Zeitiger Pollenflug zwingt Allergologen zum Umdenken

Pressemitteilung vom 16.05.2007
Zeit für Hyposensibilisierung wird immer knapper / Leipziger Hautklinik: Therapie muss möglicherweise schon in der Saison beginnen

Der sehr zeitige Pollenflug in diesem Jahr macht nicht nur den Allergikern zu schaffen. Auch die behandelnden Ärzte sehen Probleme kommen, weil zu wenig Zeit für die Hyposensibilisierung war. Damit könnte diese Therapie, die vielen Allergikern hilft, über den Höhepunkt der Pollenbelastung zu kommen, nicht die gewünschten Ergebnisse haben.


„Normalerweise fangen die Gräserpollen Ende April / Anfang Mai an zu fliegen“, so Dr. Regina Treudler, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Die Gräserpollen erreichen üblicherweise ihren Höhepunkt im Mai und Juni und verursachen dann bei den Allergikern die schlimmsten Beschwerden. In diesem Jahr haben wir Ende April aber schon einen äußerst starken Gräserpollenflug gehabt.“


Damit bekamen die Gräserpollen-Allergiker in diesem Jahr sehr viel früher und wahrscheinlich länger Beschwerden. Das heißt, dass die Betroffenen nun auch länger ihre Medikamente einnehmen müssen. Zudem wird die Zeit für eine Hyposensibilisierung immer knapper.


„Mit dieser Therapie, auch Hyposensibilisierung, Spezifische Immuntherapie oder Allergieimpfung genannt, soll ja die Wirkung von Allergenen herabgesetzt werden“ erklärt Dr. Treudler. „Dabei verabreichen wir dem Patienten, der unter einer Allergie leidet, anfangs sehr geringe und im Verlauf zunehmende Dosen jener Allergene, die ihn beeinträchtigen. Damit soll in seinem Körper eine Toleranz erzeugt werden. Einfach gesagt: Der Körper wird an die Pollen gewöhnt, damit er nicht mehr so heftig reagiert.“


Diese Hyposensibilisierung zeigt nach den Daten der Leipziger Allergologin die besten Erfolge, wenn sie etwa vier Monate vor der jeweiligen Pollenbelastung eingeleitet wird. „Wir begannen also bei Patienten im Januar mit der Hyposensibilisierung. Allerdings haben uns das Wetter und die Natur einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem die Pollen so früh kamen. Das heißt, dass bei diesen Patienten wohl wenig Erfolg eintreten wird. Es ist zu befürchten, dass die Therapie schwächer wirkt.“


Die Schlussfolgerung von Dr. Treudler lautet: „Wir müssen mit der Hyposensibilisierung noch früher beginnen. Möglicherweise kann man diese Therapie zukünftig mit neuen Präparaten auch schon in der Saison beginnen. Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Auf alle Fälle müssen wir umdenken und lernen, mit der Lage umzugehen.“


Bisher wurde davon ausgegangen, dass in der Spätherbst- und Winterzeit, wenn die Patienten also beschwerdefrei sind, mit der Therapie begonnen wird. Da die beschwerdefreie Zeit immer kürzer wird – zum einen verlängert die aus Amerika nach Deutschland eingeschleppte die Ambrosia-Pflanze die Pollenflugzeit bis in den Spätherbst, zum anderen begann durch den milden Winter und das fast sommerliche Frühjahr die Pollenflugsaison sehr zeitig – muss nun geprüft werden, ob die Hyposensibilisierung noch während der Saison begonnen werden kann. „Wir sammeln derzeit Erfahrungen, inwieweit das möglich ist“, so die Leipziger Allergologin. „Die Frage ist aber auch, was botanisch in diesem Jahr passiert. Es könnte ja sein, dass die Gräserpollen nur früher fliegen und dann im Sommer nicht mehr in dieser Konzentration auftreten. Weniger gut für die Allergiker wäre, wenn sich die Pollenflugzeit grundsätzlich verlängern würde. Ich persönlich denke, dass genau das eintreten wird. Wir werden wohl für die Gräserpollenallergiker nicht mehr nur mit zwei bis drei Monaten, sondern mit drei bis vier Monaten starker Belastung rechnen müssen.“

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.