik 9451 Menschen das Leben (zum Vergleich: z. B. 4853 Verkehrstote in Deutschland im Jahr 2008). Aus der Forschung ist bekannt, dass Suizidversuche in etwa 90% aller Fälle in Zusammenhang mit einer psychiatrischen Erkrankung stehen, von denen mehr als die Hälfte Depressionen sind.

Deshalb ist es erklärtes Ziel von OSPI-Europe (Optimizing Suicide Prevention Programmes and their implementation in Europe), die Versorgung depressiv erkrankter Menschen zu verbessern und dadurch die Rate der Suizide und Suizidversuche merklich zu senken. Das Leipziger Bündnis gegen Depression, angesiedelt an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, repräsentiert eine von vier europäischen Interventionsregionen. Seit seiner Gründung 2009 führt es ein Paket von Maßnahmen durch, zu dem Schulungen für Hausärzte und andere Berufsgruppen, Angebote für Betroffene und Angehörige, die Begrenzung des Zugangs zu tödlichen Mitteln sowie eine Aufklärungskampagne der Öffentlichkeit gehören.

Dass gerade die letztgenannte Komponente von großer Bedeutung ist, zeigt die eingangs erwähnte Studie. Aus ihr lässt sich schließen, dass hierzulande mehr Menschen negative Einstellungen und vorurteilsbehaftete Denkweisen gegenüber depressiven Menschen aufweisen als das in Ungarn, Irland oder Portugal der Fall ist.

Nach Auffassung der Weltgesundheitsorganisation stellen Suizide eines der größten gesundheitsbezogenen Probleme der Gegenwart dar. Um darauf aufmerksam zu machen und das Thema Suizid stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, rief sie erstmals im Jahre 2003 den Welt-Suizid-Präventionstag aus, der seither jährlich am 10. September begangen wird. Aus diesem Anlass möchte Sie das Leipziger Bündnis gegen Depression einladen, um auf einer Pressekonferenz Ergebnisse der internationalen Bevölkerungsumfrage sowie die Projektarbeit vorzustellen.

Nach einem Überblick über die Arbeit und Ziele von OSPI-Europe sowie dem Leipziger Bündnis gegen Depression durch Projektleiter Prof. Dr. Ulrich Hegerl, wird Frau Dipl.-Psych Sabine Schmidt, Wissenschaftliche Projektkoordinatorin von OSPI-Europe, Ergebnisse der repräsentativen Bevölkerungsumfrage im Ländervergleich vorstellen. Zudem gibt eine von Depression Betroffene Einblick in ihre eigenen Erfahrungen mit der Krankheit und den damit verbundenen Vorurteilen. Im Anschluss wird es Raum für Fragen und ergänzende Anmerkungen geben. (Nicole Koburger)