PET-Untersuchung kann bei Kindern und Jugendlichen mit Hodgkin Lymphom belastende Knochenmarkpunktion ersetzen

Pressemitteilung vom 01.09.2011
Ein Befall des Knochens und des Knochenmarkes bei Kindern und Jugendlichen mit einem Hodgkin Lymphom (Lymphdrüsenkrebs) kann mit der Positronenemissionstomographie (PET) mit hoher Sensitivität und Spezifität nachgewiesen werden. Zu dieser Erkenntnis kommen Frau Dr. Sandra Purz aus der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Leipzig und Frau PD Dr. Christine Mauz-Körholz aus der Universitätskinderklinik Halle in einer Studie, die Anfang August im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht wurde.

Die Studienergebnisse der beiden Forscherinnen weisen auch auf die mögliche prognostische Bedeutung durch Darstellung des Skelettbefalls mittels PET hin. Künftig soll dadurch die Stadieneinteilung und somit die Therapie bei den Kindern und Jugendlichen noch besser gesteuert werden. Gleichzeitig kann die PET die heute noch übliche Knochenmarkpunktion, die gerade für die jungen Patienten sehr belastend sein kann, ersetzen. Diese Ergebnisse werden aktuell in der europaweiten Behandlungsstudie für das Hodgkin Lymphom im Kindes- und Jugendalter mit mehr als 1500 Patienten überprüft.

Bisherige Arbeiten zu dieser Thematik beziehen sich meist auf Erwachsene (Skelettbefall beim Morbus Hodgkin dort in ca. 4-14% der Fälle). Pädiatrische Studien liegen bislang nur mit sehr geringen Fallzahlen vor. Aufgrund der in Leipzig erstellten außergewöhnlich großen Datenbank konnten in die aktuelle Auswertung der Studie 676 pädiatrische Patienten eingeschlossen werden.

Bei der Hodgkin-Erkrankung ist eine genaue Diagnostik des Skelettbefalls von besonderer Bedeutung, da dies - im Falle eines positiven Befundes - eine Eingruppierung in die höchste Therapiegruppe und somit eine deutlich intensivere Therapie zur Folge hat. Zudem ist die Knochenmarkbiopsie ein invasives und schmerzhaftes Verfahren. Sie wird routinemäßig am Beckenkamm entnommen und spiegelt daher nur einen kleinen Ausschnitt des Skelettsystems wider. Da ein Skelettbefall beim Morbus Hodgkin eher fokal als diffus auftritt, kann eine negative Beckenkamm-Biopsie einen Skelettbefall in anderen Körperabschnitten (z.B. der Wirbelsäule o.ä.) nicht ausschließen. Die PET als funktionelle Bildgebung erkennt bösartige Veränderungen schon sehr frühzeitig, noch bevor morphologische Auffälligkeiten (z. B. Veränderungen im Knochen im CT oder Röntgen) auftreten. Zudem erlaubt die PET durch Ganzkörper-Aufnahmen die Darstellung des gesamten Skelettsystems in einem Untersuchungsgang.

Die Leipziger Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin (Direktor Univ.-Prof. Dr. Osama Sabri) ist seit Jahren das nuklearmedizinische Referenzzentrum für pädiatrische Hodgkin Lymphom-Studien (GPOH-HD-2002 und Euronet-PHL-C1). Die Mitarbeiter der Hodgkin-Arbeitsgruppe um Frau Univ.-Prof. Dr. Regine Kluge, stellvertretende Direktorin der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, verfügen deshalb über eine sehr große Expertise auf diesem Fachgebiet. Frau Univ.-Prof. Dr. Kluge ist seit 2002 hauptverantwortliche Referenznuklearmedizinerin und zudem seit 2008 die Leiterin des EU-Projektes „Paediatric Hodgkin Network“. Im Rahmen des Referenzbegutachtungsprozesses wird jegliche nuklearmedizinische Bildgebung eines neudiagnostizierten Hodgkin-Falles (national oder europäisch) dem nuklearmedizinischen Team der Universität Leipzig zugeschickt, von diesem referenzbegutachtet und im Rahmen der wöchentlichen interdisziplinären Hodgkin-Tumorkonferenz an der Universität Halle/Wittenberg (Hodgkin-Studienzentrale) besprochen. In Zusammenschau aller klinischen und bildmorphologischen Befunde wird dann für jeden einzelnen Patienten der entsprechende Therapie-Vorschlag erstellt.

Insgesamt zeigt die aktuell veröffentlichte Studie, wie wichtig die PET-Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen mit einem Hodgkin Lymphom für die korrekte Erfassung der Krebsausdehnung ist. Damit verbindet sich für die Autoren im Interesse der Patienten die Erwartung, dass derartige wissenschaftliche Erkenntnisse auf gesundheitspolitischer Ebene dazu beitragen, solche Untersuchungen für eine breitere Masse von Patienten und Patientinnen zugänglich und durch das Gesundheitssystem finanzierbar zu machen.

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