20 Monate alter Junge erhält Niere seiner Mutter transplantiert

Pressemitteilung vom 26.10.2007
Mutter und Kind sind wohlauf - Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Leipzig will Zahl der Nierentransplantationen bei Kleinkindern erhöhen

11 Kilogramm wog Lukas, als er am 9. Oktober im Alter von 20 Monaten eine neue Niere transplantiert bekam. Seine Mutter hatte ihm eine Niere gespendet, um dem Knirps die tägliche Bauchfelldialyse zu ersparen. Prof. Dr. Josef Fangmann vom Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Leipzig führte die Transplantation durch und ist mit dem bisherigen Ergebnis äußerst zufrieden: „Lukas ist das bislang jüngste Kleinkind, das in Leipzig eine Niere erhalten hat. Er hat die Transplantation wunderbar verkraftet. Die komplizierte OP ist sehr gut verlaufen und er macht seitdem wirklich gute Fortschritte“, so Prof. Fangmann.

Transplantationen bei Kleinkindern werden nur sehr selten durchgeführt (im Gebiet von Eurotransplant waren es 2006 sieben Transplantationen bei Kindern unter zwei Jahren), denn man braucht dafür nicht nur einen erfahrenen Operateur, sondern auch Spezialisten für die Nachbetreuung, also z. B. einen Kindernephrologen. In Leipzig arbeiten die Transplantationschirurgen eng mit den Spezialisten in der Universitätskinderklinik und des Kinderdialysezentrums im Krankenhaus St. Georg zusammen. „Für uns ist es wunderbar, dass unsere beiden Einrichtungen nach der Inbetriebnahme des Zentrums für Frauen- und Kindermedizin nun direkt nebeneinander liegen und auch miteinander verbunden sind“, freut sich Prof. Fangmann. Auch Mutter Nadine T. ist sehr froh, dass die Operation stattfinden konnte und solch einen guten Verlauf genommen hat. „Lukas war vier Monate alt, als er täglich die Bauchfelldialyse über sich ergehen lassen musste“, erinnert sich die Krankenschwester. „Als ich wusste, dass seine Nieren beide irreparabel geschädigt sind, war für mich sofort klar, dass ich eine Niere spenden will. Schließlich ist nicht nur die Dialyse eine Belastung für ein kleines Kind, sondern auf Grund der Medikamente und aller Begleitumstände wird die gesamte Entwicklung behindert. Das wollte ich einfach nicht.“ Froh war sie vor allem darüber, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Kuratorium für Heimdialyse (KFH) und dem Universitätsklinikum Leipzig so reibungslos funktionierte.

Am 7. Juni wurde die zerstörte linke Niere des Jungen entfernt und am 9. Oktober war es dann endlich soweit: Eine Stunde und 50 Minuten brauchte das OP-Team um Professor Fangmann, um die Niere von Lukas’ Mut-ter zu entnehmen und gut drei Stunden dauerte es, die kranke rechte Niere des Jungen zu entfernen und gegen die Spenderniere zu ersetzen. „Es ist sehr kompliziert, die doch recht große Niere eines Erwachsenen einem Kleinkind zu transplantieren. Andererseits hat man bei einer Lebendspende die Gewissheit, dass das Organ gesund ist. Erfahrung, ein gutes Team und eine kompetente Nachversorgung beider Patienten sind die Schlüssel zum Erfolg“, resümiert Prof. Fangmann.

Schon einen Tag nach der Operation war die Spenderin wieder auf den Beinen. „Ich habe den Eingriff sehr gut überstanden. Den ‚Verlust’ der Niere empfinde ich nicht. Ich würde mich jederzeit wieder so entscheiden“, ist sich Nadine T. sicher. Sie wohnt derzeit im Ronald-McDonald-Haus und ist täglich viele Stunden bei Lukas auf der Kinder-Intensivstation. „Lukas geht es richtig gut“, sagt sie. „Er ist vom vielen Liegen etwas schlapp, kommt aber offensichtlich gut mit der Niere klar. Auch Nephrologe Prof. Jürgen Strehlau ist zufrieden: „Wenn die Entwicklung von Lukas so weitergeht, können wir den Jungen bald in eine engmaschige ambulante Betreuung überleiten. Dem wird Lukas mit Sicherheit zustimmen, ist der Krankenhausaufenthalt doch recht langweilig.“

Die Professoren Fangmann und Strehlau planen, die Nierentransplantation bei Kleinkindern jetzt verstärkt in Leipzig vorzunehmen. „Das Versagen eines Organs wie der Niere stellt für die Betroffenen und die Familie eine enorme Belastung dar, ebenso die Dialyse. Dann ist es schon hilfreich, wenn die Transplantation mit allen davor und danach stattfindenden Untersuchungen und Behandlungen in räumlicher Nähe stattfinden. Das erleichtert es den Familien ungemein. Wir sind jedenfalls am Universitätsklinikum Leipzig bestens gerüstet für diese Fälle“.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.