"... und ich sag dir, wen du wählst"

Pressemitteilung vom 08.07.2010
Studie der Universität Leipzig zeigt, wie soziodemografische Merkmale Parteienpräferenzen beeinflussen

Welcher Partei er seine Stimme schenkt, hängt beim deutschen Wahlberechtigten maßgeblich ab von Einkommen, Bildung, Region, Alter, Geschlecht, Konfession und Arbeitsplatzsicherheit. Aktuelle Daten dazu lieferte eine soeben ausgewertete Studie der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig, die Parteienpräferenzen nach soziodemografischen Merkmalen aufschlüsselt.

Die Studie ist Bestandteil einer mehrere Themenkomplexe umfassenden Befragung von 1923 Wahlberechtigten in West- und 505 in Ostdeutschland. Die in den Monaten April und Mai 2010 durch das Meinungsforschungsinstitut USUMA (Berlin) in Auftrag der Universität Leipzig durchgeführte Datenerhebung fand im Rahmen von Face-to-Face-Gesprächen statt. "Der wissenschaftliche Hintergrund war vor allem, die Tauglichkeit von Befragungsmethoden zu testen", so der Leiter des Projektteams, Prof. Dr. Elmar Brähler, Leiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie. "Aber natürlich interessieren uns - und die Parteien - auch die Antworten auf die Fragestellungen."

Nun fasst der Spruch "Sag mir wie du lebst - und ich sag Dir, wen du wählst" zwar zu kurz, dennoch lassen die Studienergebnisse belastbare Aussagen zu. Signifikant ist der Zusammenhang zwischen Einkommen und Parteienpräferenz: Unter den FDP-Anhängern verfügen 46,2 Prozent über ein Haushalts-Einkommen über 2.500 Euro. Auch unter den Anhängern der Grünen gibt es viele Gutbetuchte, während unter den Anhängern der Rechtsparteien nur wenige Personen mit einem Haushalts-Einkommen über 2.500 Euro sind.

Fast 29 Prozent der Anhänger der rechten Parteien haben ein monatliches Haushaltseinkommen unter 1.000 Euro. Bei den Anhängern der Linken und den Nichtwählern sind es immerhin 15 Prozent. Nur fünf Prozent der FDP-Anhänger verdienen weniger als 1.000 Euro im Monat.

Ähnlich ins Auge fallen die Auswirkungen des Bildungsniveaus: Fast 25 Prozent der Grünen- und FDP-Anhänger haben Abitur. Bei den Linken ist es noch jeder Fünfte. Bei den "Volksparteien" CDU/CSU und SPD sind es 14 bzw. elf Prozent. Am Ende liegen die Anhänger rechter Parteien und die Nichtwähler.

Auch der Verlust des Arbeitsplatzes oder die Sorge um ihn prägen die Sympathie für Parteien: Unter den Anhängern der rechten Parteien, der Linken und den Nichtwählern sind viele Arbeitslose. Bei den FDP-Anhängern finden sich mit 1,4 Prozent fast überhaupt keine Arbeitslosen. Unter den Sympathisanten der rechten Parteien, der Linken und der Grünen ist auch die Sorge um den Arbeitsplatz relativ hoch verbreitet, unter den Anhängern von CDU/CSU und SPD eher weniger.

Unter den Anhängern der CDU/CSU und der SPD dominieren die Älteren. Die der Grünen sind im Schnitt fast 20 Jahre jünger (37,2 Jahre). Die Anhänger der rechten Parteien sind im Wesentlichen Männer. Bei den Nichtwählern und den Grünen dominieren Frauen.
Unter den Anhängern der Linken und der rechtsextremen Parteien sind überproportional viele Ostdeutsche. SPD, Grüne und FDP finden ihre Anhängerschaft vorrangig im Westen. Allein die CDU/CSU (20,7 Prozent der Wähler sind Ostdeutsche) findet ihre Wähler in Ost und West etwa gleichermaßen.

Vergleichsweise viele Konfessionslose gibt es unter den Anhängern der rechten Parteien (53,6 Prozent), der Linken (47,4 Prozent) und unter den Nichtwählern (36,1 Prozent). Bei den SPD-Anhängern finden sich sehr viele Protestanten, bei CDU/CSU sehr viele Katholiken. Aber auch unter den linken Wählern umfasst der Anteil der Katholiken 22,4 Prozent.

Ähnliche Studien liefen an der Universität Leipzig auch schon in den vergangenen Jahren, so dass es möglich ist, fundierte Aussagen zu Trends zu treffen. "Ins Auge fällt die gegenüber dem Vorjahr etwas geringere Sorge um den Arbeitsplatz quer durch alle politischen Ansichten. Die deutlichsten Verschiebungen in ihrer Anhängerschaft verzeichnet die FDP. Formal gesehen gingen bei ihren Wählern die Sorge um den Arbeitsplatz beziehungsweise die Arbeitslosigkeit am deutlichsten zurück und sank der Anteil der Haushalte mit geringem Einkommen. Dies muss allerdings nicht ausschließlich auf einer Verbesserung der Lebensumstände der entsprechenden Menschen beruhen. Es kann auch daraus resultieren, dass sich diese Teile der FDP-Wähler von anderen Parteien besser vertreten fühlen."

Auch in den kommenden Jahren werden in die Studien der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig Fragestellungen zu Parteienpräferenzen nach soziodemografischen Merkmalen eingebunden sein.

Marlis Heinz