200 Jahre Engagement und Hingabe für die Frau - Festsymposium anlässlich des 200-jährigen Geburtstages der Universitätsfrauenklinik

Pressemitteilung vom 16.10.2010

200 Jahre und eine Woche war es her, als im neu gegründeten Trierschen Institut das erste Kind geboren wurde. Im Hörsaal 9 der Universität Leipzig trafen sich am 16.10.2010 anlässlich dieses Geburtstages rund 300 Gäste aus aller Welt zu einem Festsymposium. Großes Hallo gab es schon vor dem Hörsaal, denn viele der Gäste haben in Leipzig ihre Ausbildung genossen, teilweise hier gearbeitet und sich nun sehr lange Zeit nicht gesehen. Prof. Dr. Dr. Michael Höckel begrüßte die Gäste, mit denen er und die übrigen Veranstalter einen Streifzug durch 200 Jahre Geschichte der Gynäkologie unternehmen wollten. Prof. Dr. Franz Häuser, Rektor der Universität Leipzig, nannte das Triersche Institut – die heutige Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde – ein gelungenes Beispiel für die erfolgreiche Symbiose privaten Engagements und wissenschaftlichen Erfolgs. „Das Engagement der Rahel Amalia Augusta Trier, die Ihr Vermögen für die Errichtung des Hebammeninstituts stiftete, war vor zweihundert Jahren Ausdruck einer im Bürgertum weit verbreiteten Tugend, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen“, so Häuser. Dieses Engagement gäbe es zwar vereinzelt auch noch heute, doch wäre es wünschenswert, wenn es wieder zur Selbstverständlichkeit werden würde.

Oberärztin Dr. Gabriele Pretzsch nahm die Anwesenden mit auf einen unterhaltsamen Streifzug durch die Geschichte. Sie hat das Festsymposium maßgeblich organisiert und viele Stunden damit zugebracht, lehrreiche und witzige Anekdoten aus der zweihundertjährigen Geschichte der Klinik aufzufinden. Prof. Höckel dankte ihr für ihre unermüdliche Arbeit im Vorfeld des Jubiläums mit einem Blumenstrauß. Im kurzweiligen und bisweilen amüsanten Streifzug durch die Geschichte standen wichtige Persönlichkeiten wie Carl Siegmund Franz Credé oder Herbert Lax ebenso im Mittelpunkt wie heute selbstverständliche Untersuchungen, die vor 50 Jahren noch in den Kinderschuhen steckten, so etwa der Ultraschall bei Schwangeren. Die Universitäts-Frauenklinik bekam 1976 nach der Charité in Berlin das zweite Gerät in der DDR überhaupt – die Geburtsstunde der geburtshilflichen Sonografie in Leipzig.

Einige Jahre später wurde in der Radiologie des Uniklinikums der erste Parallelscanner aufgestellt. Auch die UFK profitierte von diesem Gerät, mit dem sich beispielsweise die Follikel in den Eierstöcken zählen ließen. Genau eine Stunde wurde ihm für Untersuchungen in der Abteilung zugestanden, erinnerte sich Dr. Dieter Baier, Oberarzt an der Universitäts-Frauenklinik. „Mit 20 Frauen, die alle eine volle Harnblase hatten, weil das für die Untersuchung nötig war, bin ich durch den Park von der Frauenklinik zur Liebigstraße gerannt, um auch wirklich die komplette Zeit nutzen zu können - und das bei Wind und Wetter.“

Mit den Ergebnissen dieser und vieler anderen Untersuchungen leisteten und leisten die Ärzte einen wichtigen Beitrag zur Forschung auf dem Gebiet der Frauenheilkunde. Dazu gehört auch die Entwicklung neuer Operationsmethoden bei der Entfernung von Tumoren, wie sie Prof. Michael Höckel, Direktor der Universitäts-Frauenklinik, vorstellte. Die so genannte Totale Mesometriale Resektion (TMMR), die beispielsweise zur Behandlung von bösartigem Gebärmutterhalskrebs eingesetzt wird, habe dazu geführt, dass die Überlebenschance der Patientinnen um 20 Prozent höher sei als bei bisherigen Methoden, erklärte Höckel. Auch international finde diese Art der Operation inzwischen große Beachtung.

Die Universitäts-Frauenklinik arbeitet heute eng mit der Abteilung für Pränatal- und Geburtsmedizin zusammen. Höckel bezeichnet dies als moderne Ehe: „Wir produzieren gemeinsam Nachwuchs.“ Bis vor 50 Jahren war das keine Selbstverständlichkeit. „In den ersten 150 Jahren der Frauenklinik war nur die Mutter wichtig, sie musste überleben. Das Kind galt als passives Geburtsobjekt“, erzählte Prof. Holger Stepan, Leiter der Abteilung für Geburtsmedizin. Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts habe sich diese Einstellung geändert. Das Kind werde heute bereits ab der 12. Schwangerschaftswoche als gleichwertiger Patient neben der Mutter behandelt.

Nachwuchs produzieren die Ärzte der Universitäts-Frauenklinik aber nicht nur in Leipzig. In der Vergangenheit waren sie gemeinsam mit anderen Medizinern des Uniklinikums Leipzig an der Ausbildung von Ärzten im äthiopischen Gondar beteiligt. Von 1979 bis 1989 wurden so 417 Studenten erfolgreich ausgebildet, wovon Yemenie Aschalew, selbst einer der ersten Absolventen der Medical School in Gondar, erzählte - und auch beim Publikum die eine oder andere fröhliche Erinnerung mit seinen Fotos vom Afrika-Aufenthalt der Deutschen weckte.

Einen abschließenden Ausblick auf die Zukunft der Frauenheilkunde versuchte Prof. Uwe Köhler, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Leipziger Klinikum St. Georg. Er verwies darauf, dass eine Aufsplittung des Faches trotz seiner großen Breite vermieden werden müsse: „Es darf nur einen Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe geben, sonst existieren wir in zehn Jahren nicht mehr.“ Deshalb sei es wichtig, dem Rückgang des beruflichen Nachwuchses entgegenzuwirken und die Rahmenbedingungen der Forschung zu verbessern, denn „eine aktive Forschung ist für die Breite unseres Faches unerlässlich.“

Michael Höckel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde, sieht diese Forderungen als durchaus lösbare Aufgabe: „Diese Zukunft, wenn sie auch vage ist, können wir in Angriff nehmen. Ganz besonders, wenn wir auf unsere erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken, so wie wir es heute getan haben.“

Die Festveranstaltung klang bei einem gemütlichen Abend im Ratskeller aus. Dort verteilte Gabriele Pretzsch als Amalia Trier die eigens für das Jubiläum hergestellten Medaillen aus Meissner Porzellan – eine limitierte Rarität, die bei den Gästen für Begeisterung sorgte.

Aus Anlass des Jubiläums erscheint auch eine Festschrift, die ab 18.10.2010 auch über den Buchhandel zu beziehen sein wird (ISBN: 978-3-942360-02-9)

www.frauenklinik-leipzig.de www.brustzentrum-leipzig.de www.geburtsmedizin-leipzig.de www.mbfs.uniklinikum-leipzig.de

Heiko Leske Pressesprecher Universitätsklinikum Leipzig AöR Liebigstraße 18 04103 Leipzig Tel.: 0341 - 9715905 Fax: 0341 - 9715906 e-Mail: heiko.leske@uniklinik-leipzig.de

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