Erstmals gelingt in Leipzig komplizierte Speiseröhren-Operation bei Säugling

Pressemitteilung vom 06.08.2007
Baby mit angeborener Fehlbildung von amerikanisch-deutschem Team in Universitäts-Kinderchirurgie erfolgreich operiert / US-Chirurg Foker: Leipzig hat beste Voraussetzungen für Speiseröhren-Zentrum
Zeit 06. August 2007
Ort Leipzig

Der amerikanische Kinderchirurg Prof. Dr. John E. Foker von der University of Minnesota hat am 27. Juli 2007 gemeinsam mit Prof. Dr. Holger Till, Direktor der Leipziger Kinderchirurgie, erstmals in Leipzig bei einem jetzt vier Monate alten Säugling erfolgreich eine langstreckige Verlängerung der Speiseröhre vorgenommen. Bei dem Kind bestand aufgrund einer angeborenen Fehlbildung die Speiseröhre nur aus einem Stummel im Hals und am Magen, etwa 8 Zentimeter Verbindung fehlten.


„Diese langstreckige Ösophagusatresie, so der Fachausdruck für diese Fehlbildung, stellt eine besondere Herausforderung dar“, so der Chef der Leipziger Universitäts-Kinderchirurgie Prof. Till. „Eine Operation ist unumgänglich, denn der Säugling kann keine Nahrung zu sich nehmen und muss durch ein so genanntes Gastrostoma ernährt werden. Bei einem Abstand bis zu 2,5 Zentimetern können die beiden Speiseröhrenenden ohne große Probleme verbunden werden. Bei dem Leipziger Kind fehlten aber immerhin 8 Zentimeter.“


Deshalb nahm Prof. Till Kontakt zu Prof. Foker auf, der eine spezielle Technik für solche Extremfälle entwickelt hatte. „Ich bin gern nach Leipzig gekommen, um dem Kind zu helfen“, so Prof. Foker. „Leipzig ist inzwischen meine zweite Heimat geworden.“ Kein Wunder, denn der amerikanische Kinderchirurg war nun schon das dritte Mal in der Messestadt: Bei seiner Technik muss das Kind dreimal operiert werden – erst dann kann die Verbindung der Speiseröhre erfolgen.


„Ich nehme die Rekonstruktion der Speiseröhre in drei Schritten vor“, erklärt Prof. Foker. „Bei der ersten Operation werden die Enden der Speiseröhre aufeinander zu gezogen und im Körper festgenäht. Nach einigen Wochen wird dieses Verfahren wiederholt, um eine weitere Verlängerung der Speiseröhre zu erreichen. Erst bei der dritten und letzten Operation hat sich der Abstand der Speiseröhrenenden soweit verringert, dass eine Verbindung möglich ist.“


Sein Leipziger Kollege Prof. Till sagte: „Ich habe sehr gern mit Prof. Foker zusammengearbeitet. Denn das praktische Arbeiten mit dem Meister bewirkt einen gewaltigen Wissenstransfer. Erst am OP-Tisch lernt man die Finessen, die bei einer solchen neuen und herausfordernden Operationsserie nötig sind.“


Etwa 75-mal hat der US-Kinderchirurg die von ihm entwickelte Technik schon erfolgreich angewendet. Dass er das Verfahren nun in Leipzig gemeinsam mit Prof. Till praktiziert hat, sieht er als Chance, seine „biologische Rekonstruktion der Speiseröhre“ zum Nutzen der Kinder in die Welt zu tragen. „Ich bin mit Freude und Enthusiasmus nach Leipzig gekommen und möchte, dass hier ein Speiseröhren-Zentrum entsteht. Zumal am Universitätsklinikum mit dem neuen Frauen- und Kinderzentrum eine fantastische Grundlage für hoch-moderne Medizin besteht.“


Hintergrund:


Prof. John E. Foker ist Herz-, Thorax- und Gefäßchirurg an der Universität von Minnesota in Minneapolis. Er arbeitet am University of Minnesota Medical Center, Fairview St. Paul Children’s Hospital, und beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit den Problemen der langstreckigen Ösophagusatresie. Er feierte seinen 70. Geburtstag in Leipzig – genau an dem Tag, als er vor sechs Wochen die erste Operation an dem Leipziger Kind vornahm.

Katrin Geppert

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.