Neues Gerät unterstützt Leukämiebehandlung

Pressemitteilung vom 22.07.2010
Mit Hilfe der großzügigen Spenden des Vereins "Zusammen gegen den Krebs" konnte heute an die Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig ein neues Gerät übergeben werden, mit dem komplexe molekularbiologische Nachweismethoden durchgeführt werden können, die den Patienten mit Blutkrebs zugute kommen sollen.

"Im Detail können mit den jetzt gelieferten Gerätesystemen der Firma Applied Biosystems komplexe molekularbiologische Nachweismethoden durchgeführt werden, die wir bisher noch nicht durchführen konnten", erklärt Prof. Dr. Dietger Niederwieser, Leiter der Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Es handelt sich um ein Gerät zur Durchführung der quantitativen PCR (7500 Real Time PCR System), ein Gerät zur Durchführung einer FastPCR(Veriti 96cycler) und ein Gerätesystem für die Sequenzierung und Fragmentanalyse (3500 GeneticAnalyzer). "Mit diesen Gerätesystemen sollen in erster Linie molekulare Untersuchungen an Patienten mit akuten myeloischen Leukämien (Blutkrebs) durchgeführt werden, dessen Ergebnisse dann direkt der Behandlung dieser Patienten zu Gute kommen werden", so Niederwieser weiter.

Der Rektor der Universität Leipzig, Prof. Dr. Franz Häuser, würdigt das Anliegen des Vereins, private Mittel für Forschungszwecke einzuwerben. "Der Verein hat mit den neuen Geräten den Startschuss gesetzt für ein eigenes Forschungslabor für die hämatologische Arbeit", so der Rektor.

Vereinsvorstand Prinz Alexander von Sachsen sieht in der Übergabe der Geräte eine neue Chance zur Bekämpfung des Blutkrebses. Er wies darauf hin, dass der Verein in den letzten Jahren weit mehr als 1 Mio EURO einwerben konnte. Nächstes großes Projekt soll zusammen mit der Carreras-Stiftung und dem Freistaat Sachsen die Errichtung und Ausstattung eines wissenschaftlichen high-tech Labors sein. Der Prinz wies weiter darauf hin, dass ohne die vielen großen und kleinen Spenden sowie die vielen freiwilligen Helfer und Freunde, die sich aktiv für die Ziele des Vereins eingesetzt haben und einsetzen, die Erfolge des Vereins nicht denkbar wären.

Genveränderungen können nun in wenigen Stunden bestimmt werden

Die akute Leukämie entsteht in einem stufenweise ablaufenden Prozess, bei dem Vorläuferzellen von Blutzellen eine Vielzahl von genetischen Veränderungen durchlaufen, die in einer gestörten Zelldifferenzierung und -Zellausreifung resultieren. Es sammeln sich dadurch im Knochenmark und im peripheren Blut anormale unreife Blutzellen an und verdrängen die normalen Blutzellen. Die in den Blutvorläuferzellen stattgefundenen und zur Leukämie führenden, genetischen Veränderungen können bei Diagnosestellung nachgewiesen werden und sind patientenspezifisch.

Wenige Genveränderungen konnten bereits mit einem günstigen oder ungünstigen Krankheitsverlauf assoziiert werden und Therapiepläne diesem Krankheitsverlauf angepasst werden. Während bisher nur die zytogenetischen und manche molekularen Anomalien an der Hämatologie und Onkologie in Leipzig routinemäßig durchgeführt wurden, erfolgte die Analyse komplexer molekularer Marker bisher nur in wenigen europäischen Zentren. "Mit diesen Geräten können wir die bisher bekannten Genveränderungen innerhalb weniger Stunden bestimmen, aber auch neue Genanomalien entdecken und prüfen" erläutert Prof. Niederwieser. "Noch wichtiger als eine Voraussage des Krankheitsverlaufes ist die Möglichkeit, Auswirkungen der Genanomalien, d. h. die dadurch entstandenen Proteine, zu hemmen."

Als Beispiel sei hier die Behandlung der chronischen Leukämien mit einer speziellen Genveränderung erwähnt, bei der das hormonartige Protein spezifisch blockiert werden kann. Dadurch sterben alle kranken Zellen (ohne Chemotherapie) ab und die Krankheit wird in manchen Patienten gar nicht mehr nachweisbar. Diese erst seit kurzem verfügbare "gezielte" Therapie von bösartigen Erkrankungen wie die chronische myeloische Leukämie, hat die Tumorbehandlung wegen der geringen Nebenwirkungen und der erstaunlichen Wirkungen mit einem deutlichen Anstieg der Überlebenschancen revolutioniert. "Leider ist diese Therapie bisher nur bei der chronischen (und nicht bei der akuten) myeloischen Leukämie möglich", bedauert Niederwieser. "Bei der akuten Leukämie sind diese Genveränderungen mannigfaltig und daher wäre für jede einzelne Genveränderung ein Medikament notwendig. Das wird uns sicher in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen. Derzeit sind wir noch dabei, all diese Genveränderungen zu entdecken, der zweite Schritt wird sich mit dem Thema der gezielten Blockade der Genprodukte durch neue Medikamente befassen."

Mit Hilfe der jetzt durchführbaren molekularen Methoden können z. B. Genumlagerungen, Punktmutationen, kleine Varianten und Einsprengsel mit hoher Genauigkeit nachgewiesen werden und genetische Profile einer Erkrankung erstellt werden. In Studien konnten vereinzelt genetische Veränderungen als Prognose bestimmende molekulare Marker eindeutig identifiziert werden. Weitere molekulare Marker werden in aktuellen Studien bereits getestet. Deshalb ist es heute unabdingbar, diese bereits identifizierten und neue molekularen Prognosefaktoren bei Diagnosestellung und innerhalb von ca. 48 Stunden zu bestimmen. Darüber hinaus ist es durch diese sehr sensitiven Bestimmungen möglich, die Rückbildung der Erkrankung mit extremer Genauigkeit nachzuweisen und auch das Wiederauftreten der Erkrankung sehr früh zu erkennen.