Sieger im Architektenwettbewerb zu Klinikneubauten steht fest

Pressemitteilung vom 12.09.2003
Modernes Großklinikum an der Liebigstraße nimmt Gestalt an - Jury empfiehlt, die Bauvorhaben mit dem Wettbewerbssieger umzusetzen - Erste Bauarbeiten starten Anfang 2004

Leipzig - Am Mittwoch Abend einigte sich die 17-köpfige Preisjury, den ersten Preis im Architektenwettbewerb um die geplanten Klinikneubauten an das Architekturbüro Wörner & Partner aus Dresden zu geben. Der zweite Preis ging an TMK - Thiede, Messthaler, Keithel, Klösges aus Leipzig und der dritte Preis wurde an Prof. Friedrich, Hamburg vergeben. Damit nimmt die geplante 180-Millionen-Euro-Investition des Uniklinikums eine konkrete Gestalt an. Die Jury würdigte am erstplatzierten Entwurf, dass er städtebaulich und funktional die gestellten Anforderungen am besten erfüllt. Die Liebigstraße erhält künftig den Charakter eines Boulevards mit viel Grün, das die Verbindung zum Park in idealer Weise herstellt. Die Architekten sehen in ihrem Entwurf auch den Erhalt des denkmalgeschützten Hörsaalgebäudes ''Alte Chirurgie'' vor. Ihnen ist die Synthese aus alter und neuer Bausubstanz gut gelungen. Nach dem Konzept der Dresdner soll die Alte Chirurgie als Eingangsbereich in das Zentrum für Kindermedizin dienen. Das Gebäude der HNO-Klinik ließ sich dagegen nicht sinnvoll in die Neubauten integrieren und soll abgerissen werden, ein Vorschlag, der übrigens allen Entwürfen gemein war.


Klinikum ist mit Wettbewerbsausgang zufrieden


Dr. Elmar Keller, Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, zeigte sich mit dem Ausgang des Architektenwettbewerbs zufrieden: ''Wir haben interessante Arbeiten gesehen und konnten allein schon durch die intensive Beschäftigung mit der Aufgabe des Wettbewerbs und den Entwürfen viele Erkenntnisse gewinnen. Die Jury hat sehr fachkundig und konstruktiv gearbeitet und im Ergebnis hat nun ein Entwurf den ersten Preis gewonnen, der aus Sicht des Klinikums sehr gute optische und funktionale Ideen anbietet.'' Nun müsse man mit den Architekten noch weiter ins Detail gehen, so Keller weiter, um diese Ideen und Konzepte auszufeilen, vorhandene offene Fragen zu klären und aktuelle Erkenntnisse einfließen zu lassen. ''Wir investieren in diese Neubauten sehr viel Geld und sie werden auf lange Sicht den Behandungskomfort für unsere Patienten, die medizinischen und die unterstützenden Abläufe in der Krankenversorgung, die Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeiter und nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit unseres Klinikums maßgeblich prägen. Deshalb müssen wir ganz intensiv jedes Detail des Siegerentwurfs unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls ausfeilen, damit am Ende alles bis auf das I-Tüpfelchen stimmt'' erklärt Dr. Keller den Qualitätsanspruch des Klinikums.

Der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums, Prof. Dr. med. Norbert Krüger, weist darauf hin, dass sich die Mediziner, die in den Neubauten arbeiten werden, sehr intensiv mit den Entwürfen befasst haben. ''Unser Ziel ist es, Prozesse und Zusammenhänge in der medizinischen Betreuung unserer Patienten zu verbessern oder auch völlig neu zu definieren. Der Patient steht im Mittelpunkt und wird krankheitsbildorien-tiert und interdisziplinär betreut. Und diesen inhaltlichen Ansatz müssen die Neubauten auch baulich abbilden. Das heißt unter anderem, dass medizinische Funktionseinheiten nicht baulich isoliert sind, sondern an den richtigen Schnittstellen miteinander verbunden sind.'' Der Siegerentwurf zeichne sich aus Sicht der Mediziner auch dadurch aus, dass er diese Überlegungen sehr gut abbilde.


Anspruchsvolle Terminkette


Die nächsten Schritte stehen fest:


1. Umfassende Information des Aufsichtsrates, der Führungskräfte und Mitarbeiter des Klinikums über das Votum der Jury


2. Feinjustierung der Maßnahmenpläne zur Umsetzung des Konzeptes und Detailarbeiten am Entwurf


3. Ausfertigen der Genehmigungsplanung


4. Vorbereitung der Baufelder, Verlegung von Medien (Wasser, Abwasser, Strom, Datenleitungen, Fernwärme usw.), Abbruch von alten Gebäuden


Die Bauarbeiten zur Vorbereitung der Baufelder sollen Anfang 2004 beginnen, damit die geplanten Fertigstel-lungstermine - 2007 für das Zentrum für Kindermedizin und 2008 für das Zentrum für Konservative Medizin - gehalten werden können.


