Universitätsmedizin Leipzig blickt optimistisch in die Zukunft

Pressemitteilung vom 27.06.2008
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät ziehen positive Bilanz für 2007 – Klinikum sieht sich auf dem Weg in die Spitzengruppe der deutschen Universitätsklinika

Auf der gestrigen Bilanzpressekonferenz präsentierten der Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig und der Prodekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig ein aus Sicht der Universitätsmedizin Leipzig erfolgreich verlaufenes Jahr 2007. Klinikum und Fakultät hätten trotz schwieriger Rahmenbedingungen eine sehr gute Entwicklung genommen. Dank einer großartigen Teamleistung aller Mitarbeiter sei es gelungen, in der Krankenversorgung eine deutliche Leistungssteigerung im Vergleich zum Vorjahr zu erreichen, die sich auch in den Erlösen und im Betriebsergebnis niederschlage. Damit sei die wirtschaftliche Basis des Klinikums gestärkt worden, was die Handlungsspielräume für die Zukunft erweitere. Besondere Forschungserfolge der Medizinischen Fakultät hätten auch 2007 Eingang in renommierte Spitzenjournale gefunden, wodurch die internationale Sichtbarkeit der Leipziger Universitätsmedizin weiter verstärkt worden sei. Dies habe auch dazu beigetragen, dass die Medizin in überfakultären Konzepten in der ersten Begutachtungsrunde der Landesexzellenzinitiative sehr erfolgreich gewesen sei und zwei DFG Forschergruppen und mehrere Großprojekte mit BMBF- und EU-Förderung die Arbeit aufnehmen konnten. Mit den erneut deutlich gestiegenen Drittmitteleinwerbungen würden über 400 Arbeitsplätze finanziert. Erfolgsfaktoren in der Ausbildung der Studierenden seien besonders die kurze Studienzeit, gute Promotionsförderung, Evaluierungen und moderne Lehrmethoden. Fakultät und Klinikum seien damit auf einem guten Weg, die Attraktivität des Standorts Leipzig für Spitzenwissenschaftler und Ärzte, Studierende und Patienten aus dem In- und Ausland weiter auszubauen.

Leistungssprung in der Krankenversorgung

Im DRG-Bereich wurden 10,6 % mehr Bewertungsrelationen als im Jahr 2006 erreicht (65.185 BWR). Die Fallzahl stieg um 4,6 % auf 47.472. Damit wurde die mit den Krankenkassen vereinbarte neue Leistungsmenge um 2 % überschritten. Der Schweregrad der behandel-ten Fälle (CMI) stieg von 1,343 im Vorjahr auf 1,424 (+ 6 %) und liegt damit oberhalb des Durchschnitts der deutschen Universitätsklinika, eine Zielgröße, die erst für 2008 ins Auge gefasst worden war. Die durchschnittliche Verweildauer sank leicht auf 7,93 Tage. Der Nutzungsgrad der aufgestellten Betten lag bei 87,5 %.

Im ambulanten Bereich wurde die Zahl der im Rahmen des Poliklinikvertrages vereinbarten Fälle mit 169.605 Pauschalscheinen um 18,6 % überschritten, was angesichts der Begrenzung der Menge abrechenbarer Fälle mit einem Rabatt von 18,6 % gegenüber den Krankenkassen gleichzusetzen ist. Bei den Notfallbehandlungen und Instituts- und Einzelermächtigungen stieg die Fallzahl um 13.250 Fälle auf 107.900 Fälle.

Die Gesamterlöse stiegen von 244,9 Mio. Euro auf 261,9 Mio. Euro. Das Klinikum erwirtschaftete ein ordentliches Betriebsergebnis (Betriebsergebnis nach investitionsbedingten Effekten) in Höhe von 3,94 Mio. Euro.

Der Kaufmännische Vorstand des Universitätsklinikums, Diplom-Kaufmann Matthias Wokittel, sieht in den Ergebnissen des Jahres 2007 einen Beweis für die hohe Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit des Universitätsklinikums Leipzig. Ausdrücklich bedankte er sich bei den Mitarbeitern des Klinikums für ihr Engagement und bei den Krankenkassen, die „mit uns gemeinsam das Leistungsgeschehen des Universitätsklinikums in den vergangenen zwei Jahren wieder auf universitäres Niveau angehoben haben und diesen Weg auch in Zukunft mitgehen wollen." Die Krankenkassen hatten für 2007 mit dem Klinikum ein um fast zwölf Millionen Euro höheres Krankenhausbudget als im Vorjahr vereinbart, und somit die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die höheren Leistungen auch vergütet werden. Auch für das Jahr 2008 werden derzeit die Budgetverhandlungen in sehr konstruktiver Atmosphäre geführt.

