„Es ist ein Junge!“

200 Jahre Universitätsfrauenklinik Leipzig - 200 Jahre Hingabe, Forschung und Engagement für die Frau

Pressemitteilung vom 08.10.2010
Bild vergrößern Die 1. Seite des 1. Geburtsbuches des Trierschen Instituts  

9. Oktober 1810, 1:00 Uhr: Prof. Dr. Christian Gottlieb Jörg vermerkt mit akkurater Schrift im ansonsten leeren Journal, dass soeben, „halb ein Uhr" Maria Dorothea Bauerin aus Mehlis im Gothaschen von einem gesunden Jungen entbunden wurde. Der Knabe, Johann August Ludwig Bauer, getauft am 14. Oktober und am 18. Oktober mit seiner Mutter nach Hause entlassen, war das erste Kind, das in der neuen Gebäranstalt an der Universität Leipzig das Licht der Welt erblickte. 200 Jahre später stehen in den zahlreichen Ge-burtenbücher mehr als 500.000 Kinder, die an der Universitätsfrauenklinik geboren wurden. Die verwitwete und kinderlose Appellationsrätin Rahel Amalia Augusta Trier hatte in ihrem Testament verfügt, dass der Universität ein Grundstück ein Grundstück mit dazugehörigen Gebäuden zur Eröffnung eines „Hebammen-Instituts" vermacht werden soll. Dank der Geldspenden weiterer Leipziger Bürger konnte das Institut eingerichtet und am 7. Oktober 1810 mit sechs Betten eröffnet werden. Jörg, der erste Ordinarius für Geburtshilfe in Leipzig, leitete das Institut, das 16 Jahre nach der Gründung schon einen anderen, größeren Standort benötigte, 46 Jahre. Sein Nachfolger, Karl Siegmund Credé ist untrennbar mit der Leitung der Nachgeburtsperiode (Credé´scher Handgriff) und der Credé´schen Augenprophylaxe zur Verhinderung der gefürchteten Neugeborenenblennorrhoe durch Gonokokkeninfektion verbunden. Credé widmete sich auch der sich rasch entwickelnden Gynäkologie. Dieser Teil des Fachgebietes wurde durch Credés Nachfolger, Paul Zweifel, weiter ausgebaut, der in Leipzig neue gynäkologische Operationsverfahren einführte. Deutschlands namhaftester Gynäkologe, Walter Stoeckel, folgte Zweifel als Ordinarius und setze einen weiteren Neubau der Frauenklinik durch, wurde aber selbst nicht mehr Nutznießer seiner Bemühungen, da er 1926, zwei Jahre vor der Inbetriebnahme, an die Charité berufen wurde. Hugo Sellheim nutzte die hervorragenden Bedingungen in Leipzig, um die Geburtsmedizin weiter zu entwickeln. Auf Sellheim folgte Robert Schröder, der der Leipziger Frauenklinik seinen unverkennbaren Stempel aufdrückte. Sein Nachfolger, Norbert Aresin, widmete sich besonders der Ehe- und Sexualberatung und förderte die Etablierung der Mikrobiologie und Zystologie. Er richtete auch die erste neonatologische Intensivstation der damaligen DDR ein. 1974 übernahm Karl Bilek die Leitung der Klinik. Er legte den Schwerpunkt auf die frühzeitige Erkennung fetaler Wachstumsstörungen sowie der Frühgeburtlichkeit. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Universitätsfrauenklinik zu einem wichtigen Zentrum der in-vitro-Fertilisation. Wichtige Forschungsschwerpunkte lagen auch auf dem Gebiet der gynäkologischen Onkologie. Diese Tradition setze auch der derzeitige Direktor der Frauenklinik, Prof. Dr. Dr. Michael Höckel fort. Er entwickelte auf der Basis einer neuen Theorie zur Ausbreitung solider Tumoren eine neue Operationsmethode zur Entfernung des Gebärmutterhalskrebses, die Totale mesometriale Resektion (TMMR), die trotz Verzichts auf eine anschließende Strahlentherapie die 5-Jahres-Überlebens¬wahrscheinlichkeit um etwa 15 Prozent gegenüber der herkömmlichen Wertheim-Operation erhöht.Auch die eigentliche Geburtsmedizin hat an der heutigen Frauenklinik immer noch einen sehr hohen Stellenwert. Als sächsisches Perinatalzentrum ist man hier auf die Betreuung komplizierter Schwangerschaften, die vorgeburtliche Diagnostik von kindlichen Fehlbildungen sowie die Betreuung von Frühgeborenen spezialisiert. Im vergangenen Jahr wurden hier mehr als 2000 Geburten betreut und in diesem Jahr liegt die Zahl der Geburten bereits wieder bei 1590. Das Universitäre Kinderwunschzentrum führt die lange Tradition der in-vitro-Fertilisation und der Betreuung ungewollt Kinderloser fort und das Universitäre Brustzentrum bündelt die umfangreiche medizinische Kompetenz des Universitätsklinikums Leipzig auf dem Gebiet das Mammakarzinoms. Die Hebammenausbildung wird seit Jahrzehnten von der Medizinischen Berufsfachschule des Universitätsklinikums Leipzig sichergestellt. Die hier ausgebildeten Hebammen sind gefragte Fachkräfte in ganz Deutschland.

Gefeiert wird der Geburtstag der Frauenklinik am kommenden Sonnabend, dem 16. Oktober 2010 mit einem Festsymposium. Im Hörsaal 9 des neuen Hörsaalgebäudes der Universität treffen sich zahlreiche Mediziner als aller Welt, um das Jubiläum gemeinsam zu begehen. Viele von ihnen wurden in Leipzig ausgebildet und haben den Ruf des Trierschen Instituts in ihre jeweilige Heimat getragen. Aus Anlass des Jubiläums erscheint eine Festschrift, die auch über den Buchhandel zu beziehen sein wird (ISBN: 978-3-942360-02-9)

www.frauenklinik-leipzig.de

www.brustzentrum-leipzig.de

www.geburtsmedizin-leipzig.de

www.mbfs.uniklinikum-leipzig.de

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.