Palliativmedizin erfolgreich im Medizinstudium verankert

Pressemitteilung vom 03.09.2012
Ab dem Wintersemester 2012/13 ist der Fachbereich Palliativmedizin bundesweit für alle Medizinstudierende verpflichtend. An der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig ist er bereits seit einem Jahr fester Bestandteil des Lehrplans - mit guten Erfahrungen.

Die ganzheitliche Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen ist die Aufgabe der Palliativmedizin - ein Fachbereich, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Mit einer Änderung der Approbationsordnung im Jahr 2009 ist die Palliativmedizin als interdisziplinäres Fach neu als so genannter "Querschnittsbereich 13" im Medizinstudium verankert worden. Es ist bundesweit ab dem Wintersemester 2012/13 verpflichtend für alle Studierenden. Das bedeutet, sie müssen einen Leistungsnachweis erbringen, um zum Praktischen Jahr und der Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Neben Vertretern der Hochschulmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin hatten sich insbesondere Medizinstudenten dafür eingesetzt, dass dieser Fachbereich obligatorischer Teil des Studiums wird. An der Universität Leipzig wird die "Medizin des alternden Menschen" schon seit dem Wintersemester 2011/2012 verpflichtend im fünften Studienjahr unterrichtet - mit Erfolg.

"Wir haben verlernt, mit dem Sterben umzugehen", meint eine Studentin im zehnten Semester, die auf der Palliativstation des Universitätsklinikums Leipzig das Praktikum im Rahmen des so genannten Problemorientierten Lernens (kurz POL-Kurs) absolviert. "Früher lebten mehrere Generationen in einem Haus, schon die Kinder bekamen mit, dass die Oma älter wurde und irgendwann starb." Medizinstudent Ralf ergänzt aufgrund seiner Erfahrung im Hospiz: "Normalerweise gibt es einem eine gewisse Sicherheit, wenn man die Prognose für einen Patienten kennt. Bei Sterbenskranken wissen die Beteiligten häufig, dass und wie es zu Ende gehen wird. Das kann beängstigend sein." Durch die Veranstaltung profitiere er von den Erfahrungen der Ärzte und konnte eigene Hemmungen abbauen. "Man lernt über die Behandlung des Patienten hinaus viel über den Umgang mit ihm."

Psychosoziale und spirituelle Probleme der Patienten und das Einbeziehen ihrer Angehörigen sind neben der Linderung der Krankheitssymptome Handlungsfelder in der Palliativmedizin. Damit beschäftigen sich die Medizinstudierenden an der Universität Leipzig in Kursen und Vorlesungen zusätzlich zum Praktikum. Für letzteres sind die entsprechenden Stationen des Klinikums St. Georg und im Elisabeth-Krankenhaus sowie das Hospiz Villa Auguste und das Kinderhospiz Bärenherz weitere mögliche Einsatzorte. "Im Kurs besprechen wir unter anderem anhand eines Falles die Arbeit des multiprofessionellen Teams in der Palliativmedizin auf allen Ebenen", erklärt Nina Polze, eine der Ärztinnen, die gemeinsam mit einer Kollegin und zwei Psychologinnen den Querschnittsbereich Palliativmedizin an der medizinischen Fakultät gestaltet. Auch dadurch sollen die Studierenden lernen, wie man schwerstkranke und sterbende Patienten betreut und die Behandlung an ihren Wünschen ausrichtet.

Ines Christ