Hochmodernes PET-Zentrum am Universitätsklinikum Leipzig eröffnet.

Pressemitteilung vom 04.06.2003
Als zweite Einrichtung in den neuen Bundesländern verfügt das Universitätsklinikum Leipzig über eine Technologie, mit deren Hilfe Patienten nach dem neuesten Stand der Wissenschaft untersucht werden können.

Leipzig - Mit der Eröffnung des PET-Zentrums am 4.6.2003 in der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin hält eine hochmoderne Untersuchungsmethode Einzug in den medizinischen und wissenschaftlichen Alltag des Universitätsklinikums. Zum PET-Zentrum gehört neben der PET-Kamera (Positronen-Emissions-Tomograf), welche der Klinik bereits seit 1999 zur Verfügung steht, ein leistungsfähiges Zyklotron sowie ein nach modernsten Erkenntnissen ausgestatteter radiochemischer Laborbereich. ''Mit dem PET-Zentrum eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten sowohl für die Diagnostik der Patienten unseres Klinikums als auch für die Forschung in unserer Universität. Wir können Patienten effizienter und vor allem genauer untersuchen, was natürlich auch die anschließende Therapie verbessert und damit die Heilungschancen erhöht.'', erklärt Prof. Dr. Osama Sabri, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin.


Aber was genau ist das PET und wie arbeitet es?

Mit PET können verschiedene Funktionsprozesse im menschlichen Körper gemessen und in anschaulichen Bildern dargestellt werden, ohne in den Körper einzugreifen. Für die Tumordiagnostik bedeutet das z.B., dass das kranke Gewebe durch seinen gesteigerten Stoffwechsel in den aufgezeichneten Bildern quasi ''aufleuchtet''. Die Vielseitigkeit und Empfindlichkeit dieser modernen Methode ermöglicht es auch, hochspezialisierte Prozesse, wie z.B. Einzelschritte der Datenübertragung im Nervensystem des Menschen darzustellen. Dadurch können wichtige Erkenntnisse für das Verständnis und die Behandlung von Krankheitsprozessen wie z.B. bei der Alzheimerschen oder Parkinsonschen Krankheit gewonnen werden.


Das Prinzip besteht darin, dass Stoffe, die den im Körper wirkenden entsprechen oder ähnlich sind, wie spezielle Proteine oder Kohlehydrate, mit radioaktiver Strahlung, sog. Positronenstrahlern markiert werden. Diese Positronenstrahler werden im Zyklotron erzeugt. Die Markierung erfolgt unmittelbar danach im radiochemischen Bereich. Die entstehenden Verbindungen sind weiterhin biologisch und chemisch mit den körpereigenen identisch, doch besitzen sie nun die Fähigkeit Strahlung auszusenden.


Im nächsten Schritt wird dem Patienten die Verbindung injiziert. Tritt nun der Wirkstoff in seinen Funktionsprozess im Körper ein, so kann dieser Vorgang durch die kontinuierlich ausgesendete Strahlung mit einem geeigneten modernen hochspezialisierten Strahlungsmessgerät, der PET-Kamera, von außen verfolgt werden. Ein Rechnersystem verarbeitet die Signale und erzeugt eindrucksvolle dreidimensionale Bilder vom Ablauf des zu untersuchenden Prozesses im menschlichen Körper.


Wo wird das PET eingesetzt?

