Weltkongress seelische Gesundheit im Kindsalter

Pressemitteilung vom 17.06.2010
Der 12. Weltkongress für seelische Gesundheit im frühen Kindsalter findet in diesem Jahr in Leipzig statt. Erwartet werden gut 1.300 Wissenschaftler aus über 50 Ländern. Auf dem wissenschaftlichen Programm steht eine große Bandbreite an Themen: Von kindlicher Gehirnentwicklung und Risiken früher Krippenerziehung über Hilfsmöglichkeiten durch Psychotherapie bis hin zu der Frage, ob Sucht und Alkoholabhängigkeit bereits in der frühen Kindheit angelegt wird.
Zeit 29. Juni 2010 bis 03. Juli 2010
Ort Neue Messe Leipzig
Congress Center
Messe-Allee 1

Leipzig als Veranstaltungsort

Erstmals veranstaltet die World Association for Infant Mental Health (WAIMH) ihren alle zwei Jahre stattfindenden Kongress in Deutschland. Auf Leipzig ist die Wahl gefallen, weil im Osten Deutschlands nach zwei Diktaturen große gesellschaftliche Veränderungen stattgefunden haben und sich im Rahmen der demokratischen Entwicklung weiterhin vollziehen. "Solche politischen und sozialen Übergangsphasen haben sich schon immer in ganz besonderer Weise auf die Lebensbedingungen von kleinen Kindern und Familien ausgewirkt", sagt Kongresspräsident Professor Kai von Klitzing, Leiter der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik Leipzig.
Der Kongress steht unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder, die in ihrem Grußwort betont: "Unser Ziel ist es, die ganze Reichhaltigkeit von Erfahrungen und Informationen, die wir durch Interventionsprogramme in der frühen Kindheit gesammelt haben, zusammen zu tragen und mit anderen auszutauschen."
Der französische Präsident der WAIMH, Professor Antoine Guedeney aus Paris betont: "Leipzig und der Ostteil Deutschlands sind für Wissenschaftler, Ärzte, Psychologen und Pädagogen unter dem Aspekt sehr interessant, wie sich der soziale und politische Wandel auf Kleinkinder und Eltern auswirkt."
In mehreren Vorträgen und Diskussionsrunden wird der Focus auch auf Länder gerichtet, die einen Übergang von einem kommunistischen Regime zu einem demokratischen System erlebt haben. Beiträgen aus Lettland, Polen, Ungarn, Ukraine, Russland und anderen postsowjetischen Ländern sind zu erwarten. Ein Thema: Die veränderten Bedingungen der Säuglingspflege und Kindererziehung.

Weichen werden früh gesetzt

Die austragende World Association for Infant Mental Health (WAIMH) ist eine weltweit tätige Organisation von Ärzten, Psychologen und verwandten Berufsgruppen, die sich für die Förderung der seelischen Gesundheit in der frühen Kindheit einsetzt. Wissenschaftlich hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die körperlichen und seelischen Lebensbedingungen, unter denen ein Kind während der Schwangerschaft und den ersten drei Lebensjahren aufwächst, entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung haben. In der frühen Kindheit wirken viele Risikofaktoren für spätere psychische Erkrankungen, ebenso wie Schutzfaktoren, die eine gesunde Entwicklung ermöglichen. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger James Heckman hat die Gesellschaft aufgefordert, sich mehr um die frühe Kindheit zu kümmern, da Verbesserungsmaßnahmen in dieser Zeit eine "hohe Rendite in Bezug auf das Humankapital" einer gesunden Gesellschaft erwirtschaften.
Entsprechend werden auch zurzeit Studien an der Medizinischen Fakultät in Leipzig durchgeführt, so z. B. eine wissenschaftliche Evaluation des Hausbesuchsprogramms "Pro Kind" für Hochrisikofamilien oder ein Kurzpsychotherapieprogramm für Vorschulkinder mit Depressionen. "Erste Ergebnisse sind ermutigend", so Professor Dr. med. Kai von Klitzing. "Je jünger das Kind ist, umso effektiver ist es möglich, entwicklungshemmende Symptome zu reduzieren."

Thematisch breit aufgestellt

Das wissenschaftliche Programm könnte reichhaltiger nicht sein. Einen großen Themenschwerpunkt wird das Problem der Kindesmisshandlung bilden. Dabei werden Programme zur Verhinderung von Kindesvernachlässigung sowie therapeutische Konzepte zur Milderung psychischer Folgen vorgestellt. Außerdem werden in weit über 100 Vorträgen, Symposien und Workshops ausgewiesene, internationale Experten u. a. folgende Themen beleuchten:
Wie beeinflussen frühe Erfahrungen des Kindes seine Gehirnentwicklung? (Prof. Zeanah, USA)
Wie kommuniziert das Kind, bevor es sprechen lernt? (Prof. Tomasello, Deutschland).
Wie kann Kleinkindern und ihren Eltern durch Psychotherapie geholfen werden? (Prof. Emanuel, England)
Das gesamte Programm finden Sie unter www.waimh-leipzig2010.org.

Grundsteinlegung für ein Denkmal der Stadt Leipzig

Im Rahmen des Kongresses wird eine feierliche Grundsteinlegung für ein Denkmal der Stadt Leipzig für die Opfer des nationalsozialistischen Kindereuthanasieprogramms stattfinden. Mittwoch, 30. Juni 2010, 18:00 bis 19:00 Uhr im Friedenspark, Leipzig, (Kontakt: Thomas Seide, Psychiatrie Koordinator der Stadt Leipzig, Mail: thomas.seyde@leipzig.de, Telefon +49 341 123-6806 oder +49 341 123-6807)

Pressekontakt vor Ort im CCL:

Dr. med. Michael Kroll, zu erreichen über Tagungsbüro am Kongresseingang