Universitätsklinikum Leipzig zieht positive Bilanz 2006

Pressemitteilung vom 16.07.2007
Positives Ergebnis trotz schwieriger Rahmenbedingungen - gute Leistungsentwicklung im stationären Bereich - Maximalversorgungscharakter wurde deutlich gestärkt

Leipzig – Das Universitätsklinikum Leipzig hat das Geschäftsjahr 2006 mit einem positiven ordentlichen Betriebsergebnis in Höhe von 1,14 Mio. Euro abgeschlossen. Das teilte der Vorstand des Klinikums auf der gestrigen Bilanzpressekonferenz mit. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen habe das Klinikum sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich die mit den Krankenkassen vereinbarten Leistungsmengen nicht nur erreicht, sondern sogar leicht übertroffen. Das Universitätsklinikum Leipzig erhält als einziges deutsches Universitätsklinikum keinen Betriebskostenzuschuss vom Gewährträger.

Insgesamt wurden am Universitätsklinikum Leipzig 44.998 Fälle vollstationär (2005: 44.859) und 2.283 Fälle teilstationär (2005: 2.457) behandelt. Die Summe der Bewertungsrelationen (die Bewertungsrelation ist das Vergütungsäquivalent für stationäre Leistungen im DRG-Fallpauschalenbereich) stieg von 57.365 im Jahr 2005 auf 58.887 im Jahr 2006. Der Case Mix Index als Indikator des durchschnittlichen Schweregrades der behandelten Fälle stieg von 1,312 im Jahr 2005 auf 1,343 in 2006. Auch im Bereich der Bundespflegesatzverordnung (Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie) konnten erfreuliche Leistungssteigerungen erzielt werden.


2006 war schwierig, aber erfolgreich


„Das vergangene Jahr war ein schwieriges, gleichzeitig aber auch sehr wichtiges Jahr für das Universitätsklinikum Leipzig“, erklärte Diplom-Kaufmann Matthias Wokittel, Kaufmännischer Vorstand des Klinikums. „Wir waren mit den Streikaktionen des Marburger Bundes und später denen von ver.di konfrontiert. Insgesamt wurde an 22 Wochen gestreikt. Gleichzeitig initiierten wir wichtige Projekte, wie z. B. die Personalbedarfsberechnung und die Reorganisation der Verwaltung. Und wir hatten ehrgeizige Leistungsziele. Es ist dem Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, dass wir diese Ziele erreicht haben. Dafür gilt ihnen unser Dank.“ Von besonderer Bedeutung für das Klinikum sei die Neujustierung des Leistungsgeschehens gewesen, die zum Ziel hatte, den Maximalversorgungscharakter des Klinikums zu stärken. Ein Indikator dafür sei der Case Mix Index (CMI). Dieser steige seit November 2005 kontinuierlich an und habe im Juni 2007 den Durchschnittswert der deutschen Universitätsklinika erreicht – ein Ziel, welches ursprünglich für das Jahr 2008 angepeilt worden war. Um das Leistungsgeschehen entsprechend steuern zu können, wurde eine Stabsstelle Medizinisches Leistungs- und Qualitätsmanagement eingerichtet, die entsprechende Controlling-Instrumente für das Klinikum entwickelt hat und nun einsetzt. Auch die Kostenseite wurde 2006 eingehend analysiert. Durch Standardisierung, eine Neuvergabe von Lieferantenverträgen und striktes Kostenmanagement konnten trotz der Leistungssteigerungen die Kosten in wichtigen Positionen gesenkt oder stabil gehalten werden. Die Effekte der 2006 eingeleiteten Maßnahmen, so der Vorstand, werden sich erst 2007 in voller Höhe auswirken.

„Alle Maßnahmen“, so Matthias Wokittel, „dienen letztendlich der wirtschaftlichen Stabilisierung des Universitätsklinikums Leipzig und damit der Sicherung von Arbeitsplätzen.“ Es sei strategisches Ziel des Vorstands, Arbeitsplätze zu erhalten. Deshalb müsse das Leistungsgeschehen dem Personalbestand angepasst werden. Der Trend des vergangenen Jahres und auch der ersten sechs Monate des Jahres 2007 unterstreiche dieses Ziel.


Umbau der medizinischen Strukturen


Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand und Sprecher des Vorstands, erläuterte die Maßnahmen, die der Vorstand in Abstimmung mit der Medizinischen Fakultät zur Schaffung langfristig tragfähiger Strukturen in Krankenversorgung, Forschung und Lehre eingeleitet hat. Wichtigster Baustein war die Etablierung einer Departmentstruktur in der Inneren Medizin. „Mit dem Aufbau einer Departmentstruktur beseitigen wir die Hemmnisse der klassischen hierarchischen Gliederung der deutschen Universitätsmedizin, indem wir einerseits den Teilgebieten eines Faches eine weit gehende Unabhängigkeit einräumen und andererseits übergreifende Kompetenzen wie Sicherstellung von Bereitschaftsdiensten, Organisation der Weiterbildung und personelle Ausstattung der zentralen Funktionseinheiten an den geschäftsführenden Departmentsdirektor delegieren“, erklärte Prof. Fleig die Vorteile der neuen Struktur. Diese soll auch auf andere Bereiche übertragen werden. Diese vertikale Organisationsstruktur, die sich an den klassischen Gebieten der Medizin orientiert, wird, so Prof. Fleig, mit einer horizontalen Struktur von Organ-, Krankheits- und Dienstleistungszentren verknüpft. Exemplarisch führte er das Diagnostikzentrum, das Wirbelsäulenzentrum, das Visceralzentrum, das Universitäre Brustzentrum und das Kooperative Darmzentrum Leipzig an. Diese – virtuell existierenden – Zentren ermöglichen die interdisziplinäre Zusammenarbeit der einzelnen Mediziner. Insgesamt würden durch diese mehrdimensionale Struktur einerseits Fachkompetenzen gebündelt und Entscheidungswege verkürzt und andererseits flexible und patientenorientierte interdisziplinäre Strukturen geschaffen, innerhalb derer Abläufe und Schnittstellen klar definiert seien.


