Anja Hilbert neue Professorin für Verhaltensmedizin am IFB AdipositasErkrankungen

Pressemitteilung vom 07.09.2011
Verschiedene psychosoziale Belastungen können dazu beitragen, dass Essprobleme wie unkontrolliertes Überessen und schließlich sogar eine Adipositas entstehen. Essanfälle, wie z. B. die sogenannte Binge-Eating-Störung, und ihre Behandlung sind Forschungsschwerpunkte von Anja Hilbert (44), die zum 1. September 2011 dem Ruf der Universität Leipzig als Professorin für Verhaltensmedizin / Ernährungspsychologie an das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen gefolgt ist.

"Besonders die Kooperation mit anderen Disziplinen wie Innerer Medizin, Chirurgie oder den Neurowissenschaften reizen mich am IFB. Dieser interdisziplinäre Ansatz bereichert die Forschung. Bisher arbeitete ich stärker mit Fachleuten aus Psychotherapie und Psychiatrie zusammen", erklärt Prof. Hilbert. Von der Universität Fribourg (Schweiz), der Philipps-Universität Marburg und ihrer Arbeit im Ausland bringt Hilbert umfangreiche Erfahrung aus Forschung, Lehre und Therapie mit. Die gebürtige Cellerin arbeitete von 2003-2004 im Weight Management Center der Washington University in St. Louis (USA) und leitete von 2005 bis 2009 eine Marburger Nachwuchsforschergruppe zum Thema Adipositas. Als assoziierte Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie leitete sie von Anfang 2010 bis August 2011 die Akademie für Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter und das Beratungs- und Therapiezentrum des Instituts für Familienforschung und -beratung in Fribourg.
Ihre neue Aufgabe beschreibt Hilbert so: "In der Krankheitsgeschichte von Menschen mit Essanfällen zeigen sich gehäuft psychosoziale Risikofaktoren wie zum Beispiel Vernachlässigung, Überforderung, Missbrauch oder ein gestörtes Essverhalten in der Familie wie regelmäßiges Überessen. In Leipzig möchten wir herausfinden, ob die sogenannte kognitiv-behaviorale Therapie erwachsenen und jugendlichen Patienten mit der Binge-Eating-Störung helfen kann, ihr Essverhalten und ihre Gefühle besser zu regulieren und somit ihr Körpergewicht zu normalisieren."

Prof. Michael Stumvoll, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums unterstreicht: "Eine so erfahrene Therapeutin und international bekannte Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Essstörungen wie Frau Professor Hilbert gewonnen zu haben, ist ein echter Coup für das IFB." Er erläutert weiter, dass "psychische Störungen in der Entstehung krankhaften Übergewichts eine überaus große Rolle spielen. Mit dieser nunmehr vierten IFB-Professur ist es uns gelungen, die verhaltensmedizinischen Projekte stärker zu verankern. Außerdem ist Frau Professor Hilbert in der IFB-AdipositasAmbulanz als verantwortliche Psychologin direkt in die Patientenbehandlung eingebunden." Das IFB unterhält mehrere Forschungsprojekte im psychologisch-psychiatrischen Bereich an der Universitätsmedizin Leipzig, zwischen denen sich zukünftig verstärkt Möglichkeiten der Zusammenarbeit anbieten.

Hilbert studierte Psychologie an den Universitäten Freiburg i. Br., Marburg und Nancy (Frankreich), sie promovierte und habilitierte an der Philipps-Universität Marburg. Zahlreiche deutsche und englische Fachpublikationen zeichnen Hilbert als Expertin für Ess- und Gewichtsstörungen aus. Die Neu-Leipzigerin entspannt sich am besten bei Jazzmusik, bei Gartenarbeit und wenn es die Zeit erlaubt beim Segeln.

Das IFB AdipositasErkrankungen ist eines von acht Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, die in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Es ist eine gemeinsame Einrichtung der Universität Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig (AöR). Ziel der Bundesförderung ist es, Forschung und Behandlung interdisziplinär so unter einem Dach zu vernetzen, dass Ergebnisse der Forschung schneller als bisher in die Behandlung adipöser Patienten integriert werden können. Am IFB AdipositasErkrankungen gibt es derzeit über 40 Forschungsprojekte. Das IFB wird das Feld der Adipositasforschung und -behandlung in den nächsten Jahren kontinuierlich ausbauen.