„Dieses positive Leistungsgeschehen ist die Basis dafür, dass der Vorstand seiner unternehmerischen Verantwortung, Arbeitsplätze zu erhalten bzw. neu zu schaffen, gerecht werden kann", betonte Matthias Wokittel. „Ohne die Leistungssteigerung hätten wir ca. zehn Prozent der Vollkräfte abbauen müssen. Nun aber sind wir in der Lage, neue Arbeitsplätze zu schaffen - 2008 werden es etwa 40 neue Vollkräftestellen sein."

Die Mitarbeiter hätten von dieser positiven Entwicklung partizipiert. Im Zuge der Tarifabsprachen zum Haustarifvertrag hätten sie 2006 und 2007 erstmals nach Jahren wieder eine positive Gehaltsentwicklung gehabt. Gleichzeitig leistete das Universitätsklinikum als erstes deutsches Universitätsklinikum eine freiwillige Einmalzahlung an alle Mitarbeiter in Höhe von insgesamt 1,3 Mio. Euro. Mit einem Strategie- und Veränderungsprozess wollen Vorstand und Dekanat mit Hilfe der Ideen von vielen Mitarbeitern noch mehr Fahrt aufnehmen, so Wokittel.

Moderne, zukunftsorientierte Strukturen geschaffen

Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, wies darauf hin, dass das vergangene Jahr trotz schwieriger gesetzgeberischer Rahmenbedingungen für das Universitätsklinikum Leipzig ein sehr dynamisches Jahr war. „Wir konnten erste Früchte unserer Arbeit der Jahre 2005 und 2006 ernten und ein wichtiges Etappenziel bei der Neuausrichtung des Klinikums erreichen", resümierte der Medizinische Vorstand. Vor allem das 2006 neu eingerichtete Medizinische Leistungs- und Qualitätsmanagement konnte seine Wirkung voll entfalten und das Leistungsgeschehen in den Kliniken und Polikliniken begleiten, analysieren und steuern. „Im Zusammenspiel aller Beteiligter hat unser Haus eine Entwicklung genommen, die uns Anfang 2007 niemand zugetraut hat", sagte Wolfgang Fleig. Neben der Quantität habe sich aber auch die Qualität weiter verbessert. So sei man mit der Implementierung von Behandlungsstandards vorangekommen und habe durch verschiedene strukturelle Veränderungen Prozesse in der Krankenversorgung direkt und auch Unterstützungsprozesse klarer gestaltet. Wichtige Projekte in diesem Zusammenhang seien auch die Gründung und Zertifizierung des Kooperativen Darmzentrums Leipzig, die Zertifizierung der Zentralsterilisation des Klinikums, die Einrichtung der Station für septisch-rekonstruktive Chirurgie und der PACU (Post Anaesthesia Care Unit) gewesen. Die höhere Qualität der Behandlung drücke sich u. a. auch in der für ein Universitätsklinikum mit seinen schwer und schwerstkranken Patienten sehr niedrigen Sterberate von 1,54 Prozent aus.

„In der Öffentlichkeit hat man im vergangenen Jahr natürlich vor allem die Inbetriebnahme des Zentrums für Frauen- und Kindermedizin wahrgenommen, die für alle Beteiligten eine ungeheure Kraftanstrengung war, aber auch einen gewaltigen Schritt auf dem Weg der nahezu vollständigen Erneuerung unserer Infrastruktur darstellte. Wir haben aber auch zahlreiche andere Projekte angepackt und abgeschlossen, die nicht weniger wichtig für uns sind", erinnerte Prof. Fleig. Der Kauf der DSO-G gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Universitätsklinikum Dresden, der Abschluss des Tarifvertrages mit dem Marburger Bund, die Gründung des Departments für Innere Medizin, die Zentralisierung der Physiotherapie und die Einrichtung eines zentralen Pflegemanagements waren solche Projekte.

Die zwischen Fakultät und Klinikum abgestimmten Berufungen sowie sehr erfolgreiche Bleibeverhandlungen unterstreichen die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit der Leipziger Universitätsmedizin. U. a. konnten folgende Professuren erfolgreich besetzt werden: Prof. Dr. Christian Hirsch für die Selbstständige Abteilung für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe, Prof. Dr. Arno Villringer (Direktor des MPI für kognitive Neurologie) als Direktor der Tagesklinik für kognitive Neurologie, Prof. Dr. Jens-Uwe Stolzenburg als Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie.