''Das PET wird vor allem bei der Untersuchung von verschiedenen Krebsleiden, Hirn- und Herzerkrankungen eingesetzt. Speziell Tumore können auf Grund ihres hohen Stoffwechsels lokalisiert und funktionell untersucht werden.'', so der Spezialist Prof. Sabri. Die größte klinische Bedeutung besitzt derzeit die FDG-PET. Dazu wird Fluordesoxyglukose (FDG), die dem körpereigenen Traubenzucker nahezu identisch ist, mit dem Positronenstrahler Fluor-18 radioaktiv markiert. Dieser Zucker wird wie die körpereigene Glukose in die Gewebe aufgenommen und speziell in Regionen mit hoher Stoffwechseltätigkeit (u.a. bösartige Tumore) transportiert. Die Tumore sind dann im Bild deutlich zu erkennen. Bereits wenige Tage nach der Behandlung kann in einer erneuten Untersuchung mit dem PET herausgefunden werden, ob und wie effektiv die Therapie war. Markierte FDG kann als Fertigpräparat gekauft werden, so dass der Anwender hierfür dann lediglich eine PET-Kamera benötigt.


Im neueröffneten PET-Zentrum Leipzig können dagegen unbegrenzt viele PET-Substanzen hergestellt werden, die prinzipiell alle wesentlichen biologischen Prozesse (wie z.B. Eiweiß- und Fettstoffwechsel, aber auch sog. ''Nervenbotenstoffe'' und deren Empfangsstrukturen im Gehirn) des Körpers meßbar und bildlich darstellbar werden lassen. In Vorbereitung sind in Leipzig insbesondere spezielle markierte Nervenbotenstoffe für die Hirnforschung und Substanzen, die die Wachstumsgeschwindigkeit und Sauerstoffver-sorgung von Tumoren anzeigen.


Was sind die Vorteile von PET?

Eine Untersuchung mit dem PET bietet eine hohe diagnostische Treffsicherheit und kann entscheidende Informationen für die Auswahl der optimalen Therapiestrategie liefern und damit die Heilungschancen der Patienten verbessern. So kann die Methode - obwohl sie selbst relativ teuer ist - zur Kostensenkung im Gesundheitswesen beitragen, z.B. weil nicht sinnvolle Operationen eingespart, unwirksame Chemotherapien frühzeitig beendet und umgestellt oder aufwändige, eingreifende Diagnoseverfahren ersetzt werden können. Voraussetzung ist ein gezielter Einsatz der Methode in klinischen Situationen, wo unmittelbare Therapieentscheidungen davon abhängen. Vielfach konnte gezeigt werden, dass bei einem solchen Vorgehen durch die PET die geplante Behandlungsmethode bei etwa 30 % der Krebspatienten verändert wurde. Als besonders hilfreich hat sich die FDG-PET bei Tumoren der Lunge, des Dickdarms, der Haut, des Kopf-Hals-Bereichs und des Lymphgewebes erwiesen.


Wie in jeder PET-Einrichtung kommt auch in Leipzig der größte Teil der Patienten mit einer onkologischen Fragestellung zur Untersuchung. Neben Weiterentwicklungen auf diesem Gebiet liegt der wissenschaftliche Schwerpunkt in Leipzig insbesondere im Bereich der Neurowissenschaften. Dabei kommt den Medizinern, Chemikern und Physikern des Universitätsklinikums die enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Interdisziplinäre Isotopenforschung (IIF, Direktor Prof. Dr. Jörg Steinbach) zu Gute. Dieses Forschungsinstitut wurde von Bund und Land hier in Leipzig, in Voraussicht des Aufbaus eines PET-Zentrums am Universitätsklinikum, angesiedelt. ''Diese Entwicklung ist ein Glück für Leipzig. Jetzt können wir unsere Forschung abstimmen und uns gegenseitig unterstützen.'', so Professor Sabri. ''Voraussetzung für eine erfolgreiche wissenschaftliche Nutzung der PET ist die Interdisziplinäre Zusammenarbeit''. Mit den Kliniken für Neurologie und Psychiatrie, dem Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung, dem Max-Planck-Institut für Neuropsychologische Forschung und nicht zuletzt mit der neugegründeten Bio-City stehen kompetente Kooperationspartner für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, die von den pathophysiologischen Grundlagen über klinische Anwendungen bis zu einer angestrebten wirtschaftlichen Nutzung der Ergebnisse reicht, in Leipzig bereit.


Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.