Presseeinladung: Stammzellregeneration am Modell und Erbliche Tumoren

Pressemitteilung vom 17.02.2010
Das Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE) der Universität Leipzig stellt anlässlich seines 15-jährigen Jubiläums im Rahmen eines zweitägigen öffentlichen Kolloquiums aktuelle Forschungsergebnisse u. a. aus den Bereichen der Stammzellbiologie, der Krebsforschung und der Bioinformatik vor.Wissenschaftliche Veranstaltung: 22. und 23. Februar 2010, jeweils ab 9:00 Uhr BBZ Großer Hörsaal Deutscher Platz 5a
Zeit 22. Februar 2010, 10:30 Uhr
Ort Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum (BBZ)
Raum 2
Deutscher Platz 5a

Bei der Pressekonferenz anwesend sind: Der Institutsleiter des IMISE, Prof. Dr. Markus Löffler; der Leiter der Projektgruppe zur Stammzellbiologie, PD Dr. Ingo Röder sowie Dr. Christoph Engel, Projektgruppenleiter zu Erblichen Tumoren. Die Wissenschaftler stellen aktuelle Ergebnisse Ihrer Arbeit auf den Gebieten der Krebsforschung und der Stammzellbiologie vor und beantworten gern Ihre Fragen.

Themen sind:

Stammzellregeneration am Modell

IMISE-Wissenschaftler entwickeln derzeit ein mathematisches Modell, das dazu beiträgt, die Mechanismen innerhalb bestimmter Stammzellen besser zu verstehen. Bislang ist weitgehend unbekannt, warum sich einige Stammzellen zu reifen Körperzellen entwickeln, während andere ihren Stammzellzustand und damit ihr Regenerationspotential erhalten. Diese Zellen sind typischerweise in der Lage, sich in alle Gewebstypen auszudifferenzieren und werden deswegen als pluripotent bezeichnet.

Ein Verständnis der Prozesse ist von grundlegender Bedeutung, um gezielt eine Reprogrammierung ausdifferenzierter Körperzellen in den pluripotenten Stammzellzustand zu erreichen. Solche Zellen könnten zukünftig für die Behandlungen von Erkrankungen wie Diabetes, Alzheimer und Parkinson eingesetzt werden.

Bis vor kurzem galten embryonale Stammzellen als die einzige Quelle pluripotenter Zellen. Da die Gewinnung embryonaler Stammzellen jedoch ethisch umstritten und in Deutschland verboten ist, gilt die Möglichkeit, pluripotente Stammzellen aus Gewebsstammzellen bzw. differenzierten Körperzellen zu erzeugen, als ein entscheidender Durchbruch bei der medizinischen Nutzung von Stammzellen. Obwohl die Erzeugung dieser sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS Zellen) prinzipiell möglich ist, sind die zugrunde liegenden Regulationsmechanismen, wie z. B. das Wechselspiel der für die Pluripotenz verantwortlichen Transkriptionsfaktoren, weitgehend unbekannt.

Das von den Leipziger Forschern entwickelte Modell erklärt, warum manche pluripotente Stammzellen auf Differenzierungssignale reagieren (und somit ihre Pluripotenz-Eigenschaft verlieren) und andere diese Signale scheinbar ignorieren (und somit die Pluripotenz erhalten). Mithilfe des Modells kann das Differenzierungsverhalten von Stammzellen am Computer simuliert und deren mögliches Verhalten unter verschiedenen Bedingungen detailliert analysiert werden. Grundlage des Modells bilden experimentelle Daten, die mit embryonalen Stammzellen von Mäusen gewonnen und von Kooperationspartnern der Universitäten Cambridge und Edinburgh bereitgestellt wurden.

Die Arbeit der IMISE-Wissenschaftler unter der Leitung von PD Dr. Ingo Röder ist ein wichtiger Schritt, die intrazellulären Mechanismen zu verstehen und dieses Wissen für eine gezielte und effiziente Kultivierung pluripotenter Stammzellen zu nutzen. Letzteres wäre von immenser Bedeutung für die regenerative Medizin, die Entwicklung von Medikamenten und die Behandlung degenerativer Erkrankungen.


