Notfallmedizin zwischen Samaritertum und Profit-Center

Pressemitteilung vom 14.02.2008
3. Leipziger ZNA-Symposium wieder ausgebucht – Ethischer Anspruch und finanzielle Notwendigkeit der Notfallmedizin im Zentrum der Diskussion

Am morgigen Freitag findet in dritter Auflage das Leipziger ZNA-Symposium statt, das sich mit zentralen Aspekten der modernen Notfallmedizin befasst. Das diesjährige Thema „Zentrale Notaufnahme zwischen Samaritertum und Profit Center" scheint - wie schon die Themen der Vorjahre - den Nerv von Ärzten, Rettungsassistenten, Pflegekräften und Medizinstudenten zu treffen, denn der Hörsaal im Operativen Zentrum ist schon seit Wochen komplett ausgebucht.

„Wenn man zu einem medizinischen Notfall gerufen wird, steht das unmittelbare medizinische und pflegerische Handeln absolut im Vordergrund. Das ändert aber nichts daran, dass man viel später von den finanziellen Zwängen eingeholt wird" umreißt Prof. Dr. med. Christoph Josten, Direktor der Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie des Universitätsklinikums Leipzig und wissenschaftlicher Leiter des Symposiums das tägliche Problem eines Notfallmediziners. „Wir wollen und müssen mit dieser Problematik offensiv umgehen, denn wir können den Einzelnen nicht mit diesem offensichtlichen Widerspruch alleinlassen." In der Notfallmedizin tätige Menschen seien es gewöhnt, schnell und oft auch allein Entscheidungen zu treffen, so Josten. Alle Beteiligten seien heute aber mehr und mehr damit konfrontiert, bei jeder Entscheidung auch noch zu bedenken, ob die Kosten des Handelns auch von der Fallpauschale gedeckt würden. Und deshalb wolle man auf dem Symposium schon die Frage aufwerfen „Soll, darf, muss eine Notfallaufnahme überhaupt kostendeckend arbeiten?".

Nachdem in den Vorjahren über Standards in einer interdisziplinären Notfallmedizin und das Spannungsverhältnis von Quantität und Qualität diskutiert wurde, ist das diesjährige Thema geradezu zwangsläufig auf den Plan gekommen, denn es hängt auch sehr eng mit den beiden Vorgängerthemen zusammen. Pflegemanager, Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Juristen, Pflegekräfte, Rettungsassistenten, Seelsorger und Controller werden in ihren Referaten ihre spezifische Sicht zum Thema darlegen und auch Gelegenheit haben, mit den Symposiumsteilnehmern darüber zu diskutieren.

Josten ist sich sicher, dass das morgige Symposium die Diskussion zum Thema „Ethik und Monetik" nicht beenden wird. Aber: „Wir werden unseren Beitrag dazu leisten, diese Diskussion voranzutreiben, zuzuspitzen und einer Lösung zuzuführen. Das muss einfach sein, denn die Anforderungen an die Notfallmedizin wachsen ständig. Und wenn die Gesellschaft immerwährende Einsatzbereitschaft bei höchster Qualität fordert, muss sie sich auch mit der Frage der Finanzierung dieses Versorgungsniveaus beschäftigen und darf nicht noch diese Verantwortung auf den Arzt vor Ort abwälzen."

Informationen zum Symposium: www.uni-leipzig.de/notaufnahme

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.