25 Jahre Toxikologie und Umweltschutz

Pressemitteilung vom 24.09.2012
Bei einem Festakt im alten Senatssaal der Universität Leipzig ist heute der 25. Jahrgang zum Postgradualstudiengang Toxikologie und Umweltschutz immatrikuliert worden. In den kommenden zweieinhalb Jahren werden sich die gut 50 Naturwissenschaftler und Mediziner berufsbegleitend zu Fachtoxikologen qualifizieren. Der Ausbildungsweg ist in Deutschland einmalig.
Bild vergrößern Prof. Michael Schaefer begrüßt den neuen Jahrgang "Toxikologie und Umweltschutz" im Alten Senatssaal (Foto: Diana Smikalla)  

Der Studiengang richtet sich an Chemiker, Biologen und Pharmazeuten, vom frischen Absolventen bis zum erfahrenen Wissenschaftler. Die aus ganz Deutschland stammenden Teilnehmer erwarten 11 Präsenzwochen in Leipzig sowie Heimstudienanteile unterstützt durch ein E-Learning-Programm. Mit dem aktuellen Durchgang wurde ein modularisierter Aufbau neu eingeführt. Dadurch soll der umfangreiche Stoff einerseits thematisch gebündelt und randständige Spezialinhalte besser entsprechend den individuellen Bedürfnissen aufbereitet werden.
Toxikologie als Lehre der schädigenden Wirkung chemischer Stoffe auf lebende Organismen bezieht sehr weitgehende Lerninhalte ein: von Biochemie, Anatomie und Analytik bis hin zur Risikoermittlung, Arbeitsmedizin, Chemikalienbewertung, Umwelt- und Lebensmitteltoxikologie. Im Laufe der Qualifizierung lernen die Studierenden unter anderem die Wirkmechanismen im Köper kennen, welche Enzyme und Prozesse beeinflusst werden, wie man Gifte nachweist und mit ihnen umgeht, welche gesetzlichen Vorschriften zu beachten sind und wie Chemikalien toxikologisch zu bewerten und anzumelden sind.

Toxikologen stark nachgefragt
Darüber hinaus hat die präventive Toxikologie durch verschärfte nationale und internationale Regelungen einen starken Zulauf erhalten. Inzwischen muss die chemische Industrie jeden hergestellten Stoff vor der Vermarktung mit ausführlichen Daten registrieren und zulassen. Darin enthalten sind beispielsweise mögliche toxikologischen Wirkungen auf Mensch und Natur, die Verweildauer in der Umwelt und eine mögliche Anreicherung in Organismen. Ohne solche Fachbewertungen dürfen Chemikalien nicht mehr hergestellt und vertreiben werden. Deshalb ist die Nachfrage nach qualifizierten Toxikologen in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen und werde auch anhalten, sagt Prof. Michael Schaefer, Direktor des Rudolf-Boehm-Instituts für Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Leipzig. "Die Aufmerksamkeit gegenüber toxischen Wirkungen von uns umgebenden Substanzen nimmt stetig zu. Entsprechend steigt auch der Bedarf nach wissenschaftlich fundierter Bewertung. Das ist die Grundlage für diesen Studiengang."

Weithin anerkannte Berufsqualifikation
Nach erfolgreich abgeschlossenem Postgradualstudiengang dürfen die Teilnehmer den Berufszusatz "Fachwissenschaftler für Toxikologie" tragen. Die Berufsbezeichnung wird sowohl von deutschen Fachgesellschaften anerkannt als auch von der Europäischen Gesellschaft für Toxikologie (EUROTOX). Bundesweit gibt es zwar mehrere Masterstudiengänge Toxikologie, sie bieten allerdings keinen so hoch angesiedelten Abschluss und Titel wie das Leipziger Programm.
Initiator war 1987 der Leipziger Rechtsmediziner Prof. em. Klaus Müller, der heute noch als Prüfer und Gutachter aktiv ist. Antrieb war vor 25 Jahren, Naturwissenschaftlern ein von Medizinern besetztes Arbeitsgebiet zu erschließen sowie ihnen eine Spezialisierung zu bieten. Der Postgradualstudiengang hat sich über die Zeit gleichbleibend erfolgreich entwickelt, nicht zuletzt aufgrund seiner hochrangigen Dozenten aus Universitäten, Behörden aber auch der Privatwirtschaft. Hier macht sich zudem die enge Zusammenarbeit von Facheinrichtungen am Standort Leipzig bemerkbar: So ist das Umweltforschungszentrum (UFZ) der Helmholtz-Gemeinschaft mit einem Ausbildungsmodul und Referentenvorträgen beteiligt.

Studienkoordinatorin: Adelgunde Graefe, Institut für Rechtsmedizin, Tel.: 0341/ 97-15132, graea@medizin.uni-leipzig.de