Medizinische Unterstützung für Republik Moldau

Pressemitteilung vom 29.05.2012
Im Bereich Rheumatologie sollen in der Republik Moldau die Patientenversorgung, studentische Ausbildung und ärztliche Weiterbildung modernisiert werden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert das Projekt über drei Jahre lang mit insgesamt annähernd 154.000 Euro. Fachliche Unterstützung leistet die Leipziger Universitätsmedizin. Das seit Anfang 2011 bestehende Projekt trägt erste Früchte.
Bild vergrößern Zum Auftakt des wissenschaftlichen Symposiums in Chisinau überreichte der Rektor der Moldauischen Staatlichen Universität für Medizin und Pharmazie, Ion Ababii (li.), Ehrendiplome - hier an Prof. Christoph Baerwald. Foto: Moldauische Staatl. Uni  

"Curriculare Modernisierung und bessere Versorgung von Rheumapatienten in der Republik Moldau" - hinter der etwas sperrigen Projektbezeichnung verbirgt sich eine Art medizinische Entwicklungshilfe aus Leipzig. Ziel ist es, in einem der ärmsten Länder Europas die Entwicklung des Gesundheitssystems im Bereich Rheumatologie zu unterstützen. Dies geschieht, indem ein starkes wissenschaftliches Netzwerk geknüpft, eine standardisierte Versorgung für chronisch Kranke auf den Weg gebracht, der Kenntnisstand der Ärzte verbessert und für die Lehre im Fach Rheumatologie neue Methoden eingeführt werden. Letzteres wird gleichzeitig als Pilotprojekt für andere Ausbildungsbereiche in der Medizin dienen.

Ins Leben gerufen hat das Projekt das der Universität Leipzig angegliederte Moldova Institut Leipzig (MIL). Von Seiten der Romanistik bestehen langjährige Verbindungen zwischen Leipzig und der Republik Moldau. Mit dem medizinischen Thema haben die beiden Projektleiter vom MIL, Dr. Marina Dumbrava und Dr. Vasile Dumbrava, Neuland betreten: "Durch die Kooperation haben wir die Chance, Dinge zu bewegen. Wandel durch Austausch ist ein wichtiger Impuls für das Land." Prof. Dr. Christoph Baerwald, Studiendekan der Medizinischen Fakultät und Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum, begleitet das bis 2014 laufende Projekt fachlich und fasst seine Eindrücke so zusammen: "Mich beeindrucken die Aufnahmebereitschaft und das Engagement der Kollegen in der Republik Moldau. Sie lernen von uns und setzen die Dinge dann alleine um. Das sorgt für Nachhaltigkeit."

Ausgangssituation und Ansatzpunkte

In den anderthalb Jahren seit dem Projektstart wurde eine zentrale Datenbank zur einheitlichen Erfassung von Rheumaerkrankungen eingerichtet. Sie ist grundlegend, um einen umfassenden Einblick in die Versorgungssituation Betroffener und die verschiedenen Krankheitsbilder erst zu ermöglichen. Bislang fehlte eine solche Kerndokumentation, wie überhaupt chronische rheumatische Entzündungskrankheiten bisher nur unzureichend versorgt werden konnten. Es fehlt an gut ausgebildeten Rheumatologen, deshalb werden Erkrankungen meist zu spät diagnostiziert. Die Früherkennung erfordert ein hohes Maß an klinischem Wissen und Erfahrung sowie den gezielten Einsatz diagnostischer Methoden. Unbehandelt oder spät diagnostiziert folgen erhebliche Schäden an Gelenken oder inneren Organen mit massiven Auswirkungen auf die Lebensqualität. In der Folge sind viele auf eine chirurgische Korrektur der Herzklappen angewiesen. Dringend verbesserungsbedürftig ist auch die Patientenaufklärung. In der Republik Moldau sind rheumatische Erkrankungen die häufigste Ursache für Invalidität. Kinder und Jugendliche sind in einem hohen Maße betroffen, weil die Krankheitsverläufe in dem Alter besonders schwer sind. Um Expertise auch in diesem Spezialbereich einfließen zu lassen, gehört der Leipziger Kinderrheumatologe Prof. Volker Schuster zum Team.

Über die Kerndokumentation hinaus haben mit Leipziger Unterstützung erste Workshops an der Moldauischen Staatlichen Universität für Medizin und Pharmazie stattgefunden, in denen Medizindidaktik, aktuelle Therapiestandards und Methoden der praxisbezogenen Lehre vermittelt wurden. Weitere krankheitsbezogene Schulungen in Pharmazie, geriatrischer Lehre oder krankengymnastischen Behandlungsprinzipien werden folgen. Im Bereich der chirurgischen Herzklappenrekonstruktion soll ebenfalls Wissenstransfer geleistet werden. Und schließlich werden auch Nachwuchswissenschaftler über DAAD-Stipendien für je zwei Doktoranden aus Deutschland und der Republik Moldau gefördert. Ein Großteil der Hilfe erfolgt ehrenamtlich. Das gesamte Projekt wird 2015 in einer Publikation abschließend dokumentiert.