TRM Leipzig gewinnt Posterpreis beim Sächsischen Biotechnologietag

Pressemitteilung vom 22.06.2012
Mit einem besonderen Erfolg konnte Dr. Matthias Zscharnack vom Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) der Universität Leipzig beim diesjährigen Sächsischen Biotechnologietag am 20. Juni aufwarten. Für seine Untersuchungen zur intraoperativen, stammzellbasierten Behandlung von Gelenkknorpelschäden erhielt der Wissenschaftler den Posterpreis in der Kategorie "Zell- und Gewebezüchtung".

Gelenkknorpelschäden, oft verursacht durch Sportverletzungen, sind irreversibel und können schon bei jungen Patienten zu erheblichen Einschränkungen führen. Das derzeit übliche Verfahren zur Behandlung dieser Knorpelverletzungen ist die autologe Chondrozyten-Transplantation (ACT), bei der körpereigene Knorpelzellen entnommen, außerhalb des Körpers kultiviert und anschließend in den Knorpeldefekt eingebracht werden. Diese Behandlung macht eine zweifache Operation innerhalb von 4 Wochen erforderlich.

Eine für den Patienten weniger belastende Behandlung hat Dr. Matthias Zscharnack im Blick. Diese Forschungsarbeiten könnten wegweisend für die Therapie von Gelenkknorpelschäden sein. So ist es dem Biologen gelungen, während einer einzigen Operation aus Knochenmark gewonnene mesenchymale Stammzellen zu isolieren, diese in einem Bioreaktor in kürzester Zeit zu vermehren und anschließend auf eine Kollagen-Matrix zu übertragen. Noch während des Eingriffes wird dieses Zell-Matrix-Gemisch gezielt in den Knorpeldefekt gefüllt. Die gesamte Operation dauert nur wenige Stunden. "Auf die Entnahme von Knorpelzellen, die immer auch zu einer Schädigung gesunden Knorpelgewebes führt, lässt sich damit verzichten", erläutert Dr. Zscharnack einen weiteren Vorteil des neuartigen Verfahrens.

Dr. Zscharnack ist Mitglied der Arbeitsgruppe von Dr. Bastian Marquaß und Dr. Ronny Schulz, die sich am TRM Leipzig in Kooperation mit dem Biotechnologisch-Biomedizinischen-Zentrum (BBZ) mit der Entwicklung von stammzellbasierten Knorpelersatzgewebe zur Regeneration von fokalen Knorpeldefekten beschäftigen. Erklärtes Ziel der Wissenschaftler ist es, die Behandlung schon in wenigen Jahren als zellbasiertes Therapeutikum in die klinische Anwendung überführen zu können.

Der Sächsische Biotechnologietag fand in der Leipziger BioCity als gemeinsame Veranstaltung des Biotechnologisch-Biomedizinischen-Zentrums (BBZ) der Universität Leipzig und des Biotechnologischen Zentrums der TU Dresden statt. Sein Anliegen ist es, das biotechnologische Forschungspotenzial im Land Sachsen zu zeigen und einen effizienten Wissenstransfer im Bereich Biotechnologie und Life Science zu initiieren.

Das Translationszentrum für Regenerative Medizin Leipzig wurde im Oktober 2006 mit dem Ziel gegründet, neuartige Diagnostik- und Therapieformen der regenerativen Medizin zu entwickeln, zu evaluieren und in die klinische Anwendung zu überführen. Die Arbeit des Zentrums wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Freistaat Sachsen gefördert. Die Forschung in der regenerativen Medizin, einem relativ jungen Zweig der Biomedizin, ist auf die Heilung bzw. funktionelle Wiederherstellung erkrankter Gewebe und Organe durch die Anregung körpereigener Regeneration oder durch biologischen Ersatz gerichtet.

Veranstaltungshinweis:
Zur Leipziger Langen Nacht der Wissenschaften macht Dr. Zscharnack seine Forschungsarbeiten auf unterhaltsame Art verständlich und greifbar. Der Vortrag "Wie Stammzellen uns Beine machen" findet am 29. Juni 2012, 19.30 Uhr im Großen Hörsaal der BioCity statt.

Maria Garz