Jetzt auch kostenlose Spende von Nabelschnurblut-Stammzellen

Das Universitätsklinikum Leipzig ermöglicht werdenden Eltern seit vielen Jahren die Entnahme von Nabelschnurblut – jetzt auch als kostenlose Spende

Pressemitteilung vom 16.02.2009
In der Abteilung für Geburtsmedizin des Frauen- und Kinderzentrums entscheiden sich immer mehr werdende Eltern zur Geburt für die Entnahme und Aufbewahrung von Nabelschnurblut-Stammzellen. Ein Grund dafür: Die Abteilung für Geburtsmedizin des UKL bietet werdenden Eltern jetzt verschiedene Möglichkeiten, das Nabelschnurblut aufzubewahren. Während Nabelschnurblut bislang vor allem zur Eigenvorsorge entnommen wurde, können Schwangere das Nabelschnurblut seit kurzem auch spenden. Dabei kooperiert das Klinikum mit dem Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspenderregister „NKR – Initiative Leben spenden Deutschland“ aus Hannover und der Nabelschnurblutbank Vita 34 aus Leipzig.

Am Universitätsklinikum Leipzig wurde Nabelschnurblut in den vergangenen Jahren ausschließlich zur Einlagerung für das eigene Kind entnommen. Hierbei handelt es sich um eine Gesundheitsvorsorge, die die Eltern selbst bezahlen. Seit kurzem wird in der Abteilung für Geburtsmedizin auch die Spende von Nabelschnurblut angeboten. Darüber freut sich Prof. Stepan ganz besonders: „Wir sind eines der ersten Krankenhäuser in den neuen Bundesländern, das die Nabelschnurblutspende kostenfrei anbietet". Die Stammzellen werden dann über das NKR in Hannover für die Behandlung von unverwandten Patienten weltweit zur Verfügung gestellt.

Außerdem können werdende Eltern am UKL die Eigenvorsorge und Spende miteinander kombinieren. Dabei wird das Nabelschnurblut zur Geburt für das eigene Kind eingelagert, so dass es ihm im Fall einer schweren Krankheit zur Verfügung steht. Gleichzeitig können sich die Eltern die Option einer späteren Spende des Nabelschnurblutes offen halten. Wird das Präparat als Spende benötigt und von den Eltern freigegeben, bekommen sie die Einlagerungsgebühr zurück erstattet.

Nabelschnurblut, normalerweise Geburtsabfall, enthält Millionen wertvoller Stammzellen. „Das Gute am Nabelschnurblut ist, dass es einfach und ohne Risiko für Mutter und Kind gewonnen werden kann", erläutert Prof. Holger Stepan, Leiter der Abteilung für Geburtsmedizin. Für die Entnahme gibt es ein spezielles Entnahmeset, das von einer Nabelschnurblutbank zur Verfügung gestellt wird. Anschließend werden die Nabelschnurblut-Stammzellen von der Nabelschnurblutbank kältekonserviert. So stehen die Stammzellen zum Beispiel für die Behandlung lebensgefährlicher Erkrankungen des blutbildenden oder des Immunsystems sofort zur Verfügung. Ohne Nabelschnurblut kann in diesen Fällen oft nur noch eine Transplantation gesunder Stammzellen helfen.

„Die Bedeutung von Nabelschnurblut-Stammzellen für die Medizin wächst jedes Jahr", so Prof. Stepan. „Weil sie lebensrettend sein können, muss bereits bei der Entnahme auf die nötige Sorgfalt geachtet werden. Das können wir den Eltern garantieren, weil wir in der fachgerechten Entnahme geschult wurden."

Eltern, die mehr über die Entnahme von Nabelschnurblut wissen möchten, können sich zum Beispiel auf Kreißsaalführungen an das Team der Entbindungsstation wenden.

Was sind Stammzellen?
Stammzellen kann man als Wachstums- und Heilzellen bezeichnen, die jeder Mensch ein Leben lang in sich trägt. Das Besondere an Stammzellen: Wenn sie sich teilen, entstehen eine neue Stammzelle und eine sich spezialisierende Tochterzelle. Diese entwickelt sich in über 200 verschiedene Zellarten weiter, zum Beispiel in Haut-, Knochen- oder Nervenzellen. Durch dieses Prinzip sorgen Stammzellen im Laufe des Lebens nicht nur dafür, dass der Mensch heranwächst. Sie erneuern und regenerieren den Körper auch bei Verletzungen oder Krankheiten. Diese Fähigkeit macht Stammzellen besonders wertvoll zur Behandlung von schweren Krankheiten.

Am häufigsten werden bislang Stammzellen aus dem Knochenmark genutzt. Sie zählen zu den adulten, also erwachsenen Stammzellen und können im Laufe des Lebens aus dem Körper gewonnen werden. Sie besitzen aufgrund ihres Alters allerdings ein eingeschränktes Potenzial, sich in andere Körperzellen umzuwandeln. Eine immer wichtiger werdende Stammzellquelle ist das Nabelschnurblut. Aufgrund ihres geringen Alters sind Nabelschnurblut-Stammzellen äußerst entwicklungsfreudig und gut verträglich. Durch die gefahrlose und einfache Gewinnung und ihre schnelle Verfügbarkeit im Bedarfsfall sind sie für eine medizinische Anwendung besonders geeignet.

Wofür werden Stammzellen benötigt?
Stammzellen werden bereits seit 50 Jahren medizinisch genutzt. Allein in Europa finden jährlich fast 30.000 Stammzelltransplantationen statt - die meisten davon zur Behandlung von schweren Krebs- oder Bluterkrankungen. In zwei Dritteln der Fälle werden die eigenen Stammzellen des Patienten verwendet, in den anderen gespendete Stammzellen. Diese kommen entweder von Geschwistern oder aus Spenderegistern wie dem NKR.

Besonders großes Potential besitzen Stammzellen für die Anwendung bei so genannten Volkskrankheiten wie Diabetes, Schlaganfall oder Herzinfarkt. Hier soll mit Hilfe von Stammzellen eine Regeneration von Gewebe erreicht werden. Erste Erfolge gibt es bereits. So haben Ärzteteams in Deutschland bei Herzinfarktpatienten erfolgreich die eigenen Knochenmark-Stammzellen zur Stärkung des Herzens eingesetzt. In den USA sind bereits dutzende Kinder mit Diabetes Typ 1 und frühkindlichen Hirnschäden mit eigenen Nabelschnurblut-Stammzellen behandelt worden.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.