Förderantrag der Klinischen Pharmazie Leipzig erfolgreich

Pressemitteilung vom 16.01.2012
Die falsche Anwendung von Medikamenten birgt gerade bei Kindern ein hohes Risiko für fehlenden Therapieerfolg und unerwünschte Wirkungen. Um solche Risiken zu vermeiden, müssen nicht nur Ärzte und Pflege, sondern auch Eltern und Kinder mit der richtigen Handhabung der Arzneimittel vertraut sein. Die Leipziger Arbeitsgruppe Klinische Pharmazie von Professor Thilo Bertsche will in einem interdisziplinären Projekt gemeinsam mit der Universitätskinderklinik (Professor Dr. Wieland Kiess) und der Klinikapotheke (Dr. Roberto Frontini) ein umfassendes Konzept zur pharmazeutischen Betreuung von Eltern und Kindern entwickeln und den Einfluss auf die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) wissenschaftlich untersuchen. Hierzu war gerade ein Förderantrag an die renommierte Lesmüller-Stiftung erfolgreich.

Die Arzneimitteltherapie bei Kindern stellt eine besondere Herausforderung dar. Dies hat viele Gründe. Arzneimittel sind teilweise nicht speziell bei Kindern klinisch untersucht - und in diesen Fällen auch von den Behörden nicht für Kinder zugelassen. Sollen solche Arzneimittel mangels Alternativen dennoch eingesetzt werden, erfordert dies in jedem Einzelfall eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Analyse bei der ärztlichen Verordnung. Weniger beachtet wird allerdings, dass auch die Anwendung durch die Eltern und Kinder als Hochrisikoprozess erkannt wurde. Beispielsweise müssen Tabletten aufgelöst, geteilt oder zerkleinert werden, damit eine geringe Dosierung oder spezielle Darreichung für Kinder möglich wird. Dies kann jedoch zu schwerwiegenden Arzneimittel-bezogenen Problemen führen, wenn zum Beispiel die vollständige Wirkstoffmenge plötzlich freigesetzt wird oder Familienangehörige gefährlichen Arzneistoffen ausgesetzt werden.

Ein interdisziplinäres Projekt der Arbeitsgruppe Klinische Pharmazie von Professor Thilo Bertsche in Zusammenarbeit mit der Universitätskinderklinik Leipzig (Professor Dr. Wieland Kiess) und der Klinikapotheke (Dr. Roberto Frontini) soll nun die Sicherheit bei der Arzneimittelgabe an Kinder erhöhen. Dazu werden Eltern und Patienten in der richtigen Arzneimittelhandhabung durch Klinische Pharmazeuten geschult. Die Ursachen von Anwendungsproblemen und Maßnahmen zu deren Prävention werden anhand spezieller Entscheidungsmodelle optimal aufeinander abgestimmt. Die Entwicklung und Validierung von patientenindividuellen, kinderfreundlichen Darreichungsformen stellt eine zusätzliche pharmazeutische Aufgabe in diesem Projekt dar. Arzneimittel zur Behandlung von Epilepsien sollen einen Schwerpunkt bilden. Denn der Bereich zwischen guter Wirksamkeit und unerwünschten Wirkungen ist hier sehr eng. Anwendungsprobleme können daher besonders schnell Konsequenzen haben - auch für die Weiterbehandlung außerhalb des Krankenhauses. In weiteren Schritten sollen durch eine fakultätsübergreifende Kooperation mit dem Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) auch Eltern und Kinder mit sprachlichen Problemen vom Projekt profitieren.

Die große Relevanz für die Patientenversorgung und Forschung dieses Projektes zeigt sich ganz aktuell auch in der Bewilligung eines Förderantrags von Professor Bertsche. Der Antragsteller konnte dabei auf mit Wissenschaftspreisen ausgezeichnete Vorarbeiten zum Thema Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) aufbauen. Die renommierte Dr.-August-und-Dr.-Anni-Lesmüller-Stiftung, die sich für zukunftsweisende Projekte in der pharmazeutischen Forschung engagiert, wird dieses Projekt über 3 Jahre neben Sachmitteln durch die Finanzierung von Klinischen Pharmazeuten zur wissenschaftlichen Datenerhebung für Doktorate und Diplomarbeiten unterstützen.