Forschungsverbünde im Wettbewerb um die besten Köpfe

Der Prodekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Joachim Thiery, schätzte das Jahr 2007 auch für die Medizinische Fakultät als sehr erfolgreich ein. Der letztjährige Aufruf der Landesexzellenzinitiative habe zu einer weiteren Bündelung und interfakultären Vernetzung der Spitzenforschung geführt. Zwei Projektskizzen unter Federführung der Medizin (Entwicklung fokaler Therapien bei Hirnerkrankungen in einem Medizinischen Neurozentrum [MNZ]; Leipziger Interdisziplinärer Forschungskomplex molekularer Ursachen umwelt- und lebensstilassoziierter Erkrankungen [LIFE]) haben die erste Begutachtungsrunde erfolgreich absolviert. Erste Erfolge der mit dem IZKF begonnenen Strategie einer kompetitiven Verbundforschung werden jetzt in zwei DFG-Forschergruppen sichtbar, die letztes Jahr ihre Arbeit aufgenommen haben (KFO: Fett und Gefäß; FG: P2-Rezeptoren im peripheren und zentralen Nervensystem). Auch ein Klinisches Studienzentrum (KSL) hat mit umfangreicher Unterstützung des BMBF seine Aktivität aufgenommen. Diese Strukturen unterstützen das Ziel der Fakultät, innovative Grundlagenforschung in diagnostische und therapeutische Anwendungen zu überführen, was im universitären Verbund des neuen Translationszentrums „Regenerative Medizin" mit Finanzierung durch das BMBF und den Freistaat Sachsen bereits erfolgreich umgesetzt wird.

Erfreulicherweise sei 2007 die Summe der Drittmitteleinwerbungen gegenüber 2006 erneut um 1,4 Mio. Euro auf insgesamt 22,3 Mio. Euro gestiegen. Über 400 Arbeitsplätze wurden hierdurch finanziert. Auch die Publikation in internationalen Spitzenjournalen konnte weiter ausgebaut werden. Das System der leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM), das in Leipzig angewandt werde, mache die Forschungsleistung innerhalb der Medizinischen Fakultät transparent und vergleichbar. Im Jahr 2007 habe man 14 Berufungsverfahren für Professuren, darunter eine Heisenbergprofessur der DFG erfolgreich abschließen können. Dies betraf unter anderem Berufungen in der Bioinformatik, Neurophysiologie, Herzchirurgie und Molekularen Gynäkologischen Onkologie.

Leipzig habe ein gutes Ansehen in der Lehre. Mit 3.100 Studierenden in Medizin und Zahnmedizin zähle Leipzig zu den großen Medizinfakultäten. 2007 haben 417 Studierende ihr Studium begonnen und 446 erfolgreich abgeschlossen. Im deutschlandweiten Vergleich habe Leipzig die kürzeste Studiendauer in der Humanmedizin. Bei der Bestehensnote im Physikum belege man im bundesweiten Vergleich Platz 5, bei der ärztlichen Prüfung Platz 3. Man zähle zu den wenigen Fakultäten in Deutschland, die ein systematisches Ausbildungsprogramm für künftige Dozenten vorschreiben, das im Verbund mit der Ludwig-Maximilians-Universität München durchführt werde. Neue Ansätze eines Mentorenprogramms sollen individuelle Hilfestellung für Studie-rende geben und die besten in Leipzig halten.

Infrastruktur wird von Jahr zu Jahr moderner

Mit Blick auf die laufende Bau- und Investitionstätigkeit berichtete der Kaufmännische Vorstand, dass die großen Investitionsmaßnahmen im Zeit- und Kostenplan liegen. Fristgerecht wurde im September das Zentrum für Frauen- und Kindermedizin in Betrieb genommen. Der Bau lag im Zeit- und sogar mit 5 % unter dem Kostenplan. Das Zentrum für Konservative Medizin wird ebenfalls termingerecht im Herbst 2008 fertig. Ab Januar 2009 werden schrittweise die Kliniken in den Neubau einziehen. Der Umbau des Zentrums für Psychische Gesundheit wurde im Dezember 2007 abgeschlossen. Termingerecht ging die Kältezentrale in Betrieb und der Bau des Logistikzentrums wird in wenigen Wochen abgeschlossen sein. Am 1. Juli 2008 feiert man Richtfest für das zentrale Forschungsgebäude der Medizinischen Fakultät. Die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen am Institut für Rechtsmedizin sind ebenfalls weit fortgeschritten.

Vorstände und Prodekan waren sich auch in der Bewertung der ersten Monate des Jahres 2008 einig. Die positive Entwicklung des Vorjahres habe - bezogen auf die Leistungsentwicklung in der Krankenversorgung - weiter gesteigert werden können. Sie bekräftigten ihr Ziel, die Universitätsmedizin Leipzig in die Spitzengruppe der deutschen Universitätsmedizin zu führen.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Prof. Dr. Wolfram Knapp, sieht eine solide und zukunftsorientierte Entwicklung der Leipziger Universitätsmedizin in den vergangenen beiden Jahren. „Klinikum und Fakultät haben sich sehr erfolgreich der großen unternehmerischen Herausforderung unter den heutigen Rahmenbedingungen gestellt", erklärte Prof. Knapp. „Das bestärkt den Aufsichtsrat in seiner Überzeugung, dass die Universitätsmedizin Leipzig in ihrer integrierten Vernetzung zwischen Klinikum und Fakultät innerhalb der nächsten 5 Jahre zu den erfolgreichsten deutschen Standorten aufsteigen kann."

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.