Neues Gen für angeborene Herzfehler entdeckt

Pressemitteilung vom 19.07.2011
Ärzte des Institutes für Humangenetik der Universität Halle-Wittenberg, der Sektion Nephrologie des Universitätsklinikums Leipzig und der Charité Berlin haben in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Kollegen eine neue Ursache für angeborene Herzfehler und Skelettveränderungen entdeckt. Die Arbeit wurde am 15. Juli 2011 in der renommierten Fachzeitschrift „American Journal of Human Genetics“ veröffentlicht.

In der Studie wurden Patienten mit angeborenen Herzfehlern und Gelenkdislokationen untersucht. Nachdem mit Hilfe einer genomweiten Analyse von 10.000 Markern die Erkrankung auf dem Chromosom 11 lokalisiert wurde, fanden die Forscher Veränderungen (Mutationen) in einem Gen, das die Glucuronosyltransferase-I (GlcAT-I) kodiert. Dieses Enzym spielt eine Schlüsselrolle bei der Synthese von Proteoglycanen, welche eine der Hauptkomponenten des Bindegewebes sind. Man kann sie sich als „Klebstoff“ vorstellen, der die einzelnen Zellen im Verbund hält. Weiterhin spielen Proteoglycane eine wichtige Rolle bei Signalfunktionen, bei der Spezialisierung von Zellen sowie bei verschiedenen Entwicklungsprozessen.

Eine herausragende Bedeutung hat die Studie, weil bei den betroffenen Patienten u.a. eine bicuspide (zweizipflige) Aortenklappe vorliegt. Normalerweise hat die Aortenklappe (=das Ventil, das den Abgang der Hauptschlagader aus dem Herzen öffnet und schließt) 3 Segel. Bei einer bicuspiden Aortenklappe besteht dieses Ventil nur aus 2 Segeln. Damit ist ein stark erhöhtes Risiko für eine Erweiterung und Ruptur der Hauptschlagader verbunden. Eine bicuspide Aortenklappe liegt bei ca. 2% der Bevölkerung vor und ist damit einer der häufigsten Herzfehler. Bisher war nur ein Gen (NOTCH1) bekannt, das allerdings nur bei einer kleinen Anzahl von Patienten mit bicuspider Aortenklappe Defekte zeigte. Das in der neuen Studie identifizierte Gen und der damit verbundene Pathway eröffnen daher wichtige neue diagnostische Möglichkeiten.

Die Bedeutung dieses Pathways soll jetzt auch bei weiteren Patienten mit bicuspider Aortenklappe und anderen Herzfehlern untersucht werden. Das ist wichtig, um in der Zukunft Risikopatienten eher identifizieren zu können und ggf. eine individuell auf die Krankheitsursache abgestimmte Therapie einzuleiten. Dazu planen die Forscher eine enge Kooperation mit den Kardiologen und Herzchirurgen des Universitätsklinikums Halle, des Universitätsklinikums Leipzig und anderen nationalen und internationalen Gruppen.

Referenz: Baasanjav, S., Al-Gazali, L., Hashiguchi, T., Mizumoto, S., Fischer, B., Horn, D., Seelow, D., Ali, B. R., Aziz, S. A. A., Langer, R., Saleh, A. A. H., Becker, C., Nunberg, G., Cantagrel, V., Gleeson, J. G., Gomez, D., Michel, J-. B., Stricker, S., Lindner, T. H., Nürnberg, P., Sugahara, K., Mundlos, S., and Hoffmann, K. Faulty initiation of proteoglycan synthesis causes cardiac and joint defects. American Journal of Human Genetics Volume 89, Issue 1, 15 July 2011, Pages 15-27

http://www.cell.com/AJHG/abstract/S0002-9297%2811%2900214-X

Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Tom H. Lindner Leiter der Sektion Nephrologie

Universitätsklinik Leipzig AöR

Department für Innere Medizin und Dermatologie

Klinik für Endokrinologie und Nephrologie

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