Trauer um Neurochirurg Prof. Dr. Hans-Günther Niebeling

Pressemitteilung vom 28.06.2010
Die Universität Leipzig, die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Leipzig trauern um einen Pionier der deutschen Neurochirurgie. Prof. Niebeling ist am 19. Juni 2010 im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit in Süddeutschland verstorben. Er war von 1975 bis 1987 Lehrstuhlinhaber der Neurochirurgie.

Geboren 1923 in Dresden hat er sein Medizinstudium 1944 in Leipzig aufgenommen und sechs Jahre später abgeschlossen. Der Leipziger Fakultät blieb er sein ganzes aktives Berufsleben über bis 1987 treu. Begonnen hat er als Assistent an der Neurologischen Klinik, damals unter dem Direktor und bekannten Neuroanatom Prof. Dr. Richard Arwed Pfeifer sowie Prof. Dr. Georg Merrem, der später die Neurochirurgische Klinik leiten sollte. Letzterer und Prof. Niebeling haben zusammen die erste neurochirurgische Universitätsklinik der damaligen DDR aufgebaut.

Das Interesse Niebelings galt insbesondere der Neuroelektrodiagnostik, speziell dem EEG. Für die Entwicklung und Herstellung eines eigenen EEG-Gerätes erhielt er 1964 den Rudolf-Virchow-Preis. Kurze Zeit später erschien sein Standardwerk "Einführung in die Elektroenzephalographie", das erste deutschsprachige Lehrbuch zum Thema. Mit der Hans-Berger-Medaille wurde er 1970 geehrt und fünf Jahre später zum Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik ernannt, die er bis zu seiner Emeritierung 1987 leitete.

1976 erhielt er die Ehrenplakette der Gesellschaft für Klinische Medizin der DDR. Niebeling war Mitbegründer der Gesellschaft für Neurochirurgie der DDR und über viele Jahre auch ihr Vorsitzender. Auch im Ausland genoss er hohes Ansehen. So wurde er 1972 Ehrenmitglied der Gesellschaft für Neurochirurgie Chiles. Von der National Brain Research Foundation (New York) erhielt er eine spezielle Anerkennung für hervorragende Arbeit auf dem Gebiet der Neurochirurgie. Er hat nicht nur das Erbe Prof. Merrems bewahrt, sondern selbst auch in politisch schwierigen Zeiten maßgeblich den nationalen und internationalen Ruf der Leipziger Neurochirurgie weiterentwickelt. Es ist sein Verdienst, dass die Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie auch in Zeiten des Mangels stets eine hinreichende Ausstattung aufwies und funktionsfähig war. Sein Andenken wird in allen Ehren bewahrt werden.