Peter Griesbach - Mittler zwischen Gehörlosen und Hörenden

Pressemitteilung vom 27.06.2011
Am Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig gibt es seit 20 Jahren ein besonderes Lehrangebot - das Wahlfach "Einführung in die Gebärdensprache für Medizinstudenten". Im Sommersemester 2011 lief der 30. Kurs. Mit diesem Lehrangebot sollen die Studierenden befähigt werden, spezifische Probleme hörbehinderter Menschen in der medizinischen Versorgung zu erkennen und eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Betreuung zu gewährleisten. In den Gebärdensprachkursen hat Peter Griesbach, ein ehemaliger Lehrer der Samuel-Heinicke-Schule in Leipzig, etwa 300 Studierenden in die Besonderheiten der Kommunikation mit hörbehinderten Menschen eingeführt. Am 4. Juli 2011 wird Griesbach seinen letzten Kurs beenden. Er geht danach in den Ruhestand.

Die Teilnehmer sind am Ende des Lehrganges in der Lage, den Kontakt zum Patienten herzustellen, ein einfaches Anamnesegespräch zu gebärden und notwendige Maßnahmen zu erläutern. Neben Peter Griesbach, selbst hochgradig hörgeschädigt, stehen zwei ertaubte Gesprächspartner als "Patienten" zur Verfügung. Für gehörlose oder ertaubte reale Patienten stellt es eine große Hilfe dar, wenn der Notarzt, der Arzt im Herzzentrum oder der Kinderarzt über die Gebärde Ängste abbauen und wichtig Informationen übermitteln kann, wie uns Patienten wissen ließen.

Viele von Griesbachs ehemaligen Studenten haben inzwischen mehrjährige Berufserfahrungen gesammelt, konnten auch das Erlernte anwenden - nicht nur bei hörgeschädigten Menschen, sondern auch bei schwerkranken Patienten. Gerade beim Umgang mit dieses Patienten erwies sich der Kurs "Einführung in die Gebärdensprache" für die jungen Ärzte und Psychotherapeuten als hilfreich. Werbung für diesen Kurs war nie notwendig, meist waren schon ein Semester im Voraus alle Plätze ausgebucht.

Peter Griesbach übergibt nun den Staffelstab an seine Nachfolgerin Martina Müller. Die Pädagogin ist ebenfalls hörgeschädigt und engagiert sich ebenso wie er für den Gedanken der Inklusion behinderter Menschen in unserer Gesellschaft. Sie wird den Kurs vom Wintersemester 2011/2012 an weiterführen.

Marion Michel / Anja Seidel