Vorreiterrolle für Orale Medizin

Pressemitteilung vom 23.03.2012
Die deutschlandweit bislang einzige Professur für „Klinische und experimentelle orale Medizin“ an der Universitätsmedizin Leipzig bekleidet Prof. Dr. Torsten Remmerbach.
Bild vergrößern Prof. Dr. med. dent. Torsten W. Remmerbach - Foto:ukl  

Die Orale Medizin ist ein Querschnittsfach innerhalb der Zahnheilkunde und umfasst die Diagnostik und nicht-invasive Behandlung von einer Vielzahl oraler Erkrankungen bis zum vorderen Gaumenbogen. Nach der gültigen Approbationsordnung gibt es die Orale Medizin noch nicht als Einzeldisziplin. Teilaspekte haben bislang andere Bereiche wie die Parodontologie, Prothetik oder die Kieferchirurgie übernommen. Das Bild des Zahnarztes hat sich in der Vergangenheit jedoch stark gewandelt. War er früher ein „akademischer Handwerker" zur Beseitigung von Zahnhartsbstanzdefekten, so hat die heilende und präventive Medizin inzwischen immer größeren Raum eingenommen. Das muss sich jetzt auch in der Ausbildung widerspiegeln, ist Prof. Torsten Remmerbach von der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie überzeugt: „Im Vorgriff auf die erwartete neue Approbationsordnung, hat man an der Leipziger Universitätsmedizin innovativ einen Anfang gesetzt. Folgen sollte eine generelle Neustrukturierung unseres Fachgebiets", sagt der 39-Jährige Mediziner. Ein wichtiger Impuls sei die neu entstehende Universitätszahnklinik am Bayrischen Platz. Sie biete die Möglichkeit, die in den letzten Jahren aufgekommenen Innovationen sowohl in der Ausbildung als auch in der Anwendung zu berücksichtigen.

Remmerbachs Schwerpunkt sind Mundschleimhauterkrankungen, die Behandlung von Schmerzpatienten und die minimal-invasive Mundkrebsfrüherkennung. Rauchen und chronischer Alkoholmissbrauch, indirekt verstärkt durch schlechte Mundhygiene, sind die Hauptgründe für Schleimhautschädigungen und schließlich Krebs. Tumoren entstehen meist im Mundboden-Zungenbereich, weil sich dort der Schwerkraft folgend die schädigenden Stoffe sammeln. Obwohl in Deutschland jährlich insgesamt 11.000 neue Fälle von Mund- und Rachenkrebs hinzukommen und er damit immerhin unter die ersten 10 Plätze der Tumorerkrankungen bei Männern fällt, ist dieser Zusammenhang weder im Bewusstsein der rauchenden und trinkenden Menschen noch der Zahnärzte. Dabei liegen gerade bei letzteren die besten Präventionsmöglichkeiten.

Mit einer der Gynäkologie entlehnten und vom Remmerbach-Team entwickelten Bürstenabstrichtechnik kann ein Zahnarzt auf einfache Weise verdächtige Stellen auf bösartige Veränderungen abklären. „Wir sind zur Früherkennung in der Mundhöhle auf die Bürste gekommen und setzen die Technik seit nunmehr gut 14 Jahren erfolgreich ein. Sie hat sogar eine eigene Gebührenordnungsziffer für gesetzliche Versicherte, das heißt jeder Patient kann die Untersuchung beim Zahnarzt einmal jährlich durchführen lassen. Ich wünschte, sie würde häufiger genutzt." Denn letztendlich geht es um Überlebenschancen von Krebspatienten. Im Frühstadium der Erkrankung liegen sie weit über 90%. In der Regel weisen Patienten, die in die Uniklinik kommen, jedoch fortgeschrittene Tumorgrößen von 4-5 cm Durchmesser mit Beteiligung der umgebenden Knochen- und Muskelgewebe oder Metastasen auf. „Dann sind schon schwerwiegende Eingriffe nötig," so Remmerbach, „und die Überlebenschancen innerhalb der ersten fünf Jahre rutschen ganz schnell unter 40%".

Diana Smikalla

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