Wie Fettleibigkeit Männer unfruchtbar macht

Pressemitteilung vom 14.04.2011
Die Zeugungsfähigkeit des Mannes nimmt mit dem Alter ab. Dies könnte unter anderem durch ein höheres Körpergewicht im Alter bedingt sein. Denn Fettleibigkeit – aber auch Untergewicht – vermindern bereits bei jungen Männern die Fruchtbarkeit, wie Forscher des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) in einer Studie belegen. Sie konnten darin zeigen, wie das Körpergewicht die Spermien auf molekularer Ebene beeinflusst.

Beruht ein unerfüllter Kinderwunsch auf mangelndem Zeugungsvermögen des Mannes, ist die andrologische Sprechstunde an der Hautklinik am Universitätsklinikum Leipzig die richtige Anlaufstelle. Mitunter sind deformierte oder bewegungsunfähige Spermien die Ursache. Aufschluss gibt in vielen Fällen eine mikroskopische Untersuchung des Samenergusses, das sogenannte Spermiogramm. Zwischen 1999 und 2005 haben die Forscher an der Leipziger Universitätsklinik Spermiogramme von mehr als 2000 Männern erstellt. Zu den dabei belegten Erkenntnissen gehört, dass das Körpergewicht des Mannes die Zeugungsfähigkeit deutlich beeinflusst.

„Der Body-Mass-Index (BMI) spielt eine entscheidende Rolle für die Anzahl gesunder, normal gestalteter Spermien pro Samenerguss", sagt Professor Dr. med. Uwe Paasch, Leiter der Andrologischen Abteilung. Extremes Untergewicht, vor allem aber Übergewicht verringere die Zahl der Samenzellen. Ein weiterer Faktor, der die Zeugungsfähigkeit beeinflusst, ist das Alter. „Männer können zwar auch noch im hohen Alter Kinder zeugen", so der Androloge. Die Wahrscheinlichkeit nehme aber ab. Ein Grund könnte darin liegen, dass die meisten Menschen ab dem mittleren Alter an Körpergewicht zunehmen. Professor Paasch: „Die beiden Faktoren Alter und Gewicht sind dann schwer voneinander zu trennen."

Die Ergebnisse der Leipziger Andrologen weisen auch auf eine besondere Risikogruppe hin: „Wir sehen in der Sprechstunde häufig Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, deren auffälliges Merkmal Fettleibigkeit ist", so Professor Paasch. Das Spermiogramm zeigt bei ihnen nur eine geringe Zahl normal gestalteter Samenzellen. Ihre Spermien scheinen sich durch den Einfluss der überschüssigen Pfunde auf molekularer Ebene zu verändern. Professor Paasch vermutet, dass ein Lebensstil mit wenig Bewegung und ungesunder Ernährung eine Rolle spielt.

Mittels neuer Techniken untersucht der Männermediziner am UKL deshalb die verschiedenen Eiweiße in den Samenzellen. „Unsere Forschungen deuten auf Abweichungen bei einer ganzen Reihe von Eiweißen hin", erläutert der Experte. „Darunter sind Proteine, die für die Funktion der Samenzellen wichtig sind." Wie genau das Übergewicht die Bildung der Spermien stört, ist noch unklar. Derzeit führt die Forschungsgruppe am Universitätsklinikum Leipzig eine größere Studie durch, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Literatur: U Paasch et al.: Obesity and age affect male fertility Potential, Fertil Steril 2010; doi:10.1016/j.fertnstert.2010.06.047

Anna Julia Voormann, Christine Schoner

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.