Schlaganfallexperten treffen sich in Leipzig

Pressemitteilung vom 08.05.2012
"Was ist wichtig? Was ist neu im Jahr 2012?" Unter diesem Motto findet am kommenden Samstag der traditionelle Leipziger Schlaganfalltag statt. Bereits zum 16. Mal lädt die Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Leipzig in die Alte Handelsbörse, um über neue Methoden der Schlaganfallbehandlung zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen. Erwartet werden etwa 150 niedergelassene Neurologen, Internisten und Allgemeinmediziner aus der Region Leipzig. Das Spektrum der Vorträge von Schlaganfall-Experten aus Leipzig, Berlin, Hamburg, Erlangen und Altenburg reicht von aktuellen Entwicklungen in der experimentellen und klinischen Forschung über die Akutklinik bis hin zur Rehabilitation.
Zeit 12. Mai 2012, 09:00 Uhr bis 14:00 Uhr

Sekundärprävention bei Vorhofflimmern und Bildgebende Diagnostik bei akutem Schlaganfall

Ein Schwerpunktthema der Fachtagung widmet sich der Sekundärprävention des Schlaganfalls mit neuen oralen Antikoagulanzien. „Diese blutgerinnungshemmenden Medikamente werden häufig bei Patienten mit Vorhofflimmern eingesetzt“, erklärt der Organisator der Tagung und Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Neurologie am UKL, Dr. Carsten Hobohm. Nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Hilfe lassen sich rund 40.000 Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland auf Vorhofflimmern zurückführen. „Um einem Schlaganfall vorzubeugen, ist für diese Patienten die Einnahme blutverdünnender Medikamente elementar“, weiß der UKL-Schlaganfallexperte. Bislang fiel die Wahl auf Phenprocoumon. Seit 2011 gibt es erstmalig mehrere Optionen für die Schlaganfallsekundärprophylaxe beim Vorhofflimmern. Welche Vor- und Nachteile die neuen Medikamente mit sich bringen und wie und ob überhaupt Phenprocoumon künftig eingesetzt wird, dazu wird in Fachkreisen derzeit kontrovers diskutiert. Ziel des Leipziger Schlaganfalltages ist es, klare Empfehlungen zu erarbeiten.

Im Focus der Veranstaltung ist auch die Bildgebende Diagnostik beim akuten Schlaganfall, für die sowohl die traditionelle Computertomographie als auch die Magnetresonanztomographie zur Verfügung stehen. Wie die jeweiligen Vorzüge und Einsatzmöglichkeiten aussehen, ist Thema der Schlaganfallexperten in Leipzig – und auch Gegenstand der aktuellen Forschung

Aktuelle Forschung

Eine große angelegte EU-geförderte Studie, an der sich auch das Universitätsklinikum Leipzig beteiligt, beschäftigt sich derzeit mit dem Einsatz moderner bildgebender Verfahren in der Akuttherapie des so genannten „Wake-up Strokes“. „Jeder fünfte Patient erleidet den Schlaganfall im Schlaf und wacht mit den typischen Symptomen auf. Leider können diese Patienten bislang nicht mit einer systemischen Thrombolyse behandelt werden, da dies nur möglich ist, wenn der Schlaganfall nicht länger als 4,5 Stunden zurückliegt“ erläutert Dr. Hobohm. Angaben zum Zeitfenster seien aber schon bei einem „normalen“ Schlaganfall schwierig zu ermitteln, doch beim Schlaganfall während des Schlafes bleibt es in der Regel unklar. Das Wake-Up Projekt prüft nun eine neue Vorgehensweise in der Auswertung von MRT-Bildern des Gehirns. Durch die Kombination von zwei MRT-Bildsequenzen soll es möglich werden, eine 90prozentig sichere Information über den Beginn des Schlaganfalls zu erhalten. „Patienten mit Schlaganfall im Schlaf könnten so endlich mit einer Thrombolyse therapiert werden“, so der Leipziger Neurologe. Die Wake-up Studie ist auf fünf Jahre angelegt und wird federführend an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf durchgeführt.

Hoffnung macht auch eine weitere von der Europäischen Union geförderte Studie, die sich mit der Schlaganfallbehandlung durch die so genannte milde Hypothermie beschäftigt. Die Unterkühlung des Gehirns innerhalb von 6 Stunden nach einem Schlaganfall verspricht eine wirksame Behandlung von Schlaganfallpatienten bei einem minimalen Risiko von Hirnschäden. Die EUROHYP-1 Studie soll in einem bisher nicht dagewesenen Umfang mit 60 teilnehmenden Universitäten und Kliniken in 25 verschiedenen Ländern durchgeführt werden – darunter auch am Universitätsklinikum Leipzig. Federführend für die Studie ist das Universitätsklinikum Erlangen.

Am Universitätsklinikum Leipzig werden pro Jahr etwa 800 bis 900 Schlaganfall-Patienten behandelt. Die Schlaganfallspezialstation (Stroke Unit) am UKL ist als überregionale Stroke Unit zertifiziert und verfügt über 12 intensivmedizinisch ausgestatte Betten, denen sich direkt die neurologische Intensivtherapiestation anschließt.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Kathrin Winkler.