Ehrendoktorwürde für Geoffrey Burnstock

Pressemitteilung vom 22.07.2011
Die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig verleiht die Ehrendoktorwürde an Professor emeritus Geoffrey Burnstock, Präsidenten des Autonomic Neuroscience Centre an der Royal Free & University College Medical School in London. Er gilt als einer der bedeutendsten Wissenschaftler und Wegbereiter bei der Erforschung von Signalwegen im Organismus.
Zeit 26. Juli 2011, 14:00 Uhr
Ort Rektoratsgebäude
Neuer Senatssaal
Ritterstraße 26
04109 Leipzig
Bild vergrößern Prof. em. Geoffrey Burnstock Foto: privat  

Anlass für die höchste akademische Ehrung, die eine Fakultät vergeben kann, sind Prof. Burnstocks epochale Entdeckungen, die bis heute Auswirkungen auf die medizinische Forschung haben. Er hat grundlegend die Sichtweise auf neurochemische Signalübertragungen verändert. Der Begriff "purinergic signaling" wurde von ihm geprägt. Er beschreibt die Bedeutung von ATP (Adenosintriphosphat), das innerhalb der Zelle der Energiespeicherung dient, aber aus der Zelle herausströmend als Botenstoff zwischen einzelnen Zellen wirkt. Im Nervensystem werden solche chemische Substanzen als Neurotransmitter bezeichnet. Durch seine Entdeckung wurde auch das Verständnis für Signale mit Auswirkungen auf den Blutkreislauf, im Sekretierungs- und Immunsystem geschärft ebenso wie für neurodegenerative Krankheiten. Auf diesem Gebiet gehört er zu den meist zitierten Forschern weltweit.

Prof. Burnstocks Darstellung dieser Vorgänge hatte in den 70-er Jahren für viel Aufsehen und kontroverse Diskussionen gesorgt. Seine Hypothese wurde viele Jahre von (inter)nationalen Wissenschaftlern abgelehnt, bis ihm schließlich der Beweis für deren Stichhaltigkeit gelang. Indem er unterschiedlichste Forscher mit unterschiedlichen Techniken zusammenführte, gehört er außerdem zu den Wegbereitern eines multidisziplinären Ansatzes in der biologischen Forschung. In seinen Teams vereinigte er Pharmakologen und Molekularwissenschaftler ebenso wie Elektrophysiologen, Biochemiker und -physiker. Wissenschaftliche Forschung ist für den 82-jährigen Briten "das Privileg, mit ähnlich engagierten Kollegen zusammenzuarbeiten und die Möglichkeit, an jedem Tag neue, aufregende Entdeckungen zu machen".

Lebensstationen
Weil er zum Medizinstudium nicht zugelassen wurde, begann Prof. Burnstock seine Laufbahn am Londoner Kings College mit einem Studium der Theologie, Mathematik und Physik, gefolgt von einem Abschluss in Zoologie. Nach ersten Erfahrungen in der Forschung auf diesem Gebiet gelang ihm der Quereinstieg in die Medizinforschung im Bereich Physiologie und Pharmakologie. Ende der 50er-Jahre ging er nach Australien, wo er an der Universität Melbourne zunächst Zoologie unterrichtete und innerhalb von fünf Jahren zum Professor und Abteilungsleiter avancierte. 1975 kehrte er nach London zurück, um am University College die Leitung des Departments für Anatomie and Embryologie zu übernehmen, eine über viele Jahre äußerst erfolgreiche und produktive Station. Seit 2004 ist Prof. Burnstock Präsident des "Autonomic Neuroscience Centre" der "Royal Free and University College Medical School". Er erhielt viele Auszeichnungen, wie die Ehrenmitgliedschaften des Royal College der Chirurgen und der Physiker sowie die Kopernikus Goldmedaille der Universität Ferrara. Er gründete die Zeitschrift "Purinergic Signaling" und den Internationalen Purine-Club.

Burnstock und Leipzig
Als Vollblutwissenschaftler nimmt er bis heute eine Vielzahl von Ämtern wahr und begleitet nach wie vor zahlreiche Forschungsarbeiten, so auch die in Leipzig. Die Verbindung zur Medizinischen Fakultät besteht darin, dass Prof. Burnstocks Erkenntnisse den Impuls für die Forschergruppe "Neuronale und gliale P2-Rezeptoren/ Molekulare Grundlagen und funktionelle Bedeutung" gegeben haben. Er unterstützte den Förderantrag nach Kräften. Ziel der Forschergruppe ist es unter anderem, die Bedeutung und das internationale Ansehen der deutschen Forschung zu purinergen Mechanismen zu stärken und das unter besonderer Beachtung des zentralen Nervensystems. Die Vielzahl an relevanten Ergebnissen mündete jüngst in einer Förderverlängerung bis 2013.

Anlässlich seiner Auszeichnung wird Prof. Burnstock in englischer Sprache zum Thema: The struggle to establish purinergic signalling and the current explosion of interest (Über die Mühe, purinergene Mechanismen zu etablieren, und den aktuellen Interessenszuwachs) vortragen. Die Laudatio wird der ehemalige Direktor des Leipziger Rudolf-Boehm-Institutes für Pharmakologie und Toxikologie, Prof. em. Peter Illes, halten. Die beiden halten seit langen Jahren einen regen persönlichen und wissenschaftlichen Kontakt zueinander. Prof. Illes war der Gründer und erster Sprecher der Forschergruppe in Leipzig.
Die Rektorin und der Dekan der Medizinischen Fakultät werden die Promotionsurkunde und Ehrenmedaille überreichen.