Neue Studie: Psychotherapien bei der Binge-Eating-Störung auch langfristig wirksam

Pressemitteilung vom 19.03.2012
Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) sowie die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) sind bei der Binge-Eating-Störung (BES) langfristig wirksam. Dies zeigte eine randomisiert-kontrollierte Studie von Anja Hilbert, Professorin für Verhaltensmedizin am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen der Universität und des Universitätsklinikums Leipzig. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden im Januar im British Journal of Psychiatry veröffentlicht.

Die BES ist durch wiederkehrende Essanfälle gekennzeichnet, die im Unterschied zur Bulimia Nervosa nicht von kompensatorischen Maßnahmen zur Gewichtskontrolle begleitet werden, wie zum Beispiel selbst herbeigeführtem Erbrechen. Von 162 Patienten, die eine der beiden Therapien ambulant im Gruppensetting durchliefen, wurden 90 nach vier Jahren und sieben Monaten in der vorliegenden Studie nachuntersucht. Insgesamt 64,4 Prozent der Teilnehmer waren langfristig remittiert und hatten eine signifikant und dauerhaft verbesserte Psychopathologie und psychosoziale Anpassung. Das Körpergewicht war langfristig stabilisiert.

Da Essanfälle zu einem Gewichtsanstieg führen können, ist auch dies positiv zu bewerten. Die Studie, die in New Haven und San Diego (USA) stattfand, belegte somit, dass die ambulante KVT und IPT im Gruppenformat über 20 Sitzungen hinweg zu einer langfristigen Symptomverbesserung bei der BES führen. Anja Hilbert betonte: "Vorgängerstudien zeigten zwar die Wirksamkeit beider Therapieansätze bei der BES über zwei Jahre, nicht aber über einen längeren Zeitraum. Dass die KVT und die IPT auch nach über vier Jahren noch wirksam sind, konnte durch unsere Studienergebnisse belegt werden."

Die KVT zeichnet sich durch ein direkt auf die Essstörungssymptomatik konzentriertes Vorgehen aus, bei dem die Patienten ein gesundes Essverhalten und eine größere Selbst- und Körperakzeptanz erlangen sollen. Die IPT fokussiert hingegen auf die interpersonellen Probleme, in deren Kontext die Essstörung auftritt, und behandelt auf diesem Wege auch die Essanfälle. Im Nachbeobachtungszeitraum von über vier Jahren verschlechterten sich nach einer KVT die Essstörungssymptome jedoch tendenziell, während sie sich nach der IPT eher verbesserten. Beide Therapien waren aber insgesamt gleichermaßen effektiv. Der Verlauf der weiteren Verbesserung nach Behandlungsende bei der IPT ist konsistent mit einem auch für andere Essstörungen gefundenen Aufholeffekt dieser Therapieform. Bisher gilt die KVT allgemein als Standardverfahren für die Behandlung der BES. Die Studienergebnisse ermutigen nun dazu, auch die IPT als Behandlungsansatz stärker zu verfolgen.

Doris Gabel