Schlaganfallforschung mit neuer Stammzellentherapie

Pressemitteilung vom 06.06.2011
Das Translationszentrum für Regenerative Medizin Leipzig (TRM) erhält für das Großprojekt SIRIUS vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 1,65 Millionen Euro. Das biomedizinische Vorhaben untersucht die Anwendung von neuronalen Stammzellen für die Behandlung der Spätfolgen von Schlaganfällen. Das Projekt mit einer Laufzeit bis 2014 wird unter anderem in Kooperation mit der Stanford University realisiert.

Bei einem Schlaganfall verhindert ein Blutgerinnsel, dass das Gehirn mit Sauerstoff versorgt wird, meist verbunden mit einem unumkehrbaren Verlust von Hirngewebe. Um das Gerinnsel aufzulösen, ist derzeit als einzige therapeutische Option die Thrombolyse verfügbar. Sie muss spätestens viereinhalb Stunden nach dem Schlaganfall erfolgen, um weitere Schäden zu verhindern. In Deutschland sind zwar über 160 Stroke Units auf diese Behandlung spezialisiert, doch nur jeder vierte Patient erreicht eine solche Schlaganfall-Station rechtzeitig.

Das Zeitfenster öffnen
Mit dem Projekt SIRIUS (Sustained Investigation of Recovery and Immunological response after stroke Using neural Stem cells) gehen die Stanford University, das Californian Insitute of Regenerative Medicine (CIRM) in San Francisco und das TRM Leipzig einen entscheidenden Schritt weiter, um das enge Zeitfenster für die Erstbehandlung von Schlaganfall-Patienten signifikant zu vergrößern. Gemeinsam erforschen sie ein zelltherapeutisches Behandlungsverfahren, das Heilungsprozesse im Gehirn positiv beeinflusst. Die Grundidee: Nach einem Schlaganfall werden Stammzellen im Umfeld des Hirninfarktes appliziert, um überlebende jedoch geschädigte Nervenzellen zur Regeneration anzuregen. "Dieses Vorgehen vergrößert das Zeitfenster zur erfolgreichen Intervention nach dem Hirninfarkt deutlich auf möglicherweise eine oder sogar mehrere Wochen", erläutert Dr. Johannes Boltze, Senior-Projektleiter im TRM. Das elfköpfige Leipziger Forscherteam unter seiner Leitung übernimmt die Aufgabe, den späteren Eingriff am Menschen zu simulieren. Das dafür genutzte, weltweit einzigartige Großtiermodell wurde über mehr als sechs Jahre am Leipziger Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in der Arbeitsgruppe Neuro-/Kardioreparatur von Dr. Boltze etabliert.

Zusammenarbeit mit US-Einrichtungen
Nach dem Abschluss von SIRIUS ist für 2014 der Start der klinischen Studie in den USA geplant, derzeit an der namhaften Stanford University in Vorbereitung. Bevor SIRIUS an den Start gehen konnte, wurde es über 18 Monate einer dreistufigen fachlichen Prüfung u. a. durch das Evalutionsboard des Californian Insitute of Regenerative Medicine (CIRM) in San Francisco und durch die Fachgutachter des BMBF unterzogen. "Mit dem Vorhaben zeigen wir, dass es dem TRM und seinen Partnern in Leipzig gelingt, auf internationaler Ebene führend mitzuarbeiten und einen wichtigen Schritt der vorklinischen Therapieentwicklung der US-Kollegen um Prof. Gary K. Steinberg nach Deutschland zu holen. Grund hierfür war sicher auch unsere mehrjährige intensive Mitarbeit in Expertengremien für die Koordination der Schlaganfallforschung in den USA", kommentiert Prof. Frank Emmrich den anspruchsvollen Gutachterprozess. In seiner zweifachen Funktion als Direktor des TRM und Leiter des Fraunhofer-IZI begleitet er das Projekt SIRIUS als Mentor. "Wir gehen davon aus, dass dieses bisher größte Drittmittelprojekt des TRM unser Zentrum und die Universität Leipzig in der internationalen Sichtbarkeit einen wichtigen Schritt voranbringt."

Hintergrund: Das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig wurde gegründet, um Forschungsergebnisse der regenerativen Medizin zügig in die klinische Anwendung zu überführen.
Bis zu 320.000 Menschen jährlich sind in Deutschland von einem Schlaganfall betroffen. Innerhalb eines Jahres sterben 57 Prozent der Patienten, nach Krebs- und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache. Etwa die Hälfte der überlebenden Patienten ist dauerhaft behindert, hierzulande rund eine Million Menschen. Die Kosten für Behandlung und Pflege von erstmaligen Schlaganfällen umfassen rund zwei Prozent der jährlichen Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen.

Daniela Weber