Früherkennung bei erblichen Tumoren


Das IMISE ist seit über zehn Jahren an den Verbundprojekten "Familiärer Darmkrebs" und "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs" maßgeblich beteiligt, die von der Deutschen Krebshilfe gefördert werden. In beiden Projekten werden Patienten mit erblich stark erhöhtem Krebsrisiko beraten, untersucht und in intensiven Früherkennungsprogrammen betreut. Erhobene Forschungsdaten werden am IMISE zentral erfaßt und ausgewertet. Beide Studien zählen zu den größten dieser Art weltweit.

Kürzlich wurden unter Federführung von IMISE-Wissenschaftlern zwei wichtige Studienergebnisse veröffentlicht, welche die Beratung und Betreuung von diesen Hochrisiko-Patienten verbessern.
In einer Studie mit mehr als 1.000 Hochrisiko-Patienten für Darmkrebs konnten die Forscher zeigen, dass jährliche Darmspiegelungen gegenüber längeren Untersuchungsintervallen überlegen sind, weil Tumoren in einem früheren Stadium entdeckt werden können. International empfohlen sind bislang lediglich 2-3 jährliche Intervalle.

In einer anderen Studie mit über 1.000 Frauen mit erblich bedingtem Brustkrebs wurden erstmals genauere Daten zum sogenannten Zweiterkrankungsrisiko ermittelt. Demnach haben Frauen, die bereits an einem Brustkrebs erkrankt sind, ein hohes Risiko für eine Erkrankung auch der anderen Brust. Es konnte gezeigt werden, dass dieses Zweiterkrankungsrisiko signifikant vom betroffenen Gen und auch vom Zeitpunkt der Ersterkrankung abhängt. Die Ergebnisse dieser weitweit bislang größten Studie ermöglichen eine individuellere Risiko-Kalkulation bei der Beratung der betroffenen Frauen.


Behandlung von Aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen


Seit fast 15 Jahren und unter der Ägide von Prof. Dr. Markus Löffler ist das IMISE federführend an einer Studiengruppe zur Behandlung aggressiver Non-Hodgkin-Lymphome beteiligt. Seit ihrer Gründung hat die Studiengruppe über 20 nationale und internationale Studien mit mehr als 6.000 Patienten aus über 200 Zentren zur Verbesserung der Therapieergebnisse initiiert, deren Daten in Leipzig ausgewertet wurden. Dabei ist es mehrfach gelungen, mit den Therapiestudien neue Maßstäbe zu setzen und die Behandlungsergebnisse im Vergleich zur über viele Jahre hinweg vorherrschenden Standardtherapie zu verbessern. Für 2010 sind mehrere Nachfolgestudien geplant.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen und bitten um Zusage unter
Mail: anne-katrin.hartinger@imise.uni-leipzig.de oder
Telefon: +49 341 97-16103.


Das IMISE im Überblick


Das Institut ist eine Einrichtung der Medizinischen Fakultät und wurde 1994 unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Löffler gegründet. Forschungsschwerpunkte sind neben der klinischen Forschung die Systembiologie, mathematische Modellierung, Bioinformatik, Medizinische Ontologien und Medizininformatik.

Zusammen mit seinen klinischen Partnern ist das IMISE in zahlreichen nationalen Forschungskonsortien im Bereich der Krebserkrankungen, Herzerkrankungen, Intensivmedizin u. a. m. aktiv, die vom Forschungsministerium, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Deutschen Krebshilfe und z. T. auch der Industrie finanziert werden. Zusammen mit seinem Tochterinstitut Zentrum für Klinische Studien Leipzig wird das IMISE innerhalb der medizinischen Verbundforschung als eine der führenden Studienzentralen in Deutschland wahrgenommen. Das IMISE gilt zudem als eines der international führenden Zentren theoretischer Stammzellbiologie.