Erstmals minimal-invasive Leberresektion durchgeführt

Pressemitteilung vom 04.12.2003
Spezialisten der Klinik und Poliklinik für Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig führten eine teilweise Entfernung der Leber mittels ''Schlüsselloch''-Operation durch

Leipzig - Ein OP-Team unter Leitung von OA Dr. Michael Schön an der Klinik und Poliklinik für Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie entfernten einer jungen Frau mit einer noch recht neuen laparoskopischen Operationsmethode Teile der Leber, die von einer Geschwulst befallen waren.


Noch wird diese Operation in fast allen Fällen auf herkömmliche Weise durchgeführt, die einen sehr großen Schnitt im Brust- und Bauchbereich (den Oberbauch-Querschnitt) erfordert, damit der Operateur an der Leber ein ausreichend großes Arbeitsgebiet hat und die Leber von allen Seiten frei zugänglich ist. Dieser Schnitt ist ca. 40 cm lang. Dadurch verlängert sich allerdings der Genesungsprozess des Patienten und es entstehen sehr große Narben im Bereich des Oberkörpers.


In den weltweit führenden Zentren für minimal-invasive Chirurgie in Paris und Bordeaux wurde deshalb eine Methode entwickelt, die Leberresektion auf schonendere Weise laparoskopisch durchzuführen. Dabei werden am Oberbauch vier kleine Öffnungen geschaffen, durch die Endoskope und das Operationsbesteck in den Körper eingeführt werden. Über einen weiteren Schnitt, der wie bei einem Kaiserschnitt über dem Schambein liegt, wird das abgetrennte Lebergewebe entfernt. Die relativ kleinen Schnittwunden verheilen recht schnell und es bleiben nur kleine, kaum sichtbare Narben zurück.



Was zunächst so einfach klingt, ist allerdings eine recht komplizierte Operationsmethode. Bisher gibt es weltweit nur wenige Kliniken, an denen diese Methode praktiziert wird. Es erfordert nicht nur einen sehr erfahrenen Operateur, sondern auch ein eingespieltes Team und modernste bildgebende Verfahren. Schwierig ist die Operation auch deshalb, weil in der Leber einige große Blutgefäße sind, die bei der teilweisen Entfernung von Gewebe nicht beschädigt werden dürfen.


Als Routineeingriff wird diese Operation in Deutschland bisher noch nicht durchgeführt und es gibt auch noch keine randomisierten klinischen Studien zum Verfahren und konkreten Auswirkungen auf den Genesungsprozess. ''Seit Anfang 2003 beschäftigen wir uns mit der laparoskopischen Leberresektion'' erklärt Prof. Dr. Johann Hauss, Direktor der Klinik. ''Zunächst haben wir in Paris bei einigen Eingriffen hospitiert, danach über Monate mit dem Team den Eingriff geübt. Mit den Kollegen aus der Klinik für Diagnostische Radiologie, allen voran Dr. Dominik Fritzsch, haben wir einen Weg gesucht und gefunden, die Leber und vor allem die in ihr befindlichen Gefäße dreidimensional darzustellen. Dazu wird ein Dünnschicht-Computer-Tomogramm angefertigt und am Rechner zu einem dreidimensionalen Modell der Leber modelliert.'' Dadurch, so Prof. Hauss, könne man vor der Operation genau planen, wie und an welchen Schichten entlang die Entfernung des geschädigten Gewebes erfolgen soll. Erst als man sich optimal vorbereitet hatte, wurde die erste Operation nach der neuen Methode durchgeführt. Mit dem Ergebnis sind die Chirurgen sehr zufrieden: ''Die Patientin konnte schon nach sieben Tagen die Klinik wieder verlassen. Das ist eine sehr kurze Zeit nach einem solchen Eingriff. Im Vergleich zur herkömmlichen Operationsmethode sind kaum Narben zu sehen, was aus meiner Sicht die Lebensqualität der noch recht jungen Patientin zusätzlich erhöht.''


Gemeinsam mit dem KKSL - dem Koordinierungszentrum für Klinische Studien in Leipzig unter Leitung von Prof. Dr. Markus Löffler - wurde nun ein klinisches Projekt gestartet, an dem zunächst 40 Patienten teilnehmen. Ziel dieser prospektiven, randomisierten Studie ist es, mehr Erkenntnisse über das Verfahren und seine Auswirkungen zu erlangen. Dr. Schön: ''Bisher gibt es weltweit noch keine randomisierte Studie zur laparoskopischen Leberresektion, weil das Verfahren noch so neu ist. Das möchten wir ändern und damit einer größeren Zahl von Patienten die Möglichkeit geben, von den Vorteilen dieser Operationsmethode zu profitieren. In Leipzig, wo wir mit ca. 100 Leberresektionen pro Jahr die meisten derartigen Eingriffe in den neuen Bundesländern durchführen, wird das minimal-invasive Verfahren bald als Routineverfahren etabliert sein.''


Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.