Offene Fragen zur Flexibilität der Neubauten


Friedrich Borck, Vorsitzender des Preisgerichtes, fasst die Entscheidung der Jury zusammen: ''Der Siegerentwurf ist städtebaulich sehr interessant und gliedert das Klinikareal durch schöne Grünzüge in Nord-Süd-Richtung, also im rechten Winkel zur Liebigstraße. Die Neubauten sind viergeschossig mit guten Freiräumen. Die Alte Chirurgie setzt einen angemessenen Akzent im Straßenbild und ist zugleich signifikantes Eingangsbauwerk für das Kinderzentrum. Der Neubau öffnet sich an dieser Stelle zum Park hin und bindet landschaftliche Elemente ein. Dadurch bekommt das Kinderzentrum ein eigenes Gesicht. Die Funktionseinheiten sind der Auslobung entsprechend logisch gegliedert. Die Architekten erhielten während der Bearbeitung ein ''Szenario 2010'', anhand dessen die Flexibilität der Entwürfe mit dem Ziel nachzuweisen war, auf zu erwartende Veränderungen in der Krankenhauslandschaft und dem Gesundheitswesen reagieren zu können. Die Anpassungen müssen einfach, schnell, kostengünstig und funktional möglich sein. Und zwar nicht nur 2010 sondern auch danach.''

Der Vorstand des Klinikums geht davon aus, dass schon in absehbarer Zeit durch die Veränderungen im Krankenhausmarkt umfassende Anpassungen am Uni-versitätsklinikum Leipzig erforderlich sind. Die sich für die Bauzeit schon sicher abzeichnenden Änderungen würden in die Neubauten von Beginn an integriert. Ein Beispiel sei die schon heute absehbare Verlagerung stationärer Behandlungen in den ambulanten Bereich. Dies werde zu einer signifikanten Verschiebung von Raumprofilen führen.

Peter Lang, Leiter des Bereichs Planung und Technische Gebäudeverwaltung am Klinikum ist sich aber sicher, dass diese Aspekte gemeinsam mit den Architekten aufgegriffen und in den zu planenden Neubauten berücksichtigt werden können. ''Jetzt heißt es, die Ärmel hochkrempeln und schnell weitermachen'', blickt der erfahrene Experte nach vorn, ''schließlich haben wir eine anspruchsvolle Terminkette.''


Hintergrund:


Wie bereits berichtet, plant das Universitätsklinikum Leipzig östlich und westlich des gerade in Betrieb gegangenen Operativen Zentrums in der Liebigstraße den Neubau zweier weiterer Klinikzentren bis zum Jahr 2008. Im Zentrum für Kindermedizin sollen die Kliniken und Polikliniken für Kinder und Jugendliche, für Kinderchirurgie und für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters untergebracht werden. Der Standort Oststraße wird dann geschlossen. In das Zentrum für Konservative Medizin ziehen die Medizinischen Kliniken I bis IV, die Klinik und Poliklinik für Neurologie und die Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin ein. Die beiden Neubauten sollen mit dem Operativen Zent-rum zu einer funktionalen Einheit verschmelzen, die auf insgesamt 53.000 Quadratmetern Fläche den Großteil der Kliniken des Universitätsklinikums Leipzig beherbergt. Klinikum, Freistaat und Bund planen für die Neubauten Investitionen in Höhe von rund 180 Mio. Euro.

Am 20. Dezember 2002 startete die Bewerbungsphase für einen ''beschränkten, einstufigen Realisierungswettbewerb mit vorangestelltem Bewerbungsverfahren für eine Bauwerksplanung in zwei Bearbeitungsphasen''. Aus fünf europäischen Ländern bewarben sich 179 Ar-chitekturbüros um die Teilnahme am Wettbewerb. 20 Büros wurden ausgewählt, in der ersten Bearbeitungs-phase ihre Planungen und Entwürfe einzureichen. Am 15. Mai wurden vom Preisgericht 5 Büros ausgewählt, die ihre Entwürfe in der zweiten Wettbewerbsphase weiter konkretisieren und am 10. September dem Preisgericht noch einmal präsentieren durften. Diese fünf Büros waren


Wörner & Partner, Dresden

TMK Thiede, Messthaler, Keitel, Klösges, Leipzig

Prof. Jörg Friedrich & Partner, Hamburg

Querkraft Architekten, Wien

HPP Laage & Partner, Leipzig


Die Architekten hatten die Aufgabe, Gebäude zu entwerfen, die das Ziel unterstützen, ein Gleichgewicht zwischen hoher Patientenzufriedenheit, besten Bedin-gungen für Forschung und Lehre und hoher Wirtschaftlichkeit herzustellen. Dabei sollten Lösungen für den unter Denkmalschutz stehenden Hörsaal in der alten Chirurgie und das Gebäude der HNO-Klinik gefunden werden. Die Neubauten sollen sich durch eine sehr ho-he innere Flexibilität auszeichnen. Es waren unter-schiedliche Entwicklungsszenarien für das Universitätsklinikum zu berücksichtigen. Einen hohen Stellenwert nahmen bauliche und strukturelle Voraussetzungen für die deutliche Absenkung von Prozess- und Betriebskosten im Krankenhausbetrieb ein. Städtebaulich sollen die Neubauten das Gesicht der Liebigstraße aufwerten. Die konkreten Inhalte des Wettbewerbs können unter www.leipzig-unikli-wettbewerb.de eingesehen werden. Um eine schnelle Umsetzung der Entwürfe sicherzustellen, wurde bei der Zusammensetzung des Preis-gerichtes darauf Wert gelegt, dass alle wichtigen betrof-fenen Interessengruppen schon in der Wettbewerbs-phase beteiligt werden. Dem Preisgericht gehörten deshalb u.a. Vertreter der Landesregierung, der Stadt Leipzig, des Regierungspräsidiums und natürlich des Uni-versitätsklinikums Leipzig an.


Die Preise waren folgendermaßen dotiert:


1. Preis 30.000 Euro

2. Preis 20.000 Euro

3. Preis 15.000 Euro

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.