Internationales Symposium zu Depression und Suizid

Pressemitteilung vom 11.06.2012
Online-Selbsthilfe bei Depression und Prävention von Suiziden, das sind die Hauptthemen eines international besetzten Symposiums am 14. und 15. Juni an der Universität Leipzig. Ausgerichtet von der Medizinischen Fakultät, diskutieren renommierte Experten aus dem In- und Ausland über effiziente Wege der Suizidprävention und internetbasierte Selbstmanagementprogramme bei Depression.

"Die Depression ist eine ernsthafte und häufig lebensbedrohliche Erkrankung. Die guten Behandlungsmöglichkeiten werden aber nur von einer Minderheit genutzt. Mit unseren Projekten möchten wir die Versorgung für depressiv Erkrankte verbessern und somit indirekt auch die Häufigkeit von suizidalen Handlungen senken", so Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig.

Am 14. und 15. Juni diskutieren er und seine Arbeitsgruppe in Leipzig mit internationalen Experten Ergebnisse des Projekts "OSPI-Europe" (www.ospi-europe.com). Dieses wird von Prof. Hegerl geleitet und von der Europäischen Kommission im 7. Forschungsrahmenprogramm mit knapp drei Millionen Euro gefördert. Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Umsetzung eines wirkungsvollen Programms zur Suizidprävention.

Im Rahmen der bisherigen Arbeit wurde unter anderem deutlich, dass von Depression Betroffene durch das Interventionsprogramm motiviert werden, sich Hilfe zu suchen, dann aber häufig auf strukturelle Engpässe seitens des Versorgungssystems treffen. Internetbasierte Selbshilfeprogramme sind ein effektiver und kostengünstiger Weg, dem zu begegnen. Deshalb steht auf der Tagung unter anderem die Frage im Mittelpunkt, wie in Zukunft die Möglichkeiten des Internets stärker für die Versorgung depressiv erkrankter Menschen genutzt werden können.

"Das Internet bietet die Möglichkeit, sich niederschwellig zum Thema Depression zu informieren und auszutauschen. Der Bedarf hierfür ist offensichtlich sehr groß, wie unser ständig wachsendes, moderiertes Online-Diskussionsforum Depression mit über 4 Millionen Besuchen im Jahr 2011 zeigt", meint hierzu die Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Frau Priv.-Doz. Dr. Rummel-Kluge, die das Expertensymposium mitorganisiert, sowie im "PREDI-NU"-Projekt mitarbeitet.
In diesem neuen europäischen Projekt, das seit September 2011 von Leipzig aus koordiniert wird, spielt das Internet eine zentrale Rolle. Es soll ein angeleitetes Selbstmanagementporgramm für Jugendliche (15-24) und Erwachsene (25+) mit leichter bis mittelschwerer Depression entwickelt und online zur Verfügung gestellt werden. Weiterhin sind der Einsatz des Programms in zunächst fünf Interventionsregionen sowie die Untersuchung seiner Akzeptanz und Anwendbarkeit geplant. "PREDI-NU" wird durch die Europäische Agentur für Gesundheit und Verbraucher (DG SANCO) der Europäischen Kommission gefördert.

Im derzeitigen ersten Projektjahr steht die Entwicklung des Selbstmanagementinstruments im Vordergrund. Um sie zu diskutieren, wurden internationale Experten aus dem Bereich internetbasierter Interventionen eingeladen und um Beiträge gebeten. Zu ihnen gehören Prof. Gerhard Andersson (Schweden), Prof. Pim Cuijpers (Niederlande), Prof. Kathleen Griffiths (Australien), Prof. Kenneth Kirkby (Australien), Dr. Hans Kordy (Deutschland), Prof. Ricardo Muñoz (USA) und Chris Williams. Darüber hinaus wird Caroline Attard von der Europäischen Kommission teilnehmen, die als Officer das Projekt "OSPI-Europe" betreut und die Diskussion um gesundheitspolitische Aspekte bereichern kann. Eröffnet wird das Symposium am Donnerstag um 9:00 Uhr unter anderem durch Grußworte des Vizedekans der Medizinischen Fakultät, Prof. Torsten Schöneberg, sowie musikalische Beiträge der Bluesband "Stadtasyl".