Porsche-Mitarbeiter helfen beim Kampf gegen Leukämie

Pressemitteilung vom 04.02.2004
108 der 300 Porsche-Mitarbeiter lassen sich als Knochenmarkspender registrieren

Mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Leipziger Porsche-Werkes haben sich entschlossen, eine aktive Rolle im Kampf der Mediziner gegen den tückischen Blutkrebs zu übernehmen. Sie ließen sich typisieren und in die Knochenmark-Spender-Datei aufnehmen.


Anlässlich des letzten Typisierungstermins im Leipziger Porsche-Werk am heutigen Tag bedankte sich der Leipziger Hämatologe Prof. Dr. Dietger Niederwieser bei allen Porsche-Mitarbeitern für ihre Bereitschaft, Knochenmark zu spenden.


''Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 10.000 Menschen an der heimtückischen Blutkrankheit'', berichtet der weltweit anerkannte Spezialist. ''In einigen Fällen liegt die Chance, einen passenden Spender zu finden, bei 1 : 500000. Und ohne passende Spenderzellen hat der Erkrankte keine Chance, den Blutkrebs zu besiegen. Deshalb ist die Bereitschaft der Porsche-Mitarbeiter, sich als Spender registrieren zu lassen, gar nicht hoch genug einzuschätzen.''


Geschäftsführer Siegfried Bülow, der selbst in der Spender-Datei steht, zeigte sich positiv überrascht vom Engagement seiner Mitarbeiter: ''Als wir die Aktion im November vergangenen Jahres starteten, hatte ich schon mit einer großen Bereitschaft gerechnet. Dass aber mehr als ein Drittel der Belegschaft mitmacht, hatte ich so nicht erwartet.'' Für Siegfried Bülow zeigt die hohe Beteiligung, dass die Mitarbeiter die Unternehmensphilosophie, nicht nur sportliche Fahrzeuge zu bauen, sondern sich auch gesellschaftlich zu engagie-ren und Verantwortung zu übernehmen, auch tatsächlich leben. ''Darauf bin ich schon stolz'', bekannte der Manager, der darauf hinwies, dass das Engagement von Porsche in Leipzig durchaus keine Eintagsfliege ist. ''Wir engagieren uns in der Region Leipzig in mehreren sozialen und kulturellen Projekten, wobei wir uns immer als aktiver und langfristiger Partner verstehen.''


Prof. Niederwieser begrüßt diese Haltung von Porsche und betont: ''Natürlich wird überall Geld benötigt. Das ist auch im Kampf gegen die Leukämie so. Ohne Spendengelder hätten wir z. B. in Leipzig nicht dieses hochmoderne Knochenmark-Transplantationszentrum. Aber die Knochenmark-Spender sind mindestens genauso wichtig. Die Datenbank mit den Spendern steht weltweit zur Verfügung und wird tagtäglich auch weltweit genutzt. So leistet jeder, der registriert ist, einen unschätzbaren Dienst, indem er für den Fall bereit steht, dass seine Stammzellen für einen Patienten gebraucht werden. Und ich bin überzeugt, dass es ein unglaublich tolles Gefühl ist, wenn man einem anderen Menschen mit seiner Spende geholfen hat, die Krankheit zu überwinden. Die Mitarbeiter der Firma Porsche haben mit dieser Aktion unschätzbare Hilfe für Leukämiepatienten geleistet.''


Hintergrund:

Erkrankt ein Mensch an Leukämie, kann ihm bislang nur geholfen werden, wenn das erkrankte Knochenmark durch ein - gespendetes - gesundes Knochenmark ersetzt wird. Damit diese Methode Erfolg hat, müssen die Gewebemerkmale des Erkrankten mit denen des Spenders in vielen Punkten überein stimmen.

Gewebemerkmale sind spezifische Eiweißmoleküle auf der Oberfläche der meisten Zellen unseres Körpers.

Sie kommen unter anderem auch auf den weißen Blut-zellen, den Leukozyten des Menschen vor und lassen sich hier am leichtesten nachweisen. Daher bezeichnet man sie auch als Humane Leukozyten Antigene oder kurz genannt HLA-Antigene.


Jeder Mensch verfügt über mindestens 6 verschiedene Gruppen von HLA-Antigenen: HLA-A, HLA-B, HLA-C, HLA-DR, HLA-DQ und HLA-DP. Alle diese Antigene helfen dem Immunsystem, Bakterien und Viren zu identifizieren. Für die routinemäßige HLA-Typisierung stehen zur Zeit serologische und molekularbiologische Testmethoden zur Verfügung. Man benötigt dazu etwa 5 bis 10 ml Blut.


Für die HLA-A und HLA-B-Typisierung von Knochenmarkspendern wird in den meisten Laboratorien nach wie vor eine serologische Typisierungstechnik, der s.g. Mikrolymphozytotoxizitätstest, eingesetzt. Dabei können 63 verschiedenen Merkmale (Hauptantigene), nach denen bereits eine Vorauswahl eines geeigneten Spenders erfolgen kann, über spezifische Antikörper nachgewiesen werden. Zur Bestimmung eines HLA-A, B-Typs kommen kommerzielle Serensets mit 72 bis 120 verschiedenen Antiseren zum Einsatz. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass binnen kurzer Zeit mit vertretbarem personellen und finanziellen Aufwand sehr viele Typisierungen durchgeführt werden können. Bei ca. 15 % der Bestimmungen müssen ergänzend zum serolo-gischen Vorbefund molekularbiologische Methoden eingesetzt werden.


HLA-DR-Merkmale werden ausschließlich über moleku-larbiologische Typisierungstechniken bestimmt. Aus kernhaltigen Zellen einer Blutprobe wird die DNS ge-wonnen. Mittels Polymerasekettenreaktion werden die gewünschten Merkmale vermehrt und anschließend entweder direkt über ein Elektrophoresegel oder eine Nukleotid-Sonden-Hybridisierung nachgewiesen.


Diesen gesamten Vorgang nennt man Typisierung. Die ermittelten Befunde werden in der Spenderdatei erfasst und dort bei eingehenden Suchanfragen automatisch mit den gesuchten Gewebemerkmalen abgeglichen. Wird eine ausreichend hohe Übereinstimmung der Merkmale festgestellt, erfolgt nochmals eine Feinuntersuchung.


Wer Interesse hat, sich als Knochenmarkspender registrieren zu lassen, kann sich beim


VEREIN FÜR KNOCHENMARKSPENDEN SACHSEN e.V.

Fetscherstraße 72

01307 Dresden

Telefon: (0351) 44 25 458

www.knochenmarkspende-sachsen.de


informieren und anmelden.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.