Seltener Eingriff: Zwerchfellhernie bei einjährigem Jungen laparoskopisch operiert

Pressemitteilung vom 20.07.2007
Zeit 20. Juli 2007
Ort Leipzig

An der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie wurde erfolgreich ein sehr seltener Einriff an einem anderthalbjährigen Jungen vorgenommen. Eine angebo-rene Zwerchfellhernie (Loch im Zwerchfell) wurde vom Direktor der Klinik, Prof. Dr. Holger Till minimal-invasiv beseitigt.

Der kleine Tim kam mit einem etwa viereinhalb mal drei Zentimeter großem Loch im Zwerchfell auf die Welt, ein Leiden, dass in 10.000 Fällen etwa dreimal vorkommt. Schuld ist in der Regel eine Störung der Zwerchfellentwicklung beim Fetus. Das Zwerchfell soll normalerweise die die Organe des Brustraums von denen im Bauchraum trennen. Eine Funktion, die es mit einem Loch nicht oder nur eingeschränkt erfüllen kann. Durch das Loch rutschen Milz, Dünn- und Dickdarm in den Brustraum und verhindern die Entfaltung der Lunge. Wird die Hernie nicht erkannt, sterben einige Kinder gleich nach der Geburt, andere leiden an permanenten Atmungsproblemen bis hin zur Lungenentzündung.

Bei Tim wurde das Problem erst im Alter von reichlich einem Jahr diagnostiziert, als er mit Verdacht auf Lungenentzündung in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Bis dahin hatte er schon mit zahlreichen anderen Beschwerden zu kämpfen gehabt. Tim kam schließlich in das Universitätsklinikum Leipzig, wo Prof. Till das Loch schloss. Dabei wandte er nicht den üblichen gro-ßen Oberbauchquerschnitt an, sondern operierte über vier jeweils nur fünf Millimeter große Einschnitte laparoskopisch. „Eine äußerst filigrane Arbeit, die sehr viel Fingerspitzengefühl verlangt“, rekapituliert der Kinderchirurg, der sich mit zahlreichen minimal-invasiven Techniken einen Namen gemacht hat. „Milz und Darm sind bei so einem kleinen Kind sehr empfindlich und können schnell reißen, wenn man zu stark zieht.“ Dennoch, die OP war erfolgreich: Alle Organe sind wieder dort, wo sie hingehören, das Loch im Zwerchfell ist ver-schlossen und Tim hat statt einer großen Narbe nur vier kleine Pflasterchen auf dem Bauch.

Schon zwei Tage nach der OP war der Kleine wieder auf den Beinen und konnte gestern die Klinik wieder verlassen.

„Dieser Fall ist ein gutes Beispiel dafür, dass minimal-invasive Techniken tatsächlich den Krankenhausaufenthalt verkürzen und die Behandlungs- und Lebens-qualität des Patienten verbessern“, ist sich Till sicher, der die nötige Qualifikation für diese Art Eingriffe aus Hongkong mitbrachte. „Für uns Operateure bedeutet das zwar, dass wir immer wieder neue Techniken erlernen müssen, aber es lohnt sich.“

Es war das erste Mal in Mitteldeutschland, dass eine laparoskopische Zwerchfellhernien-OP bei einem Kind durchgeführt wurde. Auch deutschlandweit dürfte eine solche OP nicht öfter als höchsten fünf Mal erfolgt sein.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.