Klemmer, Lorgnette, Binokel – Ausstellung am UKL zeigt Brillen aus verschiedenen Jahrhunderten

Pressemitteilung vom 16.07.2012
Leipzig. Brillen nutzen die Menschen schon seit vielen Jahrhunderten. Als Sehhilfe, Schmuck und Statussymbol fanden sie Verbreitung auf der ganzen Welt. Eine neue Ausstellung in der Augenklinik des UKL zeigt Patienten und Besuchern, wie sich die Brille entwickelt hat, die wir heute kennen.
Ort Foyer der Augenklinik, 1. Etage in der Liebigstraße 10/14, Haus 1
Bild vergrößern Die historische Brillenausstellung in der Augenklinik gwährt interessante Ein- und Ausblicke rund um das "Nasenfahrrad", wie diese Haftschalen aus dem Jahre 1940. (Foto: Ines Christ)  

So gibt es die Sehhilfe, die auf Nase und Ohren aufliegt, erst seit etwa 200 Jahren. „Vorher nutzten die Menschen zum Beispiel so genannte Stirnreifen- oder Nasenfortsatzbrillen. In Gebrauch war auch das Binokel, welches in der Hand gehalten wurde“, erklärt Dr. Carsten Hädrich, Rechtsmediziner am UKL. Der Oberarzt sammelt seit 20 Jahren Brillen, etwa 500 Einzelstücke umfasst seine private Sammlung inzwischen. Ein Bruchteil davon ist jetzt in Vitrinen zu sehen, die im Foyer der Augenklinik aufgestellt sind. Quer durch die Jahrhunderte und über fast alle Kontinente kann so die Entwicklung der Brille nachverfolgt werden. „Es ist toll, dass wir die Stücke zeigen können und für die Patienten und Besucher sicher sehr interessant, auch die verschiedenen Spielarten der Brillen anzuschauen, die es im Laufe der Zeit immer wieder gab“, sagt Professor Jens Dawczynski, stellvertretender Direktor der Augenklinik.

In Asien und besonders in China etwa galten Brillen früher als Statussymbol, „je größer, desto bedeutender der Träger“, erzählt Dr. Carsten Hädrich. Wer keine Brille zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit brauchte, trug eben eine mit Fensterglas. Auch die kunstvollen Etuis zu diesen Brillen sind in der Ausstellung zu sehen, ebenso wie Schneebrillen der Inuit oder einfache „Klemmer“ aus Nürnberg, wo es im Mittelalter und der Frühen Neuzeit eine sehr gut gehende Massenproduktion dieser Art von Brillen gab. Doch auch aus den vergangenen Jahrzehnten sind ganz besondere Sehhilfen zu sehen, darunter eine Prismen-Brille, mit der man im Liegen besser fernsehen kann sowie eine winzige Brille für Hühner mit roten Gläsern, die gegen aggressives Picken helfen soll.

Den Ausgangspunkt bildet die erste gedruckte Darstellung einer Brille. Diese ist Ende des 15. Jahrhunderts, fast zeitgleich mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, in einem Buch in Nürnberg veröffentlicht worden.

Daneben können in der kleinen Ausstellung echte Raritäten bestaunt werden. Dazu gehört eine so genannte Glasbrille, die aus einem Stück gefertigt ist und von der es weltweit nur noch sehr wenige Original-Exemplare gibt, sagt Dr. Hädrich. Besonders spannend ist für ihn, dass sich an der Entwicklung der Brille auch der wissenschaftliche Fortschritt gut nachvollziehen lässt. „Auch die kulturgeschichtlichen und kulturellen Eigenheiten sind leicht sichtbar“, so der Mediziner.

Die Ausstellung ist bis zum Jahresende zu sehen.

Ines Christ

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Kathrin Winkler.