Prognose für Patienten mit Leukämie hat sich deutlich verbessert

Pressemitteilung vom 23.05.2003
Im Vorfeld des DLH-Patienten-Kongresses in Leipzig zeichnet der renommierte Hämatologe Prof. Dr. Dietger Niederwieser ein insgesamt recht optimistisches Bild der Therapiemöglichkeiten und der Überlebenschancen für Patienten mit Blutkrebs.

Leipzig - Die Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe veranstaltet gemeinsam mit der Deutschen Kinder-krebshilfe am 28. und 29. Juni 2003 einen bundesweiten Patientenkongress in Leipzig. Prof. Dr. Dietger Niederwieser, Leiter der Abteilung Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Leipzig, hält die wissen-schaftliche Leitung des Kongresses in seinen Händen. Der renommierte Hämatologe, der bereits am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, USA neue Methoden der Knochen-marktransplantation entwickelte und 1998 die Abteilung Hämato-logie am Universitätsklinikum Leipzig übernahm, sieht die Entwick-lung der Therapiemöglichkeiten bei Blutkrebs optimistisch: ''Als man in den 80er Jahren begann, erste Therapieverfahren zu ent-wickeln, konnte man zunächst nur einige wenige Patienten mit bestimmten günstigen Merkmalen behandeln. Durch permanente Forschung sind wir heute so weit, dass wir praktisch jede der elf häufigsten Formen des Blutkrebses in fast allen Stadien und Schweregraden behandeln können. Obwohl in Leipzig der Anteil der behandelten Patienten mit hohem Risiko und schwerer Erkrankung inzwischen bei mehr als 50 Prozent liegt, konnte die Überlebens-wahrscheinlichkeit fast verdoppelt werden.''


Hochrisikopatienten mit besserer Prognose


Stolz verweist der aus Österreich stammende Mediziner auf die eindrucksvolle Statistik der Leipziger Knochenmarktransplan-tationseinheit. Diese reicht bis ins Jahr 1977 zurück, als die Professoren Kubel und Helbig die erste Knochenmarktransplan-tation durchführten. Ende 2002 konnte man in Leipzig auf die tausendste Knochenmarktransplantation zurück blicken. Bis Mitte der 90-iger Jahre wurden in Leipzig nur Patienteneigene Zellen oder Zellen von verwandten Spendern transplantiert. Inzwischen beträgt der Anteil der unverwandten Spender mehr als 36 %. Aber auch bei Patienten ohne passenden Spender ist man inzwischen in der Lage, Transplantationen mit Stammzellen von Geschwistern oder Eltern durchzuführen, die nur in der Hälfte der Merkmale passend sind. 5 von 6 derartig behandelter Patienten sind nach dieser schwierigen Transplantation am Leben - ein sehr gutes Ergebnis, wenn man in Rechnung stellt, dass sie bis vor kurzem gar keine Chance hatten. Die Spenderzellen werden in einem Speziallabor der Hämatologie so aufbereitet, dass sie für die Transplantation geeignet sind. In Leipzig werden oft auch so genannte Killerzellen eingesetzt. Diese haben die Aufgabe, Tumorzellen gezielt zu zer-stören. Die Methode der Stammzellenaufbereitung bei mehr als 50-prozentiger Abweichung der Merkmale gekoppelt mit der Anrei-cherung mit Killerzellen wird in Leipzig bereits seit zwei Jahren durchgeführt und stellt eine deutliche Verbesserung der weltweit üblichen haploidenten Transplantationen dar. Bisher ist Leipzig das einzige Knochenmarktransplantationszentrum in Deutschland, wo dieses Verfahren angewandt wird.


Chancen für ältere Patienten gestiegen


In Leipzig wurde auch eine Methode entwickelt, Patienten über 60 zu helfen. Dies war bisher nicht möglich, weil diese Patienten die völlige Zerstörung des kranken Knochenmarks mit der damit einher-gehenden völligen Unfähigkeit des Körpers, sich gegen Keime zu wehren, oft nicht überstehen würden. Niederwieser setzt daher eine Therapie ein, bei der die implantierten Stammzellen in Verbindung mit Killerzellen das kranke Knochenmark schrittweise verdrängen. Dadurch bleibt ein Teil der Abwehrkräfte erhalten. Auch bei dieser Methode liegt die Erfolgsquote bei über 60 %. ''Auffällig ist'', so der Professor, ''dass wir heute viel mehr Hochrisikopatienten behandeln können und dabei eine hohe Überlebensrate erreichen. Das ist auf ausgeklügelte Therapieverfahren und eine sehr engagierte For-schung zurückzuführen. Dennoch gibt es auch Fälle, in denen der Patient den Kampf gegen den Krebs verliert. Deshalb müssen wir Mediziner und Wissenschaftler weiter nach neuen Behandlungs-möglichkeiten forschen. Insgesamt können wir aber ein recht optimistisches Bild zeichnen, denn den meisten Patienten können wir helfen.''


Bald Impfstoff gegen Blutkrebs?


In Leipzig sei man momentan dabei, ein bestimmtes Eiweiß der Tumorzellen zu isolieren. Dieses Eiweiß scheint eine Schlüssel-rolle bei der Entwicklung des Tumors zu spielen. Durch die Isolation dieses Eiweißes sei man nun in der Lage, gezielt nach Impfstoffen gegen den Blutkrebs zu forschen. Niederwieser dämpft allerdings die Hoffnung, dass ein Impfstoff schon in Kürze verfügbar ist: ''Bis zur Alltagstauglichkeit eines neuen Impfstoffes werden noch einige Jahre vergehen. Aber 4.000 Neuerkrankungen jedes Jahr sind für uns ein gewaltiger Ansporn.''

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.