Hier die gesunden Schlanken – dort die kranken Dicken

Pressemitteilung zum internationalen Tag der Toleranz am 16.November

Pressemitteilung vom 16.11.2010
Am Integrierten Forschungs- und Behandlungs-zentrum (IFB) AdipositasErkrankungen in Leip-zig untersucht Professorin Steffi Riedel-Heller, inwiefern Menschen mit Übergewicht sozial stigmatisiert werden und spricht von einem Teufelskreis sozialer Ausgrenzung.

Krankhaft übergewichtige Menschen haben nicht nur mit ihren Pfunden und damit verbundenen Folgeerkrankungen zu kämpfen, sondern auch mit Vorurteilen, die sich hartnäckig in der Gesellschaft halten. Gefräßig und faul, disziplinlos und willensschwach werden sie genannt. Nicht nur in der Allgemeinbevölkerung, auch unter Ärzten oder Krankenschwestern sind solche Vorurteile weit verbreitet. „Eine Erklärung ist, dass Menschen in Gesundheitsberufen konkret problematische Erfahrungen mit übergewichtigen Patienten machen“, so Professorin Steffi-Riedel-Heller. „Übergewicht ist beispielsweise immer ein Risikofaktor für Folgeerkrankungen und bei Operationen. Es stellt für das medizinische Personal eine große Herausforderung dar und bedeutet oft auch eine körperliche Anstrengung, etwa beim Waschen, beim Betten oder anderen Hilfestellungen.“ Fehlendes Wissen von Menschen in helfenden Berufen über beispielsweise Ursachen von Adipositas führen dazu, dass sich Patienten unverstanden fühlen. „Die Folge ist, dass krankhaft Übergewichtige nötige Krebsvorsorgeuntersuchungen auslassen und selbst bei Problemen später zum Arzt gehen“, so die IFB-Expertin. Es ist eine Tatsache, dass Übergewicht eine Folge einer konstant positiven Energiebilanz ist: Es werden mehr Kalorien aufgenommen als der Körper benötigt. „Die Frage ist aber, wie es dazu kommt. Und da finden sich unzählige Einflussfaktoren“, so Steffi Riedel-Heller. Immer wieder müsse man die Gesellschaft dafür sensibilisieren und darauf hinweisen, welche Konsequenzen Diskriminierung für Übergewichtige hat. Entgegen der Annahme, dass die Konfrontation mit Vorurteilen motivierend wirken könnte, löst diese nur noch ungünstigere Ess- und Bewegungsmustern aus und geht mit psychischen Belastungen einher. Das Ergebnis: Gewichtszunahme statt Gewichtsreduktion. Besonders bei Menschen in Gesundheitsberufen sieht Steffi Riedel-Heller eine Verantwortung, diesen „Teufelskreis der Ausgrenzung“ zu durchbrechen. In ihrem aktuellen IFB-Forschungsprojekt, will sie dafür entsprechende Schulungsprogramme für Menschen in Gesundheitsberufen entwickeln. In diesen Schulungen sollen die Teilnehmer lernen, ihre Vorurteile zu hinterfragen und ihr Verhalten gegenüber Menschen mit Übergewicht gegebenenfalls zu ändern.

Das IFB AdipositasErkrankungen ist eines von acht Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, die in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Es ist ein gemeinsames Zentrum der Universität Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig (AöR). Ziel der Bundesförderung ist es, Forschung und Behandlung interdisziplinär so unter einem Dach zu vernetzen, dass Ergebnisse der Forschung schneller als bisher in die Behandlung integriert werden können. Das IFB AdipositasErkrankungen hat mit 22 Forschungsprojekten begonnen und wird mit über 120 Mitarbeitern das Feld der Adipositasforschung und -behandlung in den nächsten Jahren kontinuierlich ausbauen.

Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen

Janna Buchele Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Liebigstraße 21 04103 Leipzig Tel: + 49 341 97 13361 Fax: + 49 341 97 15949

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