Neue Leber und neue Bauchspeicheldrüse retten Daniel das Leben

Pressemitteilung vom 17.12.2007
Seltene Leber-Pankreas-Transplantation in Leipzig durchgeführt – 18-jähriger mit neuer Lebensqualität

Jeden Morgen isst Daniel (18) ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte - ein Vergnügen, auf das er sehr lange verzichten musste. Daniel hat Mukoviszidose, eine angeborene, erblich bedingte Stoffwechselerkrankung. Durch diese Erkrankung wird die Zusammensetzung aller Körpersekrete verändert, die Sekrete enthalten zu wenig Wasser, sind dadurch zähflüssig und können nicht mehr richtig abtransportiert werden. Neben vielen anderen Folgen für den Betroffenen werden vor allem die Lunge, die Leber und die Bauspeicheldrüse in Mitleidenschaft gezogen.
Daniel ist seit seiner Geburt in ärztlicher Betreuung am Universitätsklinikum Leipzig. Die Ärzte der Universitätskinderklinik haben als ein Spezialgebiet die Betreuung von Mukoviszidose-Patienten. Dennoch konnten auch sie nicht verhindern, dass die Krankheit ihre zerstörerische Wirkung entfaltet. Bei Daniel wurden vor allem Leber und Bauspeicheldrüse geschädigt; eine Kombination, die eher selten vorkommt. Die Folge: Daniel wurde Diabetiker, weil die Insulinproduktion zum Erliegen kam. Die Leber als wichtigstes Stoffwechselorgan (z. B. Enzymfabrik, Entgiftungsorgan) des Körpers wurde zirrhotisch und damit funktionsunfähig. Daniels Zustand verschlechterte sich innerhalb weniger Monate dramatisch. „Sein Leben stand auf Messers Schneide", beschreibt Prof. Dr. Jürgen Strehlau von der Uni-Kinderklinik die Situation. „Die Leber zeigte einen zunehmenden Ausfall. Er fiel mehrmals in einen Zuckerschock, weil er die Anzeichen einer Hypoglykämie gar nicht mehr bemerkte und somit nicht mehr gegensteuern konnte. Diabetes und Mukoviszidose begünstigten Infektionen, die nur noch schwer bekämpft werden konnten. Ohne Transplantation hätte er keine Chance mehr gehabt." Der damals noch 17-jährige Daniel kam im Mai 2007 auf die Transplantationsliste bei Eurotransplant. Am 10. November war es schon soweit, eine Leber und eine Bauspeicheldrüse standen für den jungen Mann bereit. Das Transplantationsteam um Prof. Dr. Josef Fangmann transplantierte in einer siebeneinhalbstündigen Operation die beiden Spenderorgane. „Ein solcher Eingriff wird sehr selten gemacht", erklärt Prof. Fangmann. „2006 gab es nur zwei derartige Transplantationen im Eurotransplant-Raum. 2007 waren es fünf Leber-Pankreas-Transplantationen." Die Operation sei sehr gut verlaufen, so Fangmannn. Chirurgische Komplikationen habe es nicht gegeben. Prof. Fangmann wählte bei der Implantation der Bauchspeicheldrüse eine Variante, bei der die Verdauungssäfte nicht wie sonst in die Blase, sondern in den Darm abgeleitet werden. Eine kluge Entscheidung, denn „auf diese Weise wird der Ausfall der Enzyme durch die Grunderkrankung gleich mit behandelt ".
Seit der Transplantation liegt Daniel auf der Intensivstation des Zentrums für Frauen- und Kindermedizin, „aber nur, um ihn noch vor Infektionen zu schützen", wie Strehlau erklärt. Dem jungen Mann gehe es ziemlich gut, wie sein Appetit auf die gehaltvolle Schwarzwälder-Kirsch-Torte beweise. „Unsere Aufgabe ist es jetzt, Abstoßungsreaktionen abzufangen und Daniel so vorzubereiten, dass er wieder ein weitestgehend normales Leben führen kann." Unabhängig davon, dass die Transplantation ihm das Leben gerettet habe, hätte sich die gesamte Lebensqualität des Patienten verbessert, sind sich die Transplantationsexperten Fangmann und Strehlau sicher. Durch die neue Bauspeicheldrüse sei Daniel kein Diabetiker mehr und auch die Leber funktioniere sehr gut.
Daniel will am liebsten so schnell wie möglich aus dem Krankenhaus heraus. So lange das noch nicht geht, tröstet er sich auch weiter mit seinem Lieblingskuchen.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.