Universitätsmedizin Leipzig weiter auf Erfolgskurs

Pressemitteilung vom 21.06.2011
Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Leipzig ziehen positive Bilanz für 2010 – erneut deutliche Leistungssteigerungen in Forschung und Krankenversorgung trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Bild vergrößern Prof. Dr. J. Thiery, Prof. Dr. W. Knapp, Prof. Dr. W. E. Fleig, E. Zimmer (v.l.n.r.)  

Leipzig – „Das Jahr 2010 stellte uns vor große Herausforderungen, die wir gemeinsam meistern konnten, so dass das vergangene Jahr eines unserer erfolgreichsten Jahre in der letzten Dekade war“, waren sich der Dekan der Medizinischen Fakultät und der Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig auf ihrer Bilanzpressekonferenz einig. Klinikum und Fakultät haben wichtige Meilensteine ihrer gemeinsamen „Strategie Universitätsmedizin Leipzig 2012“ erreicht und sind ihrem Ziel, in die Spitzengruppe deutscher Universitätsmedizinstandorte aufzurücken, deutlich näher gekommen. „Die im Verlauf des Jahres 2010 erreichten Ergebnisse unterstreichen, dass wir in den Vorjahren die Weichen richtig gestellt haben, um die Zukunftsfähigkeit unserer Einrichtungen zu sichern und uns als wichtiger Wachstumskern für Sachsen zu etablieren.“

Trotz gesunkener Landeszuweisungen mehr Mitarbeiter

Die Zahl der Mitarbeiter am Universitätsklinikum Leipzig und der Medizinischen Fakultät stieg auf fast 5.500. Damit gehört die Universitätsmedizin Leipzig (UML) zu den größten sächsischen Arbeitgebern. Auch 2010 schuf das Universitätsklinikum Leipzig neue Stellen – fast 100 bis zum Jahresende 2010. Der Medizinischen Fakultät gelang es auf Grund der stetig steigenden Drittmittel für Forschungsprojekte, trotz einer mehr als 10-prozentigen Absenkung des Landeszuschusses neue Stellen in der Forschung zu schaffen. Seit Jahren erweist sich damit die UML als zuverlässiger Job-Motor. Seit 2006 wurden inzwischen mehr als 400 Stellen neu geschaffen. Dabei handelt es sich primär um Stellen für hoch qualifizierte und gut bezahlte Arbeitskräfte. Entsprechend hoch war auch die von den Beschäftigten gezahlte Einkommenssteuer mit etwa 35 Mio. Euro im vergangenen Jahr. Dass der aus Steuergeldern bereit gestellte Landeszuschuss für die Medizinische Fakultät gut angelegt ist, beweist die Tatsache, dass die Fakultät für jede aus diesem Zuschuss bezahlte Stelle eine weitere Stelle aus Drittmitteln finanziert. Prof. Dr. Wolfgang Fleig, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, erinnerte daran, dass neben den direkt an der UML existierenden Arbeitsplätzen auch Jobs bei anderen Forschungsunternehmen und Dienstleistern entstünden. „Von unserem Umsatz in Höhe von 318 Millionen Euro fließt trotz unserer Pflicht, die meisten Aufträge europaweit auszuschreiben, ein erheblicher Teil an Unternehmen in Sachsen. Mit diesen Aufträgen sichern wir seit Jahren hunderte Stellen bei kleinen und mittleren Firmen“, so Fleig.

Prof. Dr. Joachim Thiery, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, bekräftigte, dass die UML auch für die ortsansässigen Hotels und das Congress Center Leipzig von großer Bedeutung ist. Er sagte: „Große wissenschaftliche Veranstaltungen wie 2010 der Weltkongress seelische Gesundheit im Kindesalter, das internationale MRI-Symposium, die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neugeborenenscreening oder das Echokardiographie-Experten-Treffen locken Tausende von Gästen nach Leipzig, die hier übernachten, die Stadt erkunden und natürlich die Tagungsmöglichkeiten nutzen. Davon profitiert die ganze Region.“

27 Prozent Leistungssteigerung in 5 Jahren

Das Universitätsklinikum Leipzig versorgte 2010 mehr als 51.000 Patienten voll- und teilstationär und etwa 315.000 Menschen ambulant. „Mit dieser Versorgungsleistung sind wir eine tragende Säule in der medizinischen Versorgung der Region Leipzig“, betonte Prof. Fleig. Die Leistungen im DRG-Bereich seien gegenüber dem Vorjahr erneut um mehr als 2 Prozent auf rund 72.600 Bewertungsrelationen gestiegen. Der Schweregrad der behandelten Fälle (CMI) stieg von 1,51 im Vorjahr auf 1,54 und liegt – trotz des Fehlens der Kinderkardiologie und der Herzchirurgie – im oberen Drittel der deutschen Universitätsklinika. Die Auslastung der aufgestellten Betten lag mit 88,6 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau. „Eine solche Auslastung“, erklärte der Mediziner, „bedeutet im normalen Klinikbetrieb praktisch eine Vollbelegung an den Wochentagen. Wir bemühen uns deshalb mit Nachdruck darum, etwa 100 zusätzliche Betten bewilligt zu bekommen, um diesen stetig steigenden Behandlungszahlen gerecht werden zu können.“

Das handelsrechtliche Jahresergebnis stieg um 2.159 TEUR auf 9,6 Mio. Euro; das Betriebsergebnis nach investitionsbedingten Effekten lag bei 11,8 Mio. Euro (2009: 8,2 Mio. Euro). Die Personalkosten, der größte Kostenblock des Universitätsklinikums, seien 2010 stark gestiegen. „2010 konnten wir uns nach konstruktiven Verhandlungen sowohl mit dem Marburger Bund als auch mit der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di auf neue Haustarifverträge einigen. Im Ergebnis können alle Mitarbeiter spürbare Gehaltserhöhungen und das Klinikum eine Personalkostensteigerung um etwa 9 Mio. Euro einkalkulieren“, so Fleig. Dennoch habe man auch im Jahr 2010 die enorme Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter mit einer Sonderzahlung in Höhe von insgesamt 2 Mio. Euro honorieren können. „Das ist in der deutschen Universitätsmedizin einmalig“, betonte der Medizinische Vorstand.

Der Umsatz aus Krankenhausleistungen (GuV-Positionen 1 – 4) lag bei 280,1 Mio. Euro (2009: 265,2 Mio. Euro), der Gesamtumsatz bei rund 318 Mio. Euro (2009: 303 Mio. Euro).

Das UKL erhält seit 2003 keinen Zuschuss aus Steuergeldern für den laufenden Betrieb.

2010 habe man wieder zahlreiche Projekte umsetzen können, Beispielhaft nannte Fleig die Eröffnung des Cochlea Implantat Zentrums, die Inbetriebnahme des Primären Rechenzentrums, die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, die erfolgreichen Zertifizierungen bzw. Rezertifizierungen des Darmzentrums, des Hauttumorzentrums, der Krankenhausapotheke, des Zentrallabors, der Stroke Unit und des Echokardiographie-Labors sowie die 200-Jahr-Feier der Universitätsfrauenklinik.

Fakultät gibt Gas in der Forschung und der Lehre

Der Dekan der Medizinischen Fakultät erinnerte daran, dass die Fakultät 2010 eine Absenkung des Landeszuschusses um 5,7 Mio. Euro, also mehr als 10 Prozent des Etats, hinnehmen musste. „Wir sahen Anfang 2010 etwa 130 Stellen gefährdet“, sagte Dekan Thiery. „Dennoch haben wir einerseits intensive Gespräche mit dem SMWK geführt, um die Situation für den Doppelhaushalt 2011/2012 zu verbessern und andererseits gemeinsam mit dem Klinikum nach kreativen Lösungen des Problems gesucht.“ Rückblickend habe man die prekäre Situation gut gemeistert: „Wir konnten die Drittmitteleinwerbung noch einmal steigern, haben den wissenschaftlichen Output erhöht und unsere gute Position in der Lehre gehalten“, so Thiery. Er wiederholte seine anlässlich des Neujahrsempfangs 2011 gesagten Worte: „Wo finden Sie heute eine so hochmoderne klinische Universitätsmedizin mit engster Verzahnung von Spitzenforschung und herausragender Lehre auf einem Campus wie in der Leipziger Liebigstrasse?" Er erinnerte daran, dass „wir im Medizinischen Viertel neben dem neugebauten Universitätsklinikum, den hochmodernen Forschungslaboren der Fakultät und der Nähe zu unseren naturwissenschaftlichen Schwesterfakultäten und Max-Planck-Instituten eine Reihe international beachteter Forschungsschwerpunkte vorzuweisen haben." Diese stellten den Menschen in einer besonderen Weise in den Mittelpunkt, denn nur in Leipzig könne man dank des Max-Planck-Instituts nicht nur das heutige Erscheinungsbild der Zivilisationskrankheiten erforschen, sondern eben auch deren Entwicklungsgeschichte. „LIFE und der IFB AdipositasErkrankungen befassen sich mit den bedeutenden Zivilisationskrankheiten in einem bisher nicht dagewesenen Umfang“, erklärte Thiery, der stolz auf die 2010 eingeweihte, mit neuester Technik ausgestattete Biobank zur Lagerung von Millionen Blut- und Zellproben hinwies. Die Publikationsleistung stieg im Vergleich zu 2009 um fast 9 Prozent auf 5.402 Impactfaktorpunkte.

„Seit Jahren haben wir uns in der Lehre mit guten Konzepten bis an die Spitze im deutschlandweiten Vergleich vorgearbeitet. Schon seit längerem haben wir die kürzeste Studiendauer im Humanmedizinstudium in Deutschland. Diese kurze Studiendauer geht einher mit einer hohen Qualität des Studiums, die sich in der Bestehensquote beim schriftlichen Teil des 2. Abschnitts der Ärztlichen Prüfung zeigt“, erinnerte der Dekan der Medizinischen Fakultät. Diese gute Position habe man auch 2010 halten können. Meilensteine in der Lehre seien die Inbetriebnahme der Lernklinik und die Etablierung eines neuen Mentorenprogramms für Studierende gewesen.

Politik muss ihre Verantwortung wahrnehmen

Kritisch merkte Prof. Fleig an, dass die wünschenswerte und dringend benötigte Erhöhung des Landeszuschusses für die Medizinische Fakultät im Doppelhaushalt 2011/2012 mit der vollständigen Streichung der Investitionszulage für das Universitätsklinikum teuer erkauft wurde. „Diese 9,1 Mio. Euro pro Jahr können wir nicht dauerhaft kompensieren. In einem System der dualen Finanzierung müssen die nötigen Investitionen vom Land getragen werden." Man habe sich in Leipzig Dank der Unterstützung durch den Freistaat Sachsen eine sehr gute Position für die Zukunft erarbeitet und sei gerade dabei, die ersten Früchte dieser Anstrengungen zu ernten. Deshalb sei es genau jetzt wichtig, die Kontinuität zu wahren und die sich ergebenden Chancen zu nutzen. „Der Freistaat kann erheblich von uns profitieren", gab sich Fleig überzeugt, „denn wir repräsentieren innerhalb eines Wachstumsbereiches den Sektor, aus dem Innovationen und damit später auch Investitionen erwachsen."

Für die erfolgreiche Fortführung der wissenschaftlichen Großprojekte brauche man eine solide Basisfinanzierung über das Land, bekräftigte Prof. Thiery. „Eine solide Lehre und eine Forschung, aus der Innovationen entstehen, muss langfristig abgesichert werden, sonst funktioniert das System nicht mehr.“

Ekkehard Zimmer, seit November 2010 kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikum Leipzig, sieht die derzeitige Situation kritisch: „Die Länder haben sich nach dem Wegfall der Hochschulbauförderung verpflichtet, die nötigen Investitionen abzusichern. So lange wir in Deutschland das System der dualen Finanzierung des Krankenhaussektors haben – also Leistungsvergütung durch die Krankenkassen, Investitionen durch die öffentliche Hand – muss der Freistaat seine Verantwortung auch wahrnehmen. Ich sehe ein, dass der hohe Innovationsdruck in der Medizin den Freistaat Sachsen vor eine große Herausforderung stellt. Aber gerade deshalb ist es wichtig, dass die Politik nicht nur die Kosten, sondern auch den Nutzen der universitären Medizin sieht.“ Positiv zu vermerken sei, dass der Freistaat Sachsen den Neubau der Zahnkliniken mit einem Investitionsvolumen von 17 Mio. Euro im Doppelhaushalt verankert habe. Gleichzeitig investiere das Klinikum jedoch allein im laufenden Jahr 2011 voraussichtlich mehr als 16 Mio. Euro aus eigenen Mitteln in andere Bauvorhaben und medizinische Geräte. „Das geht nur ausnahmsweise und nicht dauerhaft, denn es zehrt an unserer Unternehmenssubstanz“, so Zimmer.

Verhalten positiver Ausblick auf 2011

„2011 wird nicht leicht“, ist Prof. Fleig überzeugt. „Wir haben einige sehr große Projekte angeschoben, wie bspw. ein Projekt zur Führungskräfteentwicklung, die Einführung eines einheitlichen Patientenmanagements, den Neubau der Zahnkliniken und den Umbau des Roten Hauses.“ Auf Grund der begrenzten Kapazitäten sei eine weitere deutliche Leistungssteigerung in der Krankenversorgung wohl nur schwer umsetzbar. „Unsere Mitarbeiter arbeiten mit einem sehr hohen Engagement, aber wir haben nur noch wenige Reserven und müssen daher schnell und konsequent unsere Kapazitäten erweitern.“ Man plane, die Zentrale Notfallaufnahme neu zu strukturieren und zu erweitern, die Leistungen in der 2010 neu etablierten bariatrischen Chirurgie (Adiposi­tas­chirurgie) zu steigern und die technische Ausstattung verschiedener Fächer zu verbessern „Als eines von vier deutschen Universitätskliniken erhalten wir einen PET-MRT“, sagte Fleig. Auch die Möglichkeiten der roboter-assistierten Chirurgie wolle man ausbauen. Insgesamt, so Fleig und Zimmer, blicke man optimistisch in die Zukunft.

Optimistisch ist auch der Dekan: „Bei uns geht es mit großen Schritten voran. Im Rahmen des LIFE-Forschungsprojektes sind sowohl die Pilotstudie für Erwachsene als auch die LIFE-Child-Studie mit Erfolg angelaufen. Im IFB AdipositasErkrankungen sind inzwischen mehr als 50 Wissenschaftler tätig. Und wir haben einen neuen Sonderforschungsbereich beantragt.“ Man sehe den im Doppelhaushalt 2011/2012 erstmals seit Jahren erhöhten Landeszuschuss für die Fakultät als Bekenntnis der Landesregierung zur Stärkung der Wissenschaft und Bildung gerade auch in Bezug auf die Universitätsmedizin. „Wir sehen das als Vertrauensbeweis und werden natürlich unsererseits alles dafür tun, dieses Vertrauen zu rechtfertigen.“

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.