Hochschulambulanzen auf dem Prüfstand


Im Rahmen eines breit angelegten Projektes hat der Vorstand die Hochschulambulanzen analysiert. Die Ambulanzen erbringen primär Leistungen für Forschung, Lehre und Weiterbildung, aber auch für die hoch spezialisierte Krankenversorgung in der Region Leipzig. Im Schnitt werden pro Kalendertag 760 Fälle in den Ambulanzen behandelt. Die überwiegend pauschale Vergütung von 36,60 Euro pro Quartalsfall mit einer gedeckelten Höchstmenge ist nicht kostendeckend. Die Analyse hatte daher das Ziel, Transparenz über das breit gefächerte Leistungsgeschehen, seinen realen Bezug zu Forschung und Lehre sowie die tatsächliche Erlös- und Kostenstruktur zu schaffen. Die Ergebnisse sollen eine Steuerung des Leistungs- und Kostengeschehens ermöglichen. Darüber hinaus wurde mit den Verbänden der Krankenkassen ein neuer Vertrag zur Vergütung der Ambulanzleistungen abgeschlossen, der eine leichte Mengensteigerung und eine etwas bessere Vergütung der Leistungen beinhaltet. Der Vertrag läuft über drei Jahre.

Weitere Projekte waren die Inbetriebnahme der Septisch-Rekonstruktiven Station im Operativen Zentrum, die Vorbereitung der Zertifizierung des Kooperativen Darmzentrums Leipzig, die Zertifizierung der Zentralsterilisation des Klinikums, die Rezertifizierung des Universitären Brustzentrums, die Entwicklung klinikumsinterner Leitlinien und Behandlungspfade, die Etablierung eines OP-Managements, der Neuaufbau der Krankenhaushygiene in Kooperation mit dem Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Halle und die Zentralisierung des Pflegemanagements.

Mit den vier neu berufenen Ordinarien Prof. Till (Kinderchirurgie), Prof. von Klitzing (Kinder- und Jugendpsychiatrie), Prof. Kaisers (Anästhesiologie) und Prof. Hegerl (Psychiatrie) wurden hervorragende Fachleute nach Leipzig geholt, die für Klinikum und Fakultät eine wertvolle Bereicherung sind.


Erstes Halbjahr 2007 verlief positiv


Zufrieden zeigte sich der Vorstand mit dem Leistungsgeschehen im ersten Halbjahr 2007. „Wir konnten den positiven Trend des Jahres 2006 in den ersten sechs Monaten des Jahres 2007 noch verstärken“, erklärte Matthias Wokittel. Die Fallzahl im DRG-Bereich konnte um 6 % gesteigert werden, die Summe der Bewertungsrelationen um 10,6 %. Sie lag bei 32.165 BWR Ende Juni. Der CMI beträgt inzwischen 1,402. Die gleiche Entwicklung ist auch im Bundespflegesatz-Bereich zu beobachten. Hier stiegen die Fallzahlen um 22 %; die Zahl der Pflegetage um 10 %. „Mit diesen Leistungen unterstreichen wir die Bedeutung, die das Universitätsklinikum innerhalb Sachsens Krankenversorgung hat“, betonte der Vorstand.


Neubauvorhaben liegen im Zeitplan


Mit Blick auf die laufende Bau- und Investitionstätigkeit berichtete der kaufmännische Vorstand, dass sowohl der Neubau des Zentrums für Frauen- und Kindermedizin als auch der Neubau des Zentrums für Konservative Medizin im Zeitplan liegen. Ende August ziehen die Kinderklinik, die Kinderchirurgie, die Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Universitätsfrauenklinik in das neu errichtete Zentrum für Frauen- und Kindermedizin ein. „Mit der Inbetriebnahme des Neubaus werden sich die Bedingungen für unsere Patienten und Mitarbeiter deutlich verbessern. Das Klinikzentrum wird zu den modernsten in ganz Europa zählen“, freut sich Matthias Wokittel auf die Inbetriebnahme. Weitere Infrastrukturprojekte seien die Inbetriebnahme des Psychosozialen Zentrums im Dezember 2007, der Bau eines Logistikzentrums und einer Kältezentrale, die Sanierung der Medizinischen Berufsfachschule, die Sanierung des Institutsgebäudes der Pathologie und die Sanierung der Zahnkliniken an der Nürnberger Straße. Die umfangreichen Investitionen kämen nicht nur dem Klinikum zu Gute sondern hätten auch positive Effekte auf den Arbeitsmarkt in der